Heute ist der erste Tag richtig im Harz. Da das nächste Etappenziel nicht so weit entfernt ist, mache ich noch einen kleinen Umweg über die Burg Falkenstein, eines der Highlights des Harzes. Der weitere Weg dient eigentlich dazu, sich dem Brocken zu nähern. Das erste Mal bekomme ich ihn zu Gesicht (siehe Bild), aber noch weit entfernt und schemenhaft.

Burg Falkenstein 
Beine mit Schlammpackung 
Sterbender Wald?
Meisdorf – Burg Falkenstein – Sternhaus – Friedrichsbrunn – Allrode
Bis jetzt war es immer so, dass, wenn es klar war, dass ich nicht mit dem Auto da bin und ich sogar sagte, dass ich zu Fuß da bin, mir versucht wurde klar zu machen, wo ich mein Fahrrad abstellen kann. Am nächsten Tag wünschten die meisten mir trotzdem gute Fahrt. Im Harz könnte dies anders sein. Alleine schon die Hoteldichte ist eine ganz andere. Bei der Routenplanung wird auch klar, dass ich kaum an der Straße entlang muss. Es scheint hier sogar richtige Wanderwege zu geben. Dies schürt in mir gewisse Hoffnungen auf ein warmes Mittagessen.
In den Hotels, bei denen jeweils die Frühstückszeiten gewählt werden müssen, bin ich in diesem Punkt sehr beliebt. Die Frühstückszeiten so um 9.00 Uhr sind immer sehr beliebt und voll. Um 7.00 Uhr möchten wenige Frühstücken, kein Wunder im Urlaub. Alles ist frisch hingerichtet, manchmal fehlt noch etwas, und der Kaffee ist frisch und heiß. Somit ist 7.00 Uhr eigentlich eine gute Zeit zum Frühstücken. Heute bin ich um diese Zeit sogar ganz alleine und habe somit die volle Aufmerksamkeit. Ob sie um diese Zeit schon jemand bedienen wollten ist fraglich. Mir scheint es, dass sie eigentlich erst selbst einen Kaffee trinken wollten. Probiert’s mal im Urlaub aus!.
Das erste Ziel, die Burg Falkenstein, ist einer der Anziehungspunke des Harzes. Morgens vor 9.00 Uhr ist es hier noch sehr ruhig und ich kann die Burg genießen, es hat dafür auch noch nichts offen. Gäbe es eine Zugbrücke, wäre die sicher noch oben. Heute ist dies auch kein Wunder, den Montag und Dienstag ist Ruhetag. Die Burg hat ihren Mittelalterlichen Charakter aus dem 12. Jahrhundert trotz umfangreicher Erweiterungen im 16. und 17. Jahrhundert erhalten. Sie liegt sehr exponiert auf einem Sporn. Man kann bei so einer Burganlage wirklich noch von Massivbau reden. Der Bergfried hat bei einem Durchmesser von 8,50 m eine Mauerdicke von 2 Metern. Die Burg wurde wohl nie eingenommen.
Von der Burg muss ich wieder ins Tal, um auf der anderen Seite wieder aufsteigen zu können. Die Burg Falkenstein l,iegt leider auf der falschen Seite des Tals. Nun darf ich es wieder einmal erleben, dass eingezeichnete Wege nicht unbedingt begehbar sein müssen. Diesmal war es kein Naturschutzgebiet (siehe Etappe 31), sondern ein Bachlauf welcher den Weg kreuzt. Ich weiß zwar nicht, wenn es hier das letzte Mal geregnet hat, aber lange kann es nicht her sein. Die schwarze Pampe sieht zwar begehbar aus, aber nur bis zum ersten Schritt. Bis zu den Knien stecke ich im Schmodder. Schnell wieder heraus und den Berg hinunter. Ich muss ja nochmals die Selke überqueren. Am Bach mach ich halt und führe eine Fusswaschung durch. Mit frischen Socken, fast trockenen Schuhen und einem gerade verzehrten Teil meines Harzer Frühstückes (Brot mit Harzer Käse, Leberwurst und Blutwurst) gehe ich das „Lange Tal“ hoch. Es stehen dort viele vertrocknete Bäume, ein Hinweis auf das Waldsterben. Daneben besteht jedoch genauso grüner Wald, wie ich ihn von zu Hause kenne. Mir scheint es, als ob es vor allem die Lärchen betrifft. Mal sehen wie sich dies mit zunehmender Höhe ändert.
Mein höchster Punkt heute liegt bei über 550 m. Ich nähere mich dem Brocken sowohl entfernungs- als auch höhenmäßig. In Friedrichsbrunn werde ich das erste Mal auf den Ausblick auf den Brocken hingewiesen (siehe Etappenbild).
Im gleichen Ort bekomme ich jetzt schon zum zweiten Mal hintereinander ein warmes Mittagessen. Ich laufe um 13.50 Uhr ein und darf noch bestellen. Ein Ehepaar, welches 15 Minuten später eintrifft, bekommt nichts mehr. Die Voraussetzung bei mir war, dass ich bis 14.30 Uhr fertig mit dem Essen bin. Wer mit mir schon mal bei einem normalen Mittagessen war, kann sich vorstellen, dass ich diese Hürde mit Bravour gemeistert habe.
Schnell noch die letzten Kilometer bis zur Unterkunft. Am Eingang schlägt mir das Schild „Heute Ruhetag“ entgegen und dies, obwohl es gar nicht Montag ist. Das Ganze findet aber noch ein gutes Ende, da dies nicht für Hausgäste gilt.

Entfernung
Etappe – 33,6 km
Gesamt – 1.179,0 km

Höhenmeter
Etappe – 719 m
Gesamt – 6.790 m