Von den Höhen der Moränehügeln geht die Etappe hinunter in das Tiefland der Leipziger Bucht. Am Anfang ist es noch ganz ländlich, jedoch je weiter ich Richtung Leipzig vorankomme, nimmt der Verkehr zu. Er wird auch hektischer. Durch die nördliche Vorstädte geht es in die Innenstadt vorbei am Lokal Imperii.

1.000 km ion Krippehna 
Die Geräte gibt es tatsächlich 
Was ist die Hauptattraktion in Leipzig
Bad Düben – Niederglaucha- Noitzsch- Krippehna – Wölkau – Mutschlena – Gottscheina – Merkwitz – Plaußig – Leipzig
Ich weiß nicht ob es jemanden gestern aufgefallen ist, höhenmäßig ist der Mont Blanc als höchster Berg der Alpen überschritten. Jetzt fängt die Jagd auf den Mount Everest an, aber eigentlich ist es gar keine Jagd. Es ist nur jeden Tag eine Addition von ein paar weiteren Höhenmeter.
Wie wird eigentlich eine Tagesetappe geplant? Erst mal nach dem Wetter schauen, denn wenn es viel regnet oder sehr heiß ist, dann sollte die Etappe etwas kürzer sein. Normalerweise sind meine Entfernungen idealerweise zwischen 30 und 35 km. Dann gehts in meine Abschnittsplanung hinein und ich schaue, wo ich etwa mit der Entfernung hinkomme. Dann wird in diesem Bereich nach möglichen Unterkünften gesucht. Entweder wird eine Unterkunft direkt über ein Portal gebucht oder angerufen. Wenn keine freie Unterkunft ideal liegt, kommen drei Alternativen zur Auswahl: kürzer, länger oder abweichen von der Route. Eine Kombination ist auch möglich. Das Abweichen hat auch seine Grenzen. Weniger als 20 km empfinde ich als Ruhetag, bei mehr als 40 km wird es körperlich kritisch, da ich ja am nächsten Tag auch laufen möchte.
Anhand der Grobplanung meiner gesamten Route schaue ich, welche Zwischenpunkte gesetzt wurden. Diese werden dann verfeinert. Dazu werden in der Karte Marker gesetzt, damit ich die Punkte wieder leichter findet. Bei den neuen Punkten schaue ich, ob ich eine Sehenswürdigkeit nicht gesehen habe und wie die Wege zwischen zwei Punkten ist. Das Ziel ist möglichst nicht auf Straßen und wenn, dann nicht auf höher kategorisierten. Also Autobahnen meiden, dann Bundesstraßen, dann Landesstraßen. So tastet man sich Stück für Stück an seine Route für den nächsten Tag heran. Bei einer vorgegebenen Route wie die Via Imperii wird einfach zugehöriges Kartenmaterial gesucht und die Punkte gesteckt.
Ist die Tagesetappe besonders lang so wie heute, wird sorgfältiger geplant. Nach meiner Grobplanung waren es 42,1 km, nach der detaillierten Planung 43,1 km. Ich bin ja auch etwas nördlicher als der Stadtkern von Bad Düben. Ich schaue die Marker in der Übersicht an und schaue nach Verkürzungsmöglichkeiten. Sind welche augenfällig, werden die Entfernungen berechnet, ob es wirklich eine Verkürzung ist. Dann wird der Raumgewinn, also die gesparten Kilometer, mit den Nachteilen abgewogen: läuft man an der Bundes- und Landesstraße entlang, werden Wald- und Erdwege durch Straßen ersetzt oder werden Sehenswürdigkeiten ausgelassen. Im heutigen Fall brachte die Optimierung 2,8 km weniger, über die man nach 40 km sehr froh ist. Man kann mit der Planung des nächsten Tages bei schwierigen Fällen schon mal 1 bis 2 Stunden am Abend verbringen. Tatsächlich sind es 43,5 km, wobei hier noch einige Kilometer in Leipzig enthalten sind. Also die Planung stimmt sehr gut.
Beim Laufen haben die Marker den großen Vorteil, dass sie angeklickt und als nächstes Ziel definiert werden. Vorbereitung im Zimmer, schnelles finden Beim Laufen.
Entlang des Kurparks gehe ich erst mal an der gestern erwähnten Burg in Bad Düben vorbei (und schön euren Kleist lesen). Nun gehts wieder raus ins Grüne ins liebliche Tal der Mulde. So friedlich wie jetzt ist sie nicht immer. Bei den Hochwässern 2002 und 2013 war sie täglich in den Nachrichten. Sie ist auch von der Wassermenge der viertgrößte Nebenfluss der Elbe.
Schon bald erreiche ich den sicher allgemein bekannten Ort Krippehna. An diesem Ort habe ich die 1.000 km Grenze erreicht. Ich bin sehr froh, dass der Körper dies alles so gut mitmacht. Platz für eine Stele hätte es in diesem Ort sicher noch.
Unterwegs sehe ich wieder abgeerntete Felder und immer noch keinen Mähdrescher bei der Arbeit. Zumindest habe ich drei dieser Fahrzeuge auf der Straße gesehen, aber nicht auf einem Feld. Zumindest gibt es diese Fahrzeuge und die Felder ernten sich nicht alleine ab. Ich hab ja noch ein paar Tage, vielleicht ist mir das Glück mir noch mal hold.
Ich komme noch am BMW-Werk vorbei, bei dem ich auch vor vielen Jahren mitgewirkt habe. Von Weitem sehe ich den Turm des MDR. Früher übernahmen die Kirchen die Funktion. Von Nordosten erreiche ich Leipzig. Es ist erstaunlich, wie viel Freiflächen in einer so großen Stadt auch in der Nähe der Innenstadt noch sind. Leipzig wurde als Stadt am Knoten zweier sehr wichtiger Handelsstraßen, der teilweise von mir gelaufenen Via Imperii und der Via Regia, die vom Rheinland über Frankfurt nach Schlesien führt. Leipzig heißt eigentlich aus dem Slawischen abgeleitet Lindenstadt. Gibt es dort heute besonders viel Linden? Diese wieder zu Pflanzen wäre doch ein historischer Anklang und die Autowaschstraßen würden es danken.
Beim Hauptbahnhof schaue ich in die Stadt und sehe gleich zwei Hauptattraktionen (siehe Bild). Da ich das MDR-Hochhaus schon erwähnt habe, wende ich mich der anderen Attraktion zu und besuche meine ehemaligen Kollegen. Sie haben die richtige Idee und es geht noch ins Weinhaus. Danke dass ihr da wart und Entschuldigung bei den Angehörigen, die etwas länger warten mussten.

Entfernung
Etappe – 43,5 km
Gesamt – 1.029,8 km

Höhenmeter
Etappe – 183 m
Gesamt – 5.043 m