Etappe 25 – Von Berlin-Lichterfelde nach Beelitz – 40,6 km

Kurz nach Lichterfelde wird die Stadtgrenze von Berlin verlassen. Erst geht es den Mauerweg am Teltow-Kanal entlang, bevor einen der märkische Sand einen wieder hat. Interessant sind auch die Siedlungen als Straßendörfer und später im Wald die Häuschen, manchmal kleiner und manchmal schon in Wohnhausgröße. Der heutige Tag endet in Beelitz, nach eigenem Bekunden die Spargelstadt Brandenburgs.



Berlin-Lichterfelde – Teltow – Stahnsdorf – Saarmund – Kähnsdorf – Beelitz

Morgens erst noch ein Besuch im Büro, welches gegenüber früher leer ist und wirkt. Corona hat die Arbeitsweisen doch wesentlich verändert, doch es scheint zu funktionieren. Nach der herzlichen Verabschiedung von zwei Kolleginnen geht es zum Endpunkt der gestrigen Etappe.

In Teltow geht es gleich an den Kanal, von dem ich eigentlich kaum etwas sehe. Der Teltowkanal war ein Teil der innerdeutschen Grenze. Ich laufe den Mauerweg, heute ein Asphaltband, früher ein fast nicht zu überwindendes Hinternis. Es sind mehrere Erinnerungstafeln von erschossenen Flüchtlingen, jedoch auch von versehentlich von den eigenen Kammeraden erschossenen Soldaten. Der Mauerweg ist immer 10 bis 50 Meter vom Ufer weg, um früher noch genügend Schussfläche gehabt zu haben. Heute ist hier nach 30 Jahren ein grüner Dschungel. Wasser da, aber nicht sichtbar. Vorankündigungen sind hier nicht unbedingt die größte Stärke. Auf einmal stehe ich vor einem geschlossenen Bauzaun. Also wieder einen Kilometer zurück, der vor allem am Schluß weh tut.

In Stahnsdorf, dem nächsten Ort, hätte ich noch einen Abstecher zum Friedhof machen können. Ihr glaubt nicht wer da begraben ist: genau, natürlich Theodor Fontane. Mein Ausweichprogramm statt Friedhof ist ein Italiener, wo ich Nudeln mit Steinpilzen und Seewolffilet zu mir nehme. Wie sicher allgemein bekannt, gehen Nudeln langsamer ins Blut und halten dafür länger vor als Kartoffeln. Noch schlechter ist Reis. Zu meinem Schrecken stelle ich fest, dass ich eigentlich noch 31 km bis zum Ziel in 5,5 Stunden zurücklegen müsste. Der späte Start rächt sich jetzt, war es aber trotzdem mehr als wert. Die Trasse wird noch etwas optimiert, so dass es endlich noch 28 km sind. Quer durch Wälder und Freiflächen geht es durch den märkischen Sand. Er liege im wahrsten Sinne des Wortes offen vor einem. Zu laufen ist er nicht einfach, was jeder nachvollziehen kann, der schon mal in trockenem Sand gelaufen ist.

Der nächst größere Ort ist Saarmund, ein typisches Straßendorf. Straßendörfer können oft über einen Kilometer entlang gehen. Hintergrund für Straßendörfer war oft, dass das dazu gehörige Ackerland genau an die Parzelle nach hinten anschloss.

Der Ort Kähnsdorf liegt am Seddiner See, welcher wohl als Badesee bei den Potsdamern und Berlinern sehr beliebt sein muss. Er ist gepflastert mit Verbotsschildern für Autofahrer, vor allem für wildes Parken. Interessant ist auch der kerzengerade Weg bis nach Beelitz. Es sieht hier so aus wie eine Schrebergartenkolonie, jedoch mit mehr oder weniger kleinen Häuschen. Manche sind schon fast zum Wohnhaus ausgebaut. Der Bereich wird die Siedlung genannt.

Unterwegs habe ich noch den seltsamen Vogel gesehen, wohl ein einsamer Strauß. Ich habe beschlossen, dass nicht ich hier falsch bin, sondern er. Noch etwas Seltsames liegt am Weg, eine ganze Anpflanzung mit komischen Büschen, die ich nicht zuordnen konnte. Irgendwo steht dran „zum Selberpflücken“. Vielleicht weiß es jemand von euch? Die Lösung kommt dann später am Weg und für euch dann morgen. Was da selber zu Pflücken ist, ist mir wohl bekannt und überhaupt nicht exotisch.

Ziel für heute ist Beelitz, nach eigenem Bekunden die Spargelstadt Brandenburgs. Die sandigen Böden rings herum passen ja ganz gut. Spargelfelder sehe ich bis jetzt keine, kein Wunder, da ich ja aus dem Wald fast direkt in die Stadt komme. Vielleicht morgen beim hinaus Wandern. Die letzten drei Tage bin ich fast im Kreis gewandert, da ich jetzt nur noch wenige Kilometer von Potsdam entfernt bin. Aber wie heißt es so schön, der Weg ist das Ziel!


Entfernung

Etappe – 40,6 km

Gesamt – 886,6 km

Höhenmeter

Etappe – 303 m

Gesamt – 4.467 m