Etappe 12 – Von HH-Ohlsdorf nach HH- Moorfleet- 35,6 km

Der Ohlsdorfer Friedhof ist alleine schon eine Etappe Wert. Er ist mehr Park als Friedhof. Auf der Hauptachse ist reger Autoverkehr. Weiter geht‘s dann immer entlang der Alster bis in die Innenstadt. Einen Abstecher am Büro vorbei und schon geht es an den Hafen. Raus nach Osten immer der Elbe entlang geht es vor allem an Gewebegebieten vorbei sowie an Anlagen für den Hochwasserschutz.



HH-Ohlsdorf – HH-Innenstadt – Hafen – Speicherstadt – HafenCity – Moorfleet

Der größte Parkfriedhof der Welt mit seinen 389 ha ist der Ohlsdorfer Friedhof im Norden Hamburgs. Vor allem im Westteil wirkt er eher wie ein englischer Park, in den ein paar Grabstätten eingestreut sind. Die Grabmäler sind teilweise ganzen Mausoleen, gleich neben einfachen Gräbern stehend. Mehr als ein Dutzend Kapellen sind auf dem Friedhof verteilt, damit der letzte Weg nicht so weit ist. Pro Jahr finden ca. 4.500 Bestattungen statt. Mit einer Kapelle kommt man da nicht aus. Buslinien verbinden die einzelnen Bereiche. In die Parkanlage sind einzelne Seen eingestreut, die zum Verweilen einladen. Selbst Rehe scheinen sich hier wohl zu fühlen, wenn sie nicht wie gerade geschehen von mir versehentlich verscheucht werden. Nach einem Gang von 7 km auf dem Friedhof geht es durch das prächtige Verwaltungsgebäude hinaus und wieder an die Alster.

Als gereiste Menschen wissen sicher die meisten, dass Alster neben dem Namen des Flusses auch ein Getränk ist, im Süddeutschen unter dem Namen Radler als Mischung von Bier mit Zitronenlimonade bekannt. Irgendwo gibt es einen Äquator zwischen diesen beiden Begriffen und der wird mit zunehmender Reisefreudigkeit immer verschwommener. Den Begriff Radler kann ich mir noch erklären: Jemand der noch Rad fahren muss sollte weniger Alkohol trinken und zusätzlich geht der Zucker aus der Limo schneller ins Blut und macht den Radler wieder fit. Also ein passender Name. Aber wo kommt das Wort Alster für das gleiche Getränk her? Vom gleichnamigen Fluss? Etwa von der braunen Farbe des Wassers? Ich weiß es nicht, aber vielleicht jemand anderes. In einem Internet-Artikel habe ich gelesen, dass das Getränk genau wegen der braunen Farbe so heißt. Im gleichen Artikel stand aber auch, dass Radler im Gegensatz zum Alster immer mit Orangenlimonade gemischt wird. Dies ist die absolute Ausnahme. Also Vorsicht bei Blogs im Internet😉.
Natürlich liegen auch einige herrliche Villen an der in diesem Bereich aufgestauten Alster. Nicht weniger schön sind die aneinander gebauten Häuser mit eigenem Alsterzugang. Ob die Einwohner wohl behaupten, dass sie in einer Blockrandbebauung wohnen? Überall wird von fleißigen Menschen Hecken geschnitten und Flächen bearbeitet. Alles was Krach macht wird eingesetzt: Motorbetriebene Heckenscheren, ebenso laute Trimmer, Häcksler und nicht zu vergessen die von meiner Frau so geliebten Laubbläser. Ruhig wirdˋs wahrscheinlich erst wieder am Wochenende.

Danach noch einen Abstecher ins Hamburger Büro, den eigentlichen Zweck der Wanderung, die alten Kolleginnen und Kollegen besuchen. Als armer Wanderer werde ich bestens verköstigt. Es ist schön, gewisse Menschen nach einem halben Jahr wieder zu treffen und sich auszutauschen. Ein gemeinsames Abendessen muss leider wegen Corona entfallen. Ein kleines Abendessen gibt es dann doch auf dem Feuerschiff im Hafen. Wie allgemein bekannt ist ein Feuerschiff ein Seezeichen wie ein Leuchtturm. Nur ist es kein Turm sondern ein Schiff. Es wird an einer Stelle fest vertäut und sendet sein Licht. Für den „Leuchtturmwärter“ war nur der Landgang etwas schwieriger. Der Blick beim Essen ist sensationell genau auf die Elbphilharmonie (siehe Abschnittsbild).
Nach dem Essen mit Nachtisch ist noch ein kleiner Verdauungsspaziergang angesagt. Durch die Speicherstadt und die HafenCity geht es weiter nach Osten. Anhand der Kräne ist auf weitere Bauaktivitäten zu schließen. Unter den Elbbrücken hindurch geht es zum nächsten technischen Highlight. Auf der Elbinsel Kaltehofe sind noch die Ein- und Auslaufbauwerke sowie die Becken des ehemaligen Wasserwerks der Stadt Hamburg zu sehen. Hier wurde bis 1990 Elbwasser gereinigt und ins Trinkwassernetz eingespeist. Interessanter ist der Anfang der Anlage. Auf Beschluss der Bürgerschaft wurde die Anlage zuerst gegen das Anraten des englischen Ingenieurs ohne Filteranlagen gebaut. Mit zunehmender Verschmutzung wurde eine Filtrationsanlage ab 1890 nachgerüstet, war aber bei der Choleraepedemie von 1892 noch nicht einsatzfähig. Bis 1893 wurde dann die Filtrationsanlage in Rekordzeit fertig gestellt. Was lernt ihr daraus? Hört gleich auf Ingenieure!
Der Rest des Weges bis nach Moorfleet war nur noch ätzend.


Entfernung

Etappe – 35,6 km

Gesamt – 418,4 km

Höhenmeter

Etappe – 99 m

Gesamt – 2.406 m