Bis Halle reiht sich ein Band von Industrieanlagen, die auffälligste sicher das große Kohlekraftwerk, welches schon gestern weit sichtbar war. In Halle sind einige historische Gebäude, jedoch fehlt das Gesamtbild. Es gibt hier auch noch reichlich Plattenbauten, jedoch heute in einem guten und gefragten Zustand. Die Landschaft ändert sich nach Halle und es wird im ersten Bereich wesentlich hügeliger bis ich zu einer sanft geschwungenen Hochfläche komme. Diese Landschaft heißt Mansfelder Land und zieht sich bis an den Harz. Prägend war hier der ehemalige Bergbau, bei Halle von Kohle und um Eisleben von Kupfer.

Mansfelder Land mit Pyramidenhalden 
Marktplatz von Lutherstadt Eisleben 
Ausbeute des Großwaschtags
Schopkau (Merseburg) – Halle – Lieskau – Zappendorf – Müllerdorf – Neehausen – Unterrißdorf – Helfta – Lutherstadt Eisleben
Mit der Empfangsdame im Hotel habe ich noch einen kleinen Disput, da sie ihre Aussage des überfüllten Restaurants wiederholt hat, was definitiv nicht stimmte. Ihr Kollege hatte ja die wahre Geschichte der zu vielen Veranstaltungen als Argument gebracht. Dann geht es weiter, dass ein Hotel mit einem Restaurantbetrieb nichts zu tun hätte. Dann bin ich gegangen.
Die nächste Station ist Halle mit einem Marktplatz mit großer Kirche und einigen historischen Gebäuden. Dazwischen stehen nicht passende neuere Gebäude. Es wirkt eher wie Flickwerk. Über die Saale geht die Wanderung in die Vorstädte. Es gibt hier noch richtige Plattenbausiedlungen, aber zumindest äußerlich in einem sehr guten Zustand. Innen kann ich es nicht beurteilen. Bevor ich den Wald erreiche, durchquere ich noch ein typisches Landesgartenschaugelände der Neuzeit. Irgendwie sind die heute auch alle ähnlich.
Im Wald zwischen Halle und Lieskau sind noch die Spuren des Bergbaus sichtbar. Ein paar alte Gleise liegen noch da und viele erklärende Schilder. Alle Wirtschaften auf dem weiteren Weg haben natürlich geschlossen. Danach wird die Landschaft wesentlich lebendiger. Ich gehe 45 Minuten nur bergauf, am Anfang steiler und später flacher. Auf der Hochfläche ist der Blick wieder weit, auch weil wenig Bäume den Blick stören. Der Umkehrschluss daraus ist der fehlende Schatten, was bei Sonnenschein und 30 Grad besonders schmerzlich ist. Mein Trinksack leert sich merklich. Auffällig sind die Pyramiden am Horizont, die aus dem Kupferbergbau herrühren. Diese sind bis zu 153 Meter hoch und eine Attraktion an besonderen Tagen, wenn sie bestiegen werden dürfen. Die Zeiten dieses Bergbaues waren schon lange vor der Wende vorbei.
Das Problem bei selbstdefinierten Wegen ist die Verlässlichkeit der Karten. Irgendwann werden Wege durch Grünbereiche gesperrt, um größere Naturschutzgebiete ausweisen zu können. Nur in den Karten bleiben die Wege oft noch Jahre drin, So einen Fall habe ich heute auch und etwas verkratzt geht es durchs Dickicht. Ein Einheimischer, durch dessen Garten ich mich auch geschlagen habe, erklärt mir dann einen gehbaren Weg.
Endlich komme ich am Kloster St. Marien zu Helfta, nicht um zu beten, sondern dort ist eine Kneipe offen. Der bauliche Zustand lässt eher auf einen Bettelorden schließen. Ich werde zwar etwas komisch angesehen, als ich gleich zwei Getränke, aber bitte groß, bestelle. Die Bedienung ist noch nicht weg, als das erste Getränk leer ist. Der restliche Weg nach Eisleben, richtig muss es heißen Lutherstadt Eisleben, schaffe ich auch. In Eisleben ist Luther geboren. Sein Haus schaue ich natürlich an, es liegt ja am Wege. Endlich am Marktplatz und ab ins Hotel. Das Personal ist freundlich und die Einrichtung des Badezimmers schreit nach einem Großwaschtag, den ich auch mache. Nach den heißen Tagen kommt dieser auch genau richtig. Ab morgen bin ich wieder frisch. Und es gibt sogar noch Essen bis 21.00 Uhr.

Entfernung
Etappe – 37,9 km
Gesamt – 1.108,1 km

Höhenmeter
Etappe – 294 m
Gesamt – 5.454 m