Etappe 18 – Von Wittenberge nach Havelberg – 38,5 km

Beim Durchschauen ist mir aufgefallen, dass die Etappenbilder der letzten 4 Tage sehr ähnlich sind. Dies spiegelt auch die Wanderung wieder. Heute könnte ich ein ähnliches Bild einstellen, nein, aber heute kein Landschaftsbild. Die Flusslandschaft in meinem erwanderten Bereich ab Geesthacht ist auf beiden Seiten des Flusses sehr gleichartig. Heute ist Störche High Light. Ein gutes Stück geht es mal nicht der Elbe entlang sondern der Havel, besser gesagt dem Gnevsdorfer Vorfluter. Das Ziel, die Hansestadt Havelberg, ist schon von weitem an seinem Dom zu erkennen.



Wittenberge – Hinzdorf – Scharleuk – Rühstädt – Gnevsdorf – Havelberg

Die Überraschung fängt schon beim Frühstück an. Ich bin in Brandenburg, also Frühstücksvariante 4: ganz normales Frühstücksbuffet mit Selbstbedienung, aber die Tische stehen 1,50 m weit auseinander. Und es liegt wie in den Urlaubshotels ein Faltblatt mit wichtigen oder weniger wichtigen Informationen wie: was kann man im Hotel alles noch machen gegen Geld (klettern, tauchen, saunieren), wie wird das Wetter oder welcher Drink ist heute Abend zu empfehlen. Auch Ausflugtipps werden gegeben, sogar mein heutiges Programm. Hat jemand den Blog ans Hotel weiter gegeben? Ein bisschen haben sie das Programm schon angepasst: „Sie fahren mit dem Fahrrad oder dem Auto und nehmen die Fahrräder mit.“ Gehen scheint ausgeschlossen zu sein, vor allem bei solchen Entfernungen. So was tut man nicht!

Beim Verlassen von Wittenberge noch ein Blick rückwärts zum Übernachtungshotel, der alten Ölmühle. Hier ist alles vorhanden von eigener Brauerei, Sauna- und Massagelandschaft, mehrere Bars, Biergarten, große Bühne für Veranstaltungen, Kletterturm, Tauchturm (mit Flaschen) und einiges mehr. Es steht halt auch wieder eigen für sich und ist mit der Stadt nicht verbunden.

Weiter geht es immer der Elbe entlang nach Rühstädt. Rühstädt bezeichnet sich selber als Storchendorf. Schon vor Wittenberge kam das erste Hinweisschild auf Rühstädt. Neben dem Naturschutz, hier eigentlich der Bereitstellung optimaler Lebensbedingungen des Storchenfutters, spielt natürlich auch der Tourismus hieraus für die struktuschwache Region eine wichtige Rolle. Rühstädt soll das storchenreichste Dorf Deutschlands sein mit 30 bis 40 Paare jährlich. Wer etwas mehr erfahren möchte auf YouTube (Storchendorf Rühstädt 2020). Auf den Dächern sind eine Vielzahl von besetzten Nestern zu sehen, so dass der Ort wohl seinen Namen verdient. In den letzten Jahren waren es immer so um die 30 Paare, in den Hochzeiten sogar mal 44 Paare (1996) mit 78 Jungstörchen. Was fehlt sind wohl vor allem die Frühjahrshochwässer, aber bitte wohl dosiert.

Kurz danach erreiche ich Gnevsdorf, der Beginn oder eigentlich besser gesagt das Ende des Gnevsdorfer Kanals. Da die Elbe wesentlich schneller fließt als die Havel, kam es bei Hochwasser regelmäßig zu einem erheblichen Rückstau auf der Havel mit Überschwemmungen bis Rathenow. Also baute man um 1900 einen 11 km langen Kanal parallel zur Elbe, in dem die Havel das gleiche Gefälle wie die Elbe aufweist und somit abfließen kann. Kann man jetzt sagen, dass die Havel gar nicht mehr in die Elbe mündet? Wahrscheinlich nicht. Ich muss seit Gnevsdorf immer am Wasser entlang laufen, ohne das ein Ort oder ein Café kommt. Dies heißt 20 km ohne Einkehr.

So komme ich dann erwartungsfroh in Havelberg an. Der alte Stadtkern liegt auf einer Insel, heute mit mehreren Brücken verbunden. Das Stadtbild ist sehr geschlossen, ein wirklich schönes Städtchen. Überragt wird die Stadt vom Dom St. Marien. Havelberg wurde bereits 948 als Bischofssitz erwähnt. Der Dom ist einer der ältesten Deutschlands.

Dienstleistungsmäßig ist die Stadt jedoch eine absolute Katastrophe. Alle Gaststätten und Restaurants, die ich noch fußläufig erreichen kann, sind Montags geschlossen. Wie will ich da Tourismus aufbauen? Was macht das Stadtmarketing? Wenn ich montags aufmache, alle andere zu sind, ist doch mein Laden voll. Ich also in das einzige offene Café, um zumindest heute etwas warmes in den Magen zu bekommen und dann war mir klar wie der Hase hier läuft. Jeder Gast wurde erst mal abgekanzelt, wenn er sich einem Tisch genähert hat, man stand dann halt 15.00 Minuten. Nach der Reinigung durfte man sich setzen. Ich wollte gleich bestellen, aber ich war noch nicht dran. Weitere 10 Minuten später bekam ich die Speisekarte, die ich ja eigentlich nicht benötigte. Bestellen durfte ich immer noch nicht. Auf die Uhr zu schauen habe ich mir jetzt abgewöhnt. Irgendwann durfte ich tatsächlich bestellen und bekam meinen Kakao und Kuchen ungewöhnlich schnell. Mir machte es in der Zwischenzeit Spaß, dem Treiben dieser Bedienung zuzusehen. Ich war nicht bevorzugt, allen wurde die gleiche Behandlung angedient. Unter den Kunden machte man schon so seine Spässchen. Beim bezahlen ging es bei mir sehr schnell, den es war ein willkommener Grund eine Oma mit ihren zwei Enkeln weiter warten zu lassen (sie waren in dieser Hinsicht besonders bevorzugt und durften doppelt so lange warten), da diese sich nicht abweisen ließen, trotz dem Rat der Bedienung doch draußen ein Eis auf die Hand zu nehmen. Das Café heißt zwar BilderBuchCafe, aber das Ganze ist leider kein Märchen. Ein Tag ohne warme Speisen hat den Vorteil, dass man sich auf morgen noch mehr freut.

Übrigens habe ich festgestellt, dass ich im Flachland die Höhe der Zugspitze bereits erklommen habe. Aber dies kann man ja auch in 18 Tagen schaffen.


Entfernung

Etappe – 38,5 km

Gesamt – 628,8 km

Höhenmeter

Etappe – 71 m

Gesamt – 3.018 m