Heute ist Elbetag. Den ganzen Tag geht es fast immer auf der Deichkrone entlang. Es ist typisches Nordseewetter, nur ohne Regen aber mit viel Wind. Schafe gibts und sogar ein paar Wellen auf der Elbe. Ob es hier dann abends auch Pharisäer gibt?

Böiger Wind und „wilde“ Pferde 
Storch mit Schafen 
Lückenhaftes Wittenberge
Mödlich – Lenzen – Lütkenwisch – Wentdorf – Wittenberge
Noch einen kleinen Nachtrag für Andrea: mein Ornithologe kommt aus Hildesheim.
Heute gehört der Tag ganz der Elbe. Es ist extrem windig, manchmal schon fast stürmisch. Die Radfahrer Richtung Südost fahren auf dem Deich (sie haben Rückenwind), die entgegenkommenden hinter dem Deich (sie haben leider Gegenwind). So einfach regelt ein starker Wind den Richtungsverkehr. Wenn ich die breiten Auen und Vorländer sehe kann ich mir die verheerenden Hochwasser der Vergangenheit gar nicht vorstellen. Es ist wohl nicht nur der Fluss, sondern auch das Einzugsgebiet. Wenn die Wässer ungebremst zur Elbe fließen, ist es danach auch zu spät. Heute laufe ich auf einem über 6 km langen Teilstück, in dem der Damm 2008 rückversetzt wurde und dadurch große Vorlandflächen gewonnen wurden, die heute als Biotop ausgewiesen sind. Teilstücke des alten Damms, natürlich unterbrochen, haben sie stehen gelassen. Das Dammmaterial haben sie wohl durch künstliche Vertiefungen des Vorlandes gewonnen. In Lenzen gibt es ein eigenes Museum dafür.
In den letzten Tagen habe ich genau zwei Frachtschiffe auf der Elbe fahren gesehen. Ich hatte nicht die ganze Zeit Blick auf die Elbe, aber überwiegend. Es ist für mich erstaunlich, wie wenig Schifffahrt hier stattfindet. In Deutschland ist die Elbe ab Geesthacht in der Bedeutung ganz weit hinten. Selbst Flüsse wie Mosel, Neckar oder Weser haben eine größere Bedeutung, bzw. Frachtmenge. Ab Magdeburg sinkt das Frachtaufkommen schon fast in den Bereich des messbaren. Die Schiffe in Geesthacht im Oberwasser hatten wahrscheinlich nicht auf die Durchfahrt gewartet, sondern lagen auf Reede (siehe Etappe 13). Es ist verwunderlich, da die Elbe der drittgrößte Fluss Deutschlands ist, sowohl der Länge, als auch der Wassermenge nach. Sicher spielen die vielen Jahre der Teilung Deutschlands eine Rolle, die Naturbelassenheit und der doch stark schwankende Wasserstand und die fehlende Industrie am Fluss. Die Bedeutung hat sich auch seit der Wiedervereinigung kaum verbessert. Ab Magdeburg geht die kommerzielle Schifffahrt nochmal erheblich zurück.
Die Begegnung mit dem Ornithologen hat meinen Ehrgeiz angestachelt, auch noch ein besseres Bild eines Storches zu schießen. Ich sehe an verschiedenen Stellen, dass Störche mitten in Schafherden stehen. Es scheint eine Symbiose zwischen Schafen und Störchen zu geben. Das Gebell eines Hirtenhundes, der ebenfalls zwischen den Schafen liegt, stört sie auch nicht. So komme ich auf wenige Meter ran, bevor er Reißaus nimmt.
Ziel heute ist Wittenberge. Es ist Sonntag und da darf man es nicht übertreiben. Im Internet fand ich den Stadtgrundriß der Altstadt so interessant: einen ovalen Grundriß mit Straßen wie die Zierbänder auf Ostereiern. Die Struktur ist vor Ort nur bedingt sichtbar, da immer wieder zwischen den Häusern eines oder mehrere fehlen. Das Städtchen würde ich als die lückenhafte Stadt bezeichnen. Das Bild zeigt die Kirche durch eine Lücke. Bei vielen Giebelseiten ist das Fehlen des Nachbargebäudes sichtbar. Ein Straßenbild kommt so nicht zu Stande.
Ich habe ja noch Tangermünde als Alternative vor mir.

Entfernung
Etappe – 32,5 km
Gesamt – 590,3 km

Höhenmeter
Etappe – 64 m
Gesamt – 2.947 m