Nach dem Besuch der Hamburger Kollegen beginnt nun Abschnitt 2. Die Wanderung teilt sich heute in zwei sehr unterschiedlicheAbschnitte, auch wenn es beide Male der Elbe entlang geht, erst der Duve Elbe und anschließend der richtigen Elbe. Die geistige Trennung ist das Konzentrationslager Neuengamme, welches fast am Ende der Duve Elbe liegt. In Geesthacht muss zum ersten Mal die Flussschifffahrt (ein tolles Wort mit sss und fff) durch Schleusenbauwerke unterstützt werden.

geducktes Haus hinterm Deich 
Namentlich Bekannte gestorbene aus den Totenbüchern 
Ehemaliges Kennkraftwerk Krümmel
Moorfleet – Curslack – Neuengamme – Altengamme – Geesthacht – Krümmel
Für einige ist der Blog so Frühstückslektüre statt oder vor der Zeitung mit ihren Weltschmerzen. Mir wurde jedoch auch zugetragen, dass einzelne Leser bzw. Leserinnen des Blogs schon abends auf den Bericht warten und vorher nicht ins Bett gehen. Gestern war es natürlich sehr schlecht, dass ich nach dem Abendessen mit herrlichem Ausblick noch einen „Verdauungsspaziergang“ von über 10 km gemacht habe. Der Bericht kam dadurch „etwas“ später. Ich habe verstanden: Erst Wandern, dann Essen und daneben schreiben, dann fertigstellen und dann ist gut. Ich gelobe Besserung, ich möchte ja nicht daran Schuld sein, wenn jemand übermüdet zur Arbeit kommt☺️.
Der erste Abschnitt der Wanderung geht an der Duve Elbe, was etwa „taube“ Elbe bedeutet, entlang. Die Duve Elbe war ein Seitenarm der Elbe, den man im 15. Jahrhundert durch einen Damm von der Elbe abgetrennt hat. Das Ganze diente damals der vermehrten Wasserführung der Elbe und somit ihrer besseren Schiffbarkeit. Trockenjahre mit ihren Auswirkungen gab es schon lange an der Elbe. Auch die Duve Elbe ist noch den Gezeitenauswirkungen unterworfen.
An der Duve Elbe gibt es entlang des Wasserlaufs links und rechts einen Damm, die heute als Fahrstraße dienen. Die Häuser wurden früher eng geduckt hinter dem Deich errichtet, so dass auf der Deichseite des Hauses kaum noch Licht durch die Fenster kam. Die Orte sind eine durchgehende Aneinanderreihung von einzelnen Häusern fast über die gesamte Länge ohne Unterbrechung oder Dorfstruktur.
Etwas abseits der Route gehe ich noch zum ehemaligen Konzentrationslager Neuengamme. Es war kein Vernichtungslager, sondern ein sogenanntes Arbeitslager. Aufgabe war Ton abzubauen und Ziegel herzustellen. Zum besseren Transport mußte von den Lagerinsassen ein Seitenkanal der Dove Elbe mit Hafen errichtet werden. Gegraben wurde mit Schaufeln oder den Händen. Der Transport erfolgte mit Schubkarren und Loren, natürlich von Hand geschoben. Es sollten keine Resourcen verschwendet werden, gemeint war damit Treibstoff. Das Motto war eher im wahrsten Sinne des Wortes „Arbeiten bis zum Umfallen“. Es starben ca. 4.200 Menschen im Lager. Die Schwachen wurden jedoch oft in Vernichtungslager gebracht und tauchen hier in der Statistik nicht auf. Berührend finde ich die Gedenkstätte, einen quadratischen schlichten Bau. An drei Wänden sind Banner angebracht, auf denen die Todesdaten und die Namen Aus den Totenbüchern übertragen wurden. In den ersten Jahren waren es pro Tag nur wenige Tode mit einzelnen Lücken in den Tagen, in den letzten Jahren ist die Chronologie lückenlos, mit teilweise über 30 Toten pro Tag. Wie hält man dies als Mithäftlinge aus? Durch die Namen sind es keine anonymen Tote, sondern einzelne Personen, teilweise mit Gesichtern (Angehörige aber vereinzelt Photographien neben die Namen gehängt). Die Schlichtheit und durch die Namen Persönlichkeit berührt mich mehr als noch als all die grauseligen Bilder vor allem der Vernichtungslager. Ein Umweg, der sich für mich auf jeden Fall gelohnt hat.
Kurz danach wird die Elbe erreicht und in Richtung Geesthacht erwandert. Die Elbe hebe ich mir für einen der nächsten Blogs auf. Kurz vor Geesthacht ist das erste Schleusenbauwerk auf der Elbe und gleichzeitig das einzige in Deutschland. Die Stauhöhe beträgt ca. 4 Meter, aber viel entscheidender ist, dass damit der Einfluss des Tidehubs, der bis dorthin sichtbar ist (normal ca. 1,30 m bei 140 km nach der Mündung), vorbei ist. Ich habe wenige Schiffe flußaufwärts gesehen, aber keine flußabwärts. An der Schleuse sehe ich den Grund: erst wird die Schleuse ganz mit Schiffen gefüllt, bevor geschleust wird. Und wenn zeitweilig weniger aufwärts fahren, gibt es abwärts Stau, was der Fall ist.
Weiter Geht die Tour auf dem Flussdeich nach Geesthacht, ein Ort der bei mir keinen bleibenden Eindruck hinterlässt. Weiter flussaufwärts gibt es noch ein Pumpspeicherwerk mit einer Höhendifferenz von nur 85 Meter, wahrscheinlich ursprünglich gespeist durch den Atomstrom aus dem daneben liegenden Kraftwerk Krümmel. Das Atomkraftwerk Krümmel beeindruckt alleine durch seine Größe. Es hat nichts gemeinsam mit der äußeren Gestalt Atomkraftwerken wie ich sie kenne mit einem kugelförmigen Reaktor und Kühltürmen. Es ist seit über 10 Jahren nicht mehr am Netz und wahr eher Synonym für Ausfallzeiten als für Betrieb. Austritt von radioaktivem Material gab es wohl nie. Es stehen zwar viele Container herum (siehe Bild), aber äußerliche Spuren des Rückbaus gibt es nicht.
Übrigens habe ich jetzt bereits das Stadtgebiet von Hamburg verlassen und befinde mich im Kreis Herzogtum Lauenburg.
Kilometer heute: 34,1 km
Kilometer gesamt: 452,5 km
Höhendifferenz heute: 87 m
Höhendifferenz gesamt: 2.493 m