Auf dem Weg ist kein Zwischenziel in Sicht, so dass es um das Überbrücken der Distanz geht. Leider lässt sich die Wegequalität nicht aus den Karten herauslesen. Es bleibt immer ein bisschen Abenteuer. Die Landschaft des Harzvorlandes ist sanft hügelig, was ein laufendes Auf und Ab bedeutet. Nach Göttingen hinein geht es erst durch das Villenviertel, dann in die Altstadt. Eine Stadtführungsapp erleichtert die Besichtigung. Die Dynamik der Besichtigung nimmt schlagartig ab. Ich habe eine gute Weinbar gefunden. Übrigens, falls es jemand interessiert, der Mount Everest ist höhenmäßig geschafft!

Wo ist der Weg? 
Innenraum Kirche St. Jacobi 
Malerische Innenstadt von Göttingen
Lindau – Remshausen – Roringen – Herberhausen – Göttingen
Meine Frau hat auf der Karte in der Nähe von Lindau noch einen weiteren Ort entdeckt. Dieser heißt Bodensee. Ob dies Zufall ist oder sich jemand schon sehr viel früher einen Spaß daraus gemacht hat?
Bevor die Frage auf meinen Blog der gestrigen Etappe kommt, ich wohnte 200 Meter vom Sportplatz entfernt.
Da ich quer zu den Hügelketten laufe, bedingt dies ein ewiges Auf und Ab. So kommen auf einer relativ kurzen Strecke doch fast 500 Höhenmeter zusammen. Diese zusätzlichen Höhenmeter führen dazu, dass ich jetzt höhenmäßig den Mount Everest mit seinen lächerlichen 8848 m überquert habe, aber da sag ich euch ja sicher nichts Neues. Der Brocken alleine reicht mir nicht.
Bei solchen Querverbindungen, wie jetzt vom Harz zum Sauerland, gibt es meist keine qualifizierte Wanderwege. Was ich für Wege verwische, ist oft zufällig. Steht auf der Karte ein Namen auf dem Weg, ist die Wahrscheinlichkeit einer besseren Begehbarkeit höher. Solange man einigermaßen durch kommt, geht es noch. Ihr könnt ja mal auf dem Bild schauen, wo der Weg lang geht. Diese zugewachsene Wege haben drei Probleme: wenn es geregnet hat, wirst du nass alleine durchs entlangstreifen durchs Gras, ganz zu schweigen von Morastlöchern, die nicht sichtbar sind. Die Brenneseln und Dornenpflanzen sind das zweite Problem. Die Wanderstöcke sind dann gut als Machete einsetzbar. Besser ist mit langen Hosen durchzugehen. Heute siegt die Faulheit und es brennt anschließend belebend an den Beinen. Das Ergebnis hieraus ist das dritte Problem. Es kostet die doppelte Kraft und du kommst halb so schnell voran. Also, wenn es geht, die „Abenteuer“ vermeiden.
Ich sitze da und schaue friedlich auf die Landschaft (siehe Abschnittsbild) und hinter mir die B27. Die gibts nicht nur in Stuttgart, sondern auch in Göttingen. Die Verkehrsstärke ist maximal die Hälfte, lärmtechnisch scheint sich dies jedoch fast nicht auszuwirken.
Endlich ist Göttingen durch die Bäume im Blick. Leider gibt es vom Wanderweg keinen schönen Stadtblick. Die Blüte Göttingens ist wohl auf Erbstreitigkeiten und Neuzuteilungen zu verdanken. Der neue Besitzer hatte in seinem Territorium noch keine Universität für seine Ärzte, Theologen und Juristen. Dies war das Glück Göttingens. Was an Wirtschaft hier gedeiht, steht oft mit der Universität in Zusammenhang. Beim Hereinlaufen begegnen mir viele junge Leute, die ich der Studentenschaft zuordne. Auch die Professorenschaft scheint nicht schlecht zu leben. Die Villen oder gutbürgerlichen Häuser würden auch in Stutgart, München oder Frankfurt reißenden Absatz im siebenstelligen Bereich finden. Der Stadtkern mit vielen Fachwerk- und anderen historischen Häusern ist eine Augenweite. Mit oder durch Bildung scheint es sich doch gut leben zu lassen. Zudem ist die Stadt als Zentrum belebt. Corona scheint in einer der vielzähligen Eisdielen kein Thema mehr zu sein. Der Abstand zwischen den Leuten an den Tischen beträgt maximal 0,50 m. Aber sonst ist alles gut.
Eine App führt einen besten durch die Stadt und erklärt einem alle Sehenswürdigkeiten. Mein Elan erschlafft urplötzlich, als ich eine gute Weinbar finde. Immerhin sind von den 30 km circa 5 km Stadtbesichtigung. Städte sind anstrengend. Also genug für heute.

Entfernung
Etappe – 30,3 km
Gesamt – 1.313,2 km

Höhenmeter
Etappe – 478 m
Gesamt – 8.941 m