Etappe 30 – Von Leipzig nach Schkopau (Merseburg) – 40,6 km

Die heutige Wanderung steht ganz unter dem Motto erst flanieren und dann lustwandeln. Eine kurze Besichtigung der Stadt Leipzig muss sein, bevor es über Parks und Lustgärten entlang der Weißen Elster Richtung Halle geht. Die Weiße Elster ist in diesem Bereich kein lebendiger Fluss mehr, sondern ein Ableitungskanal für Wasser, mit einer breiten Rinne für Hochwasser. Da das Thema Lustwandeln ist, endet die Wanderung auch auf Schloss Schkopau bei Merseburg, südlich von Halle.



Leipzig – Lütschena – Schkeuditz– Schkopau (Merseburg)

Eine neue Variante des Frühstücks darf ich heute erleben. Da ich noch in Sachsen bin, ist Frühstücksbuffet möglich und auch reichhaltig aufgebaut. Die Besonderheit ist die Ausgabe von Einmalhandschuhen für die Selbstbedienung am Buffet. Den Osten kannte ich immer als Land der Frühaufsteher und Früharbeiter, damit man am späten Nachmittag in seine Datscha kann. Sollte sich das geändert habe, da ich beim Frühstück um 7.00 Uhr noch ganz alleine bin? Ach, ich bin doch im Hotel und da sind ja sowieso nur auswärtige Touristen!

Wenn jemand bei meiner Wanderung für den gestrigen Abend ein gutes Weinhaus ausgesucht hat, dann sollte ich dem Tipp auch folgen und wandle mein Tagesziel leicht Richtung Süden von Halle ab. Die Diskussion über Schloss Schkopau war etwas differenziert (früher war es besser, früher war alles besser), so dass ich eigentlich gezwungen bin, mir meinen eigenes Bild zu verschaffen.

Los gehts erstmal an der Thomaskirche und am Neuen Rathaus vorbei in den ersten Barockgarten. Aus der Thomaskirche schallt die Orgel auf den Vorplatz, aber leider ist die Kirche noch geschlossen. Die Stadt ist morgens blitzeblank geputzt. Da macht flanieren Spaß. Weiter geht es immer durch Grünanlagen und auch gegenüber dem Stadion durch wilde Wälder mit Erdwegen. Begleitet wird das ganze von Flüssen und Kanälen. Der südliche und westliche Teil von Leipzig lässt sich auch sehr gut mit dem Boot erkunden, bevorzugt mit dem Kanu, damit auch die kleineren Kanäle befahren werden können.

Immer dem Wasser entlang und durch Wälder geht es bis in den Schlosspark von Lütschena. Der Schlossgarten ist eher wildromantisch. Viele der Wasserflächen sind geschlossen mit Entengrütze belegt. Ein kleiner Pavillon spiegelt sich im See. Um auch mal was anderes zu sehen und noch eine Kleinigkeit einzukaufen, da ich ja nie weiß, ob ich am nächsten Tag was zu Essen bekomme, verlasse ich die Weiße Elster. In Lütschena hat sich auf einem alten Fabrikschornstein eine Storchenfamilie breit gemacht. Die „Kleinen“ fangen schon kräftig an mit den Flügeln zu schlagen.

Durch Lütschena und Schkeuditz, welches direkt südlich an den Flughafen Halle-Leipzig angrenzt, laufe ich Kilometer entlang der Häuser. Ich erinnere mich noch an meine ersten Besuche in Leipzig. Da ist man über eine sehr holprige Dorfstraße über Kilometer durch den Ort gefahren. Die Straßen und Plätze sind jetzt wahrscheinlich mit den guten Steuereinnahmen aus dem Flughafen ausgebaut und saniert. Einkauf und sogar Essen ist erfolgreich (Italiener). Von der Straße habe ich genug und ich gehe wieder zur Weißen Elster.

Diese hat sich jetzt in ihrem Charakter völlig geändert. Von einem Fluss ist sie jetzt gewandelt zu einem Abflusskanal, in großen Kurven „begradigt“, mit genügend Flächen für den Hochwasserabfluss. So gehe ich drei Stunden immer mit dem gleichen Bild vor Augen dahin.

Endlich die Hinweisschilder auf Schloss Schkopau. Eine böse Vorahnung hatte ich schon als ich den Wunsch auf ein Abendessen vorbestellt hatte. Die Dame hat mich nach dem Namen gefragt, dann die Zimmerreservierung herausgesucht und dann gesagt, dass sie nichts versprechen könnte, da das Restaurant schon ausgebucht wäre, aber sie versucht es. Beim Ankommen sagte der Herr hinter dem Tresen, dass sie drei Veranstaltungen hätten und somit niemand mehr annehmen. Anderen scheint es gelungen zu sein, Mehrtagesgäste oder Stammgäste oder die der Fürstensuite. Auch meine Unflexibilität als Wanderer spielt für sie keine Rolle.Darf sich ein Hotel eigentlich Hotel nennen, wenn es seinen Gästen nicht mal was zu essen oder trinken anbietet? Anscheinend schon. Bei einem Hotel, welches so auswählt, steht der Gast nie im Vordergrund. Es gibt auch sehr gute Beispiele (siehe Etappe 22). Als ich ging und kam waren genügend Plätze frei.

Also mach das Beste draus. Schnell duschen und dann nach Merseburg. Toll ist der Dom und das Schloss sowie die Stadtkirche, aber alles ist schon geschlossen. Der Rundgang durch Merseburg hat sich doch gelohnt. Wahrscheinlich hätte ich ihn nicht gemacht, wenn ich im Hotel etwas zu essen bekommen hätte. Schnell beim Inder etwas essen, noch wichtiger etwas trinken. Interessant ist auch gegenüber der Stadtkirche ein Bauwerk, bei welchem versucht wurde, ein Gebäude in historisierendem Stil als Plattenbau in das historische Stadtbild einzupassen. Dies kann man auch wesentlich schlechter machen. Ein guter Kompromiss. Die ersten beide Apfelsaftschorle sind in Sekundenschnelle in meinem „Abflussrohr“, wie meine Familie meine Kehle ab und zu despektierlich nennt.

Satt und der Flüssigkeitspegel wieder aufgefüllt geht es ins Hotel zum Schlafen. Mal schauen, was das Frühstück so bietet.


Entfernung

Etappe – 40,6 km

Gesamt – 1.070,2 km

Höhenmeter

Etappe – 117 m

Gesamt – 5.160 m