Etappe 28 – Von Lutherstadt Wittenberg nach Bad Döben – 34,1 km

Die Landschaft südlich von Wittenberg nennt sich Döbener Heide. Sie begleitet mich heute den ganzen Tag. Die Döbener Heide hat nichts von einer Heidelandschaft wie ich sie aus der Lüneburger Heide oder der Schwäbischen Alb kenne. Schafe, typisch für die Bewirtschaftung von Heideflächen, habe ich auch nicht gesehen. Ich habe nur überwiegend Laubwald, mit ein paar Feldern eingestreut, gesehen.



Lutherstadt Wittenberg – Pratau – Bergwitz – Lubast – Mark Zieschewitz – Tornau – Bad Döben

Das Landschaftsgebiet südlich von Wittenberg nennt sich Döbener Heide. Das Ziel ist ja Bad Döben, so dass mich diese Landschaft durchgängig begleitet. Vor allem nach dem ersten Drittel geht der Weg fast ausschließlich durch den Wald. Am Anfang sind noch ein paar Weiler, die gestreift werden. Die einzige Infrastruktur, die ich unterwegs sehe, ist eine Spielhalle. Ob die noch in Betrieb ist kann ich nicht entscheiden, da sie nach dem Anschlag erst um 11.00 Uhr öffnet und es beim Vorbeilaufen erst 10.00 Uhr ist. Kein Lebensmittelmarkt, keine Wirtschaft (auch keine geschlossene), kein Bäcker, kein Friseur, aber eine Spielhalle! Dies bietet gute Perspektiven für die Jugend!!!!

Übrigens bin ich derzeit auf der Via Imperii, was nichts anderes als Reichsstraße heißt, einer sehr alten Handelsstraße, die von Stettin nach Rom führte. Der Abschnitt zwischen Stettin über Berlin und Leipzig nach Hof wurde 2015 zum Jakobsweg, ein weiterer Zubringer nach Santiago de Compostella. Ich folge ihm im Großen und Ganzen. Der heutige Abschnitt erfolgt immer der B2 entlang, meist jedoch links oder rechts von ihr.

Das zweite Drittel geht ausschließlich durch den Wald, ein Wald, wie ich ihn sonst aus Stuttgart auch kenne. Zwischendrin sind noch ein paar Badeseen und ein schöner Seerosenteich. Leider bin ich für die Blüte zu früh dran. Unterwegs gibt es ein paar gerade Stücke, zwei sind jeweils mehrere Kilometer lang. Du läufst und läufst und hast das Gefühl, dass das Ende der Gerade gar nicht näher kommt. Ich schaue öfter auf mein iPad um die restlichen Kilometer abzulesen, was nur dazu führt, dass es vermeintlich noch langsamer voran geht. Geht so ein Weg in Wellen dann noch bergauf, wird es noch schlimmer. Ich sehe das Ende am Horizont und wenn ich die nächste Anhöhe erreich habe, wird ersichtlich, dass nach der Kuppe es genauso weiter geht. Diese Moränelandschaft ist schon wesentlich hügeliger und höher als alles bisher erwanderte. Ich überschreite kurzzeitig die 180 m ü NN.

Und es ist Biberland! Es gibt sogar einen Biberrundweg mit vielen Hinweisen und Erläuterungen zum Biber. Ich gehe sogar noch ein paar Hundert Meter zurück, weil es einen Biberbeobachtungstum gibt. Als Experte sehe ich sofort, dass es hier keine Biber geben kann. Der Turm ist aus Holz und ist nirgends angenagt. Wie so etwas aussieht, könnt ihr noch mal in Etappe 20 nachschauen. Vom Aussichtsturm kein Biber, nicht mal Wasser zu sehen. Man sieht jedoch, dass hier mal Wasser durch eine Aufstauung war. Einen Kilometer weiter sehe ich ein paar aufgestaute Wasserflächen, aber leider keine Biber. Eigentlich müsste ich mich im Biberland mit den angenagten Bäumen unsicher fühlen. Aber weit gefehlt, erst danach kommen massenhaft Hinweisschilder über die Gefährlichkeit des Waldes. Wie gesagt, er sieht so aus wie zu Hause. Mit Müh und Not und nachvollziehbar habe ich alte Munitionsfunde vermieden und bin wohlbehalten jeweils in meiner Unterkunft angekommen. Was ist jetzt für mich die Alternative, durch den Wald entlang der Bundesstraße? Wenn ein Lutherwanderweg ausgeschildert wird, warum kann man dann keine Bauminspektionen machen. Bei allen Straßen funktioniert dies doch auch. Mir scheint es eher so, dass es irgendwo ein Gerichtsurteil gab und man sich jetzt freischreiben möchte.

Mein Ziel ist heute Bad Düben und damit habe ich Sachsen erreicht. Der Wald kurz vorher sieht genauso aus wie der in Sachsen-Anhalt, aber ohne die Hinweisschilder fühle ich mich doch gleich viel sicherer😉. Natürlich darf die geistige Erbauung bei so einem Namen wie Bad Düben nicht zu kurz kommen. Nein, Theodor Fontane hat sich nicht so weit südlich verirrt. Ihr alle habt doch sicher Michael Kohlhaas gelesen oder in der Schule lesen müssen. Wie allgemein bekannt hat Heinrich von Kleist dabei auf eine wirkliche Begebenheit bzw. auf einen wirklichen Streit zurück gegriffen. Der Fall Kohlhaas wurde tatsächlich 1533 auf der Burg Düben verhandelt. Aber da sag ich euch ja nichts neues. Also schnell das gelbe Reclam-Heftchen suchen.


Entfernung

Etappe – 34,1 km

Gesamt – 986,3 km

Höhenmeter

Etappe – 227 m

Gesamt – 4.860 m