Etappe 14 – Von Krümmel nach Bleckede – 31,3 km

Dies ist jetzt der erste von mehreren Tagen, an denen es immer an der Elbe flussaufwärts geht. Am Anfang ist der Großstadteinfluss von Hamburg noch spürbar. Neubauten in Blockbebauung in den Außenbezirken sind typisch für den Speckgürtel einer Großstadt. Die nachfolgende Städte Lauenburg und Boizenburg sind schön hübsch hergemacht und idyllisch. Entlang der Elbe beeindruckt die Weite und Größe. Wenig stört.



Krümmel – Lauenburg – Horst – Boizenburg – Bleckede

Hamburg ist nun verlassen und die Wanderung geht weiter im Fürstentum Lauenburg, heute im Kreis Fürstentum Lauenburg, was sich im Zuschnitt kaum unterscheidet. Also erst mal den Berg hoch, um das Schloss anzusehen. Übrig ist noch der Schlossturm, eigentlich das Wahrzeichen von Lauenburg. Für mich überraschend ist, dass alles mit dem Auto zugänglich ist. Jede noch so enge Gasse darf befahren werden und der Schlossturm eignet sich dafür, dass man um ihn parken kann. Bilder ohne Auto brauchen eine gewisse Vorbereitung. Das Stadtbild der Altstadt ist in sich stimmig, trotz mehrerer neuerer Gebäude. Den Stadtkern kann ich nicht ausmachen.

Nun geht die Wanderung auf dem Deich erst richtig los. Links grün mit Felder, rechts die Grünen Vorländer. Nicht lange und der Weg führt im Bereich des Steihanges (so nennen sie die seitlichen Erhöhungen, nicht zu verwechseln mit Steilheit und Höhe mit den Hängen von Mosel und Rhein) durch einen Kiefernwald. Da wurde es für mich offensichtlich, dass ich im Grenzbereich auf dem Territorium der neuen Bundesländer bin. Der Weg führt auf den typischen Kontrollwegen der Grenzüberwacher. Entweder werden die Fahrspuren, und nur die Fahrspuren mit einer Art Rasengittersteinen verlegt oder es sind Betonfertigteile, die die Fahrspur abdecken. Vor allem auf den Rasengittersteinen läuft man schlecht. Die gleichen Wege gab es auf unserer Ost-West-Wanderung ebenfalls Im Grenzbereich von Erzgebirge und Thüringer Wald.

Die erste Stadt, die ich im Mecklenburg-Vorpommern erreiche ist Boizenburg, ein schmuckes Kleinstädtchen. Auf dem Weg liegen noch zwei Museen. Eines befasst sich mit den Elbhochwässern und den ergriffenen Maßnahmen. Sehr informativ und gut erklärt für Laien, für mich nichts Neues. Immer wieder wird auch in dieser Ausstellung auf den Zusammenhalt bei der Bekämpfung der Hochwässer hingewiesen. Dies scheint doch sehr positiv hängen geblieben sein. Das zweite „Museum“, eher ein paar Schautafeln und ein abgesägter Wachturm, zeigen die besondere Rolle von Boizenburg bei den Westflüchtlingen auf. Boizenburg scheint wegen der Unübersichtlichkeit des Gelände ein El Dorado für Flüchtlinge gewesen zu sein. Vielen ist hier zumindest anfänglich die Flucht gelungen. Anscheinend wurden in diesem Grenzgebiet einfach viele Auflagen des MfS einfach nicht beachtet, eine Form von zivilem Ungehorsam oder einfach nur Pragmatismus (Besucher brauchten einen Antrag, viele Wege waren ohne Genehmigung gesperrt, so dass eigentlich riesige Umwege gefahren hätten müssen).

Boizenburg ist ein schmuckes Kleinstädtchen und hat nichts vom DDR-Charme an sich: Keine Plattenbauten, keine heruntergekommenen Straßen, keine grauen Gebäude. Der wesentliche Unterschied zu Lauenburg liegt vor allem in dem Ausbau der Verkehrswege. In der gesamten Innenstadt sind Straßen, Gehwege, Parkflächen und Plätze alle gepflastert. Nach der Wende betrug die Förderquote 100%, aber die Folgekosten für die Instandhaltung sind auch extrem hoch. Hier ist alles OK. Die Planer durften sich ausleben. Die Anzahl der unterschiedlichen Pflaster oder deren Anordnung möchte ich gar nicht zählen.

Nach Boizenburg bis Bleckede geht es auf oder neben dem Damm, genauso wie an der Nordsee. Ich habe drei Möglichkeiten zu laufen:

  • Auf der Dammkrone, entweder befestigt oder auf Gras,
  • Auf der Flussseite, meist Erd- oder Graswege zur Andienung der Vorlandflächen
  • oder auf der Landseite auf dem sogenannten Verteidigungsweg. Dieser muss bei allen Witterungen zur Verteidigung des Dammes gut befahrbar sein und ist deshalb immer befestigt. Dieser ist dann auch immer der Radweg.

Auf die Länge der Wanderung halte ich dies nur aus, wenn ich zwischen den drei regelmäßig wechsle. Man kann sich die Welt auch schöner machen. Hier gibt es auch noch zwei stehen gebliebene Wachtürme. Einer wird als großer, mit angehängten kleinerer Nistkästen weiter benutzt. Eine gute Art der Nachhaltigkeit.

Zum Schluss darf ich zum ersten Mal mit der Fähre übersetzen. Schön mal Strecke zu machen, ohne etwas selbst zu tun. Und Wasser ist immer wieder faszinierend. Heute bin durch drei Bundesländer gewandert: Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und jetzt Niedersachsen.


Entfernung

Etappe – 31,3 km

Gesamt – 483,8 km

Höhenmeter

Etappe – 153 m

Gesamt – 2.646 m