Schon beim Frühstück ist klar, dies ist eine Verbindungsetappe, um von Tangermünde an der Elbe in Richtung Brandenburg an der Havel zu kommen. Dazwischen nichts, außer Landschaft, Felder und Kiefernwälder, mit ein paar eingesprenkelten Weiler, als Orte kann man sie nicht bezeichnen. Es ist auch klar, hier gibt es unterwegs nichts zu Essen und zu trinken. Eigentlich eine typische innerer Schweinehundetappe.

Erntezeit 
Das Werk des Bibers 
Sandige Wälder der Altmark
Tangermünde – Fischbecken – Klein-Mangelsdorf – Briest – Neuenklitsche – Schlagenthin – Vehlen – Altbensdorf – Neubensdorf
Schon am Abend war bei der Prüfung verschiedener Alternativen klar, bis zur nächsten möglichen Unterkunft wird es lange oder der Umweg wird groß. Also nochmal kräftig frühstücken in einer abgewandelten Alternative. In Sachsen-Anhalt sind die Regularien strenger, also wieder Einzelfrühstück an den Tisch. Die Frühstückszeiten sind im 10 Minuten Abstand getaktet. Klappt aber sehr gut, man bekommt sofort sein Frühstück. Danach den Trinksack gut füllen und los geht es um 7.38 Uhr.
Zurück gehts über die Elbe und weiter in Sachsen-Anhalt. Die Autos haben auf den Nummernschilder alle meine Initialen: JL. Dies ist fast ein bisschen zu viel der Ehre. Beim nächsten Ortsschild kommt die Lösung: Kreis Jerichower Land. Jerichow wäre einen Abstecher wert, wenn man nicht noch so eine Strecke vor sich hätte. Es gibt dort ein Kloster mit einer großen Kirche aus Backstein. Es wird zumindest behauptet, dass die Norddeutsche Backsteingotik hier ihren Ursprung hätte.
Ich gehe mal davon aus, dass niemanden die Ortsnamen außer Tangermünde was sagen. Wem Tangermünde auch nichts sagt, bitte schnell den Block von gestern lesen. Es sind kleine Weiler mit jeweils ein paar Dutzend Häusern. Ein Dorfleben sehe ich in keinem. Die Bewohner sind alle auswärts arbeiten oder bewegen sich sonst nur mit dem Auto fort. Vielleicht sieht es abends etwas anders aus. Die Felder sind teilweise so groß, dass sie von einem Ort zum nächsten reichen. Fürs Laufen ist dies natürlich „sehr“ abwechslungsreich. Die Weizenfelder stehen goldgelb da, so dass ich dank meiner landwirtschaftlichen Gene meine (mein Großvater väterlicher seits war Landwirt), dass doch bald die Erntezeit gekommen ist. Wenige Kilometer später (durch die Größe der Felder sind es hier Kilometer und nicht Meter) ist auch schon das erste abgeerntete Getreidefelder sichtbar. Der Wind wird das ganze Jahr geerntet.
Teilweise führt der Weg auch durch Wälder, fast ausschließlich durch Kiefernwälder. Ich laufe dabei gut auf dem sandigen Untergrund. Unwillkürlich muss ich an Theodor Fontane denken und seine Erzählungen Wanderung durch die Mark Brandenburg, nur das ich in der Altmark in Sachsen-Anhalt bin und nicht in Brandenburg. Mal sehen wie oft nach gestern und heute mir noch Theodor Fontane über den Weg läuft.
Ich komme an einem See vorbei, bei dem alle große Bäume im unteren Bereich mit Matten aus Kunststoff umwickelt sind. Ein paar Bäume weiter wird der Grund klar. Ich bin im Land der Biber. Gesehen habe ich keinen, aber dafür die Auswirkungen. Auch vor größten Bäumen schreckt er nicht zurück. An Straßen wie hier kann dies dann gefährlich werden.
Die Etappe zieht sich ganz schön in die Länge. Am Ende kommen über 40 km heraus, eine Streckenlänge, die ich heute auch zum ersten Male gelaufen bin. Die 19 Etappen zuvor zum Üben waren für mich hierfür eine Voraussetzung. Es geht mir noch erstaunlich gut und ich erfreue mich neben dem Schreiben noch eines Berliner Pilsner. Mal sehen, wie es den Beinen morgen geht. Aber eigentlich dürfte dies kein Problem sein, andere laufen diese Distanz in knapp über zwei Stunden. OK, ohne Rucksack und alle paar Kilometer ist eine Versorgungsstation und der Weg ist durchgängig markiert.
Publikum haben wir beide, die Läufer an der Strecke und ich zu Hause am Bildschirm. Es freut mich, dass mich doch so viele im Geiste begleiten. Dann auf die nächste Etappe.

Entfernung
Etappe – 42,8 km
Gesamt – 709,4 km

Höhenmeter
Etappe – 31 m
Gesamt – 3.288 m