Der Tag beginnt mit Dauerregen. Den kann ich abwarten, da ich die Etappe etwas kürzer geplant habe. Befestigte Wege sind bei so einem Wetter von Vorteil. Die ersten 10 km sind nur Göttingen und Rosdorf, unterbrochen mit wenig Grün. Die Flächen werden danach offener und die Wälder treten zurück. Sind im Harz die Nadelwälder beherrschend, so treten hier die Laubwälder, vor allem Buchenwälder in den Vordergrund. Das Ziel, Hann.-Münden ist touristisch geprägt, aber sehr sehenswert (dies meinen viele Andere auch).

Dorfkirche in Lemshausen 
„Ursprung“ der Weser 
Fußgängerzone Hann. Münden
Göttingen – Rosdorf – Mengershausen – Lemshausen – Jühnde -Meensen – Hann.-Münden
Dies ist wieder so eine Etappe, bei der eine mögliche Unterkunft die Route bestimmt. Eigentlich wollte ich über die Domäne Beberbeck und Hofgeismar laufen, aber zwischen Göttingen und Beberbeck habe ich in der richtigen Entfernung nichts brauchbares zum Übernachten gefunden. Dies zeigt, wie wichtig der Ausbau der Domäne Beberbeck zu einem Freizeitressort für die Region gewesen wäre. Dann gehts nach Südwesten nach Hannoversch Münden, ein Ort den ich sonst nur als Autobahnabfahrt kenne.
Hier regnet es derzeit heftig, so dass ich den Abmarsch auf 10.00 Uhr verschiebe. Da der Regen angekündigt war, habe ich die Etappe schon etwas kürzer geplant.
Wo entspringt die Weser? Eigentlich nirgends. Die Weser entsteht erst durch den Zusammenfluss von Fulda und Werra und dies ist in Hannoversch Münden der Fall. Der offizielle Stadtname ist nur Hann.-Münden (siehe auch eigene Homepage). Die Werra gilt als eigentlicher Quellfluss der Weser und sie ist auch der längere Fluss. Die Fulda bringt als großer Nebenfluss mehr Wasser. Wie allgemein bekannt, ist die Weser der einzige Strom Deutschlands, der sein Einzugsgebiet nur in Deutschland hat. Ihr wisst natürlich sicher, ab wann ein Fluss Strom genannt wird. Wenn nicht, einfach nachschauen, ich muss dies auch tun. Eins kann ich euch schon verraten: die Definition ist nicht eindeutig. Mir fallen in Deutschland fünf Ströme ein.
Die ersten 10 km laufe ich heute gerne einer Landesstraße entlang, denn so bleiben die Schuhe trocken. Verkehr ist auch kaum, da es Sonntag Morgen ist und die Straße zwischendrin wegen einer Brückenbaustelle gesperrt ist. In Lemshausen komme ich am Kirchlein vorbei, bei der aus der offenen Türe das Orgelspiel heraus klingt. Gesungen wird nicht. So beschaulich stelle ich mir einen Sonntag auf dem Lande vor.
Da ich nach Westen laufe, überquere ich sowohl die lieb gewonnene A7 (Siehe Etappe 2 und 3), sowie die ICE-Strecke von Fulda nach Hannover. In dem Bereich ist die Trasse entweder im Tunnel oder auf einer Brücke. Nach Lemshausen geht es ziemlich stetig bergauf. Ich überquere die ICE-Strecke oberhalb des Ortes nahe an einem Tunnelmund mit zugehörigem Rettungsplatz. Deshalb ist hier auch eine Brücke. Danach verläuft der Weg vorwiegend im Walde, der sich jedoch ändert. Waren im Harz eindeutig die Nadelbäume beherrschend sind es jetzt die Laubbäume. Holzfällarbeiten am Wegesrand sehe ich keine. Die Holzfäller scheinen alle im Harz zu sein.
Herr Ruhetag scheint tatsächlich den Brocken umgangen zu haben und seine Methoden werden immer perfider. Das einzige Lokal ab Mittag an der Strecke hat keinen Ruhetag und ist auch noch gemäß Aushang am Wanderweg von 11.00 Uhr bis 22.00 Uhr geöffnet. Im Biergarten sitzt niemand, aber vielleicht wird nur drinnen bedient. Also hin zur Eingangstür, an der ein Schild hängt: wegen Vorbereitungszeit von 15.00 bis 17.00 Uhr geschlossen. Jetzt ist 16.00 Uhr. Wie perfide ist denn das, nicht mehr Öffnungszeiten, sondern in den Öffnungszeiten liegende Schöießzeiten per Aushang. Aber es ist nicht mehr weit bis Hann.-Münden.
Wer Fachwerk liebt, kommt hier voll auf seine Kosten. Man sieht es auch am Touristenstrom, der sich hauptsächlich in der Fußgängerzone ergißt. Mein Hotel heißt Alte Packstation. Die Werra war vor ihrer Aufstauung in diesem Bereich so flach, dass die Schiffe umgeladen werden muß. Auch ich muss meinen Rucksack neu packen, denn morgen sind 40 km geplant.

Entfernung
Etappe – 34,0 km
Gesamt – 1.347,2 km

Höhenmeter
Etappe – 433 m
Gesamt – 9.374 m