Etappe 15 – Von Bleckede nach Hitzacker – 35,7 km

Auch heute geht das Wechselspiel zwischen den Elbseiten weiter. Erst mal wieder eine morgendliche Überfahrt nach Mecklenburg-Vorpommern, um dort überwiegend auf dem Damm zu wandern. Die scheinen hier alle relativ neu oder ertüchtigt zu sein. In Darchau wird wieder linkselbisch rückgewechselt. Die Wanderung geht hier direkt durch die Elbeauen.



Bleckede – Stiepelse – Neu Garge – Konau – Darchau – Klein Kühren – Glienitz – Drethem – Hitzacker

Zuerst noch ein morgendlicher Spaziergang zum Schloss, welches eine kurze Blütezeit durch einen Bücher sammelnden Fürsten hatte. Die Bücher sind heute ein unschätzbarer Wert, aber schon lange in Wolfenbüttel in sicherem Gewahr.

Mit der Fähre wird wieder übergesetzt und der erste Tagesabschnitt am rechten Ufer gelaufen. Das Schild am Fährhafen auf der Ostseite habe ich am Abend vorher gar nich mehr gesehen. Morgens sieht die Welt doch wieder ganz anders aus. Die Wanderung geht hauptsächlich über den Damm mit kleinen Abstechern. Der erste ist nach Stiepelse. Eine „Eingeborene“ hat mir auf der Überfahrt wärmsten empfohlen, ins Café Plan b zu gehen, welches von der ehemaligen Fährfrau dieser Fähre aufgemacht wurde. Das Café war ihr Plan b. Es fangen wohl alle Speisen und Kuchen mit einem b an. Eine interessante Idee und bei Änderung der Speisekarte immer wieder herausfordernd. Leider kann ich das Café nicht testen, da es erst ab 12.00 Uhr öffnet.
In Stiepese sehe ich auch ein besetztes Storchennest mit Jungen und mitbekommen, dass ich mich hier auf der Storchenstraße befinde. Andere Storchennester sind leer. Heute sehe ich mindestens 8 Störche. Es kann jedoch auch nur ein Storch sein, der mich verfolgt und neugierig betrachtet. Störche sind schon komische Vögel, sie nisten überwiegend in den Orten unmittelbar über den Köpfen der Leute. Wenn ich mich aber wandernd auf dem Weg an ihnen vorbei bewegen möchte, darf ich mich ihnen auf maximal 100 Meter nähern, bevor sie davonfliegen. Welche Logik!

Über 90 % der Radfahrer kommen mir entgegen, also fahren Elbe abwärts. Es scheint Wohlstand zu sein, dass der Radfahrer gerne mit dem Wasser mitfließt. An der Höhendifferenz kann es in diesem Abschnitt der Elbe nicht liegen. Von der Mündung bis beispielsweise Dresden, ein beliebter Ausgangspunkt für Radtouren, sind es gerade mal 122 m, eigentlich auf die Strecke betrachtet nichts. Da die Elbe hier von Südost nach Nordost fließt, wir vorwiegend Westwind haben, wird immer gegen den Wind geradelt, weitaus anstrengender als 122 Höhenmeter. Den wenigen noch wirklichen Radlern sieht man dies auch abends an (ich sehe wahrscheinlich auch nicht besser aus). Die meisten sind auch hier mit dem e-Bike unterwegs. Mit genügend Batterieleistung sind die Leute zur jeder Tageszeit sehr entspannt. Für Fußgänger und Wanderer haben e-Bikes den Nachteil der erhöhten Geschwindigkeitsdifferenz. Auf den Wegen der Elbe entlang spielt dies keine Rolle, da genügend Platz vorhanden ist. In Ortschaften oder bei schmäleren Fuß-Rad-Wegen pfeifen auch rüstige Rentner mit genau 25 km/h an einem vorbei. Wenn sie von hinten kommen, hört man sie ja nicht einmal mehr, denn sie kommen ja nicht einmal mehr bergauf ins schnaufen. Das e-Bike verändert das Verhältnis von Fußgängern zu Radfahrern.

In Konau sehe ich mir noch zwei kleine Museen an, die sich ausschließlich mit dem unmittelbaren Grenzbereich befassen. Im ersten wird auf die Besonderheiten des Lebens im 500 Meter Bereich eingegangen. Jeder Besucher brauchte eine Genehmigung und einen Passierschein. Gestört hat die Leute vor allem, dass sie nicht nachvollziehen konnten, wer einen bekam und wer nicht. Die Regeln waren unklar oder nicht transparent. Es kam vor, dass jemand nicht die Genehmigung zur Beerdigung seiner Eltern nicht bekam. Fehlende Transparenz und Nachvollziehbarkeit ist auch in anderen Bereichen oft ein größeres Problem als die Sache selbst.

Das zweite Museum befasst sich mit der Zwangsumsiedlung ab 1952, in mehreren Wellen. Es wurden einzelne Familien oder Personen umgesiedelt, nicht ganze Dörfer. Der Verdacht war immer latent, dass ein lieber Nachbar einen angeschwärzt hat. Die Äcker wurden dann ja neu verteilt. Man sieht auch hier, dass die Willkür die Leute auch heute noch mehr beschäftigt als zum Beispiel fehlende Güter.

Nach dem vielen Laufen auf dem Damm geht die zweite Hälfte auf Erd- und Graswegen direkt durch die Auen über Wiesen oder durchs Schilf, eine angenehme Abwechslung. Ab und zu schreckt ein Tier neben einem auf und ich verschrecke jedesmal mit. Auf ca. 10 km bin ich an drei Campingplätzen vorbei oder durch gelaufen. Teilweise Luxus pur, wie die Leute ausgestattet sind. Es sind auch einige sehr gemeine Zeitgenossen unter den Campern. Sie sitzen in ihren bequemen Sesseln, das geht ja noch. Dann trinken sie, wenn ich vorbeilaufe, sehr genüsslich ein eisgekühltes Weizenbier und niemand hat mir eins angeboten.
In Hitzacker, dem heutigen Ziel, komme ich noch an einem Vereinsheim vorbei, mit etwas was ich 200 km von der Küste nicht vermutet hätte. Es ist das Vereinsheim des Shantychors DIE JEETZELSTAKER, wahrscheinlich ein Größe auf diesem mir unbekanntem Musikmarkt. Was ein Shantychor ist muss ich sicher nicht erklären, da dies ja jeder weiß.
zum Schluss habe ich noch etwas unerwartetes gesehen. Es gibt hier einen Weinberg. Trotz Versuche in mehreren Lokalen war es mir nicht vergönnt, einen Hitzelsacker zu trinken. Zumindest die Adresse meiner Unterkunft lässt mich gut schlafen: Am Weinberg 2!


Entfernung

Etappe – 35,7 km

Gesamt – 519,5 km

Höhenmeter

Etappe – 175 m

Gesamt – 2.821 m