Etappe 24 – Von Berlin-Grunewald nach Berlin-Lichterfelde – 34,9 km

Heute ist die Besichtigung von Berlin angesagt, von West nach Mitte und von Mitte nach Süd. Es sind doch sehr unterschiedliche Stadtteile, die ich durchwandere. Die Mitte scheint das Brandenburger Tor zu sein, zumindest wenn man als Maßstab die Menschenmenge ansetzt. Das für mich unbekannte ist der Süden.



Berlin-Grunewald – Westend – Charlottenburg – Tiergarten – Mitte – Kreuzberg – Schöneberg – Lichterfelde

Große Städte eignen sich dafür, zumindest einen Tag ohne Gepäck zu laufen. Ich suche mir ein zentrales Hotel, welches ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichen kann. In Berlin ist es jetzt Kreuzberg, Station Kottbuser Tor. Also morgens gleich mit U- und S-Bahn zurück nach Grunewald und entlang der Havel bis zum Olympia-Gelände. Um 9.00 Uhr ist Berlin noch oder gerade wieder ruhig.

Solche Doppeltage in einer Stadt sind, da zwei Nächte in einem Hotel, ideale „Waschtage“. Heute ist sogar ein Waschtag Deluxe, da ich alles bei meiner Tochter in die Waschmaschine werfen konnte. Und sie hängt die Wäsche danach sogar auf🙂. Wie funktioniert sonst ein Waschtag. Grundvoraussetzung ist, dass die Wäsche dreckig oder verschwitzt ist. Bei über 10 kg auf dem Rücken ist das Oberteil eigentlich jeden Tag verschwitzt. Die Geruchsprobe hilft dann auch weiter, da jeden Tag waschen nicht geht.

Ob Waschtag ist, hängt auch wesentlich von der Unterkunft ab. Man bekommt ein völlig anderen Blick beim Betreten des Zimmers. Bett, Schrank, Sessel und Ablagen sind uninteressant, da sie immer für einen Rucksack ausreichen. Wichtig ist das Badezimmer. Unbedingt Waschtag ist, wenn ein Handtuchwärmer vorhanden ist. Da lässt sich die Wäsche hervorragend aufhängen und ist über Nacht eigentlich immer trocken. Vor der Wanderung muss die Kleidung auch unter dem Kriterium, dass sie schnell trocknet, ausgesucht werden. Bei der sogenannten Funktionskleidung ist das eigentlich immer der Fall. Jetzt erfolgt der Funktionstest: der Handtuchwärmer wird voll aufgedreht. Nicht immer wird er warm, manche Hotels stellen auf Sommerbetrieb ohne Heizung. Wenn kein Handtuchwärmer vorhanden ist, gilt der Blick einem Heizkörper. Der Funktionstest muss auch hier durchgeführt werden. Ist nichts vorhanden und muss trotzdem dringend gewaschen werden, hilft nur der gute alte Fön. Man bekommt damit sogar eine Wanderhose trocken, natürlich mit genügend Ausdauer. Der Fön muss auch im Bedarfsfall zum Nachtrocknen herhalten. Bügeln ist nicht drin, geglättet wird durch rollen der Kleidung (knittert wesentlich weniger und braucht weniger Platz).

Der eigentliche Waschvorgang erfolgt von Hand, so heiß, wie es die Pfoten aushalten. Waschmittel ist das gute alte „Rei in der Tube“. Die erste Tube ist bald aufgebraucht.

Das Berlin ein schwieriges Pflaster ist vor allem für Autofahrer weiß ich noch aus meinen vielen Mitfahrten im Taxi. Immer die Augen auf wegen den Radfahrern, vor allem beim Abbiegen, und plötzlich bleiben Lieferanten und Paketdienste in der zweiten Reihe stehen. Dass man jetzt aber schon wissen muss, welche Speisen man im Auto hat, war für mich auch völlig neu. Die Verkehrsregelung am Olympiastadion (Siehe Bild) besagt, dass Autofahrer, die nur eine Butterstulle dabei haben, rechts abbiegen müssen, Autofahrer mit einem ganzes Menu nach links. Also immer daran denken, wenn man links abbiegen möchte, bitte Menu mitnehmen.

Auf dem Olympischen Platz vor dem Stadion fahren gerade die Mannschaftswagen der Polizei auf. Gerade wird die Bühne für eine Protestkundgebung gegen irgendwelche Einschränkungen beim Motorradfahren aufgebaut. Die erste Biker mit ihren schweren Maschinen stehen auch schon bereit. Es sind jedoch um diese Zeit um 10.00 Uhr mehr Polizeimotorradfahrer (Links im Bild) als protestierende Biker (In der Mitte) vorhanden. Merke dir: Motorradfahren ist kein Frühsport, zumindest nicht in Berlin!

Weiter geht es durch die Wohnviertel von Westend und Charlottenburg, in der zweiten Reihe hinter den Hauptverkehrsstraßen als bürgerlich, teilweise als gut bürgerlich zu bezeichnen. Der Weg geht entlang der Spree und des Landwehrkanals in Richtung Mitte. Der Landwehrkanal hier ist eher wie ein grünes Band als Fuß- und Radweg durch die Viertel, in Kreuzberg ist er ein Teil vor allem des abendlichen Lebens. Die Lokale säumen den Kanal und die Menschen sitzen direkt am Wasser und lassen es sich gut gehen.

In Mitte ist es schon gut gefüllt, so dass ich es so schnell wie möglich wieder verlasse. Ein Gang durchs Brandenburger Tor muss sein, da ich dies auch schon in Potsdam getätigt habe (lese auch Etappe 22). Von Original und Kopie kann man bei den beiden Toren nicht sprechen, da sie vom Stil her sehr unterschiedlich sind (Säulen vs. Bogen) und nur gemeinsam die Ausrichtung nach der Stadt Brandenburg haben, wonach sich auch der Name richtet. Das Potsdamer ist ca. 20 Jahre älter und die Bauzeit war nur halb so lange wie beim Berliner.

An der Ruine des Anhalter Bahnhofs vorbei geht es auf den Kreuzberg im Viktoriapark, eine 66 m hohe Erhebung, nach dem der Stadtteil benannt wurde. Oben auf ist noch ein Denkmal der Befreiungskriege 1813 – 1815 von Schinkel. Der „Berg“ ist so steil, dass ein Wildwasserbach angelegt wurde. Auf der anderen Seite weiter Richtung Süden geht es weiter, jedoch nicht ohne noch kurz im Biergarten der Gaststätte Golgatha, welch passender Name, eingekehrt zu sein.

Die Wanderung geht jetzt durch die südlichen Stadtteile, in denen die Touristen eher Mangelware sind. Nach dem Südkreuz ist ein neuer Park angelegt, das Banner von Grün Berlin hängt noch. Der Park Schöneberg Südgelände wurde als Streifen zwischen den Gleisen und einer riesigen Kleingartenkolonie angelegt. Die Aufenthaltsqualität ist beschränkt, er wird jedoch sehr stark als Durchgangsstrecke genutzt.Auf zwei Kilometer geht es an Kleingartenkolonien vorbei. Es müssen Hunderte Parzellen sein.

inLichterfelde gibt es Wohngegenden, die genauso in vielen Kleinstädten oder auf dem Lande vorzufinden sind. Kurz vor dem Abschluss der Etappe überwiegen die Wohnblocksiedlungen, bei denen anscheinend nur darum geht, die Massen unter zu bringen.


Entfernung

Etappe – 34,9 km

Gesamt – 846,0 km

Höhenmeter

Etappe – 240 m

Gesamt – 4.164 m