Die Etappe führt am Nordrand des Sauerlandes über die Hochfläche der Westfälischen Bucht. Auf der Hochfläche ist es heute so windig bis stürmisch wie gestern. Kein Wunder, dass hier eine Vielzahl von Windrädern stehen, so viele wie ich es sonst nur von der Nordseeküste her kenne. Die drei Städte haben alle adeligen oder bischöflichen Hintergrund, was an den Bauwerken abzulesen ist. Fürstenberg ist sogar noch mit Adel besetzt.

Barockkirche in Fürstenberg 
Romanische Kirche St. Nikolaus in Büren 
Gymnasium in Büren 
Kapelle in Hemmern – wem da gehuldigt wird?
Essentho – Fürstenberg – Bad Wünnenberg – Büren – Weine – Hemmern – Spitze Warte
Frühstück mal ganz anders, ich bekomme das Tablett nachts vor die Türe gestellt. Dies ist hier die Variante, wenn nur ein Gast da ist. Somit kann ich hier mir meine individuellen Frühstückszeiten selber heraussuchen.
Ich befinde mich gar nicht mehr direkt im Sauerland, sondern laufe an seinem Nordrand oder am Südrand der Westfälischen Bucht, in diesem Bereich die Paderborner Hochfläche genannt. Von der Aussicht bedeutet dies links der Wald und rechts die Felder. Da trifft es sich ja gut, dass der erste Ort Fürstenberg ist. Es gibt hier ein Schloss des Grafen von Westphalen, der dieses wohl auch bewohnt. Alles Privatbesitz, betreten verboten. Die Kirche, eine katholische Barockkirche , darf ich dagegen betreten.
Unterwegs werde ich von zwei „Stockstelzen“ verfolgt, die ihr Schritttempo optimal steuern. Man soll der Gesundheit wegen nur so schnell laufen, dass man sich nebenbei noch unterhalten kann. Die beiden Damen kontrollieren dies durchgängig. Plötzlich ist es ruhig, sie sind abgebogen.
Noch etwas aus der Fauna ist mir aufgefallen. Feldmäuse sehe ich häufig über den Weg huschen. Sie sind ja vergleichsweise klein. Was ich auch noch oft sehe sind Hasen. Entweder sind sie zu doof oder ich verstehe ihre Taktik nicht. Anstatt sich sofort in die Büsche zu schlagen, hoppeln sie immer erst ein Stück, manchmal ein größeres Stück auf dem Weg entlang. Dann müssen sie auch mir auffallen, einem Fressfeind erst recht (dazu gehöre ich eigentlich auch).
Nächster Ort ist Bad Wünnenberg. Dieser Ort ist in der Vergangenheit mehrfach abgebrannt. Nach den letzten Brand wurden die Straßen nicht mehr mittelalterlich in den bestehenden Strukturen angelegt, sondern rechtwinklig mit genügender Breite und Abstand. Die Häuser wurden nicht mehr aneinander gebaut, sondern auf größere Lücke, damit ein Feuer nicht überspringen kann. Der Rest der Bevölkerung musste in die Neustadt ziehen, die ähnlich aufgebaut war. Es dauerte nicht lange, bis die Lücken wieder zugebaut wurden. Der Mensch lernt langsam und vergisst schnell.
Durch die Stadt fließt ein Fluß, der bei alphabetischen Auflistungen immer der erste ist. Er heißt Aa. Hier spielt die Listung keine große Rolle. Bei Städten sieht dies schon anders aus. Aachen hat bewußt auf den Zusatz Bad verzichtet, obwohl es ein anerkanntes Heilbad ist. In allen Reiseführern ist sie dann immer ganz vorne.
Weiter gehts noch zwei Stunden in die ehemalige Kreisstadt Büren. Da komme ich gerade richtig zur Essenszeit an. Stellt euch das Schlimmste vor und es wird übertroffen. Nichts hat offen, selbst die Dönerbude macht erst abends auf. Niemand bietet einen Mittagstisch an. Das Café, welches in den Führern als offen drin steht, hat Ruhetag. Ich habe dann noch einen italienischen Schnellimbiss gefunden. Der war natürlich voll.
Zumindest hat Büren zwei Kirchen, die unterschiedlicher vom Baustil kaum sein könnten. Am Marktplatz steht die St. Nikolaus Kirche, eine romanische Kirche, klar, schwer, düster, aus dem 11. Jahrhundert. Die andere ist Maria Immaculato, eine barocke Kirche prunkvoll, verspielt, hell. Auch das Gymnasium ist von außen sehenswert. Es erinnert eher an ein Schloss. Ich glaube, hier kann man noch die Paukerfilme aus den zwanziger oder dreißiger Jahren drehen.
Durch das Almetal gehts flussaufwärts bis nach Weine (von Rebstöcken keine Spur) und dann wieder Steil auf die Hochfläche. In Hemmern gehts noch an einer kleinen Kapelle. Schaut euch das Bild mal genau an, vor allem Du liebe Sylke, welchem Gott da gehuldigt wird. Es passt zum Motto: you’ll never walk alone. Zu meinem Hotel Spitze Warte gehts natürlich am Schluss nochmals steil bergan. Kein Wunder bei dem Namen.

Entfernung
Etappe – 38,4 km
Gesamt – 1.461,5 km

Höhenmeter
Etappe – 444 m
Gesamt – 11.175 m