Etappe 42 – Von Spitze Warte nach Delecke – 38,6 km

Nach den vielen Feldern und Wälder laufe ich heute das erste mal fast nur im Tal. Mit Rüthen und Belecke sind noch zwei nette Örtchen auf der Route. Ziel ist der drittgrößte See in NRW, der Möhnesee. Als Ort ist Ziel Delecke, nicht zu verwechseln mit Belecke.



Spitze Warte – Rüthen – Belecke – Allagen – Völlinghausen – Wamel – Stockum – Körbecke – Delecke

In dem Hotel, wie auch im letzten, übernachten vor allem Monteure. Früher war auch dies ein Vollgasthof, aber es war wohl immer schwieriger ausgebildetes Personal zu bekommen, welches aufs Land wollte. Wenn dann keine Kinder da sind oder diese was anderes machen wollen, wird der Betrieb auf Übernachtungen mit Abendessen für diese Gäste zurückgefahren und bei vielen Betrieben anschließend ganz geschlossen.

Der erste Ort ist Rüthen, eine bereits sehr alte Stadt. Bis hierhin machte sich der Einfluß der Erzbischöfe von Köln bemerkbar, die gleichzeitig Herzöge von Westfalen waren. Rüthen war östlicher Aussenposten und daher von strategischer Bedeutung. Die volle christliche Nächstenliebe der Erzbischöfe von Köln war gegen die Bischöfe von Paderborn gerichtet. Auch Rüthen war Mitglied der Hanse. Ich bin jetzt schon durch mehrere Hansestädte gekommen, bei denen ich dies nie vermutet hätte. Die Hanse und ihre Bedeutung scheint ein interessantes Thema zu sein, wenn sich viele Städte, sicher nicht kostenfrei angeschlossen haben. Mit Wasser und Meer scheint die Hanse ja nur bedingt was zu tun zu haben. Die Möhne, der Fluss der durch die Stadt fließt, ist hier eher ein Bach. Dem Thema kann ich mich mal nach meiner Rückkehr annehmen.

In Rüthen hält in 200 m Entfernung ein VW-Bus und eine jüngere Frau mit rotgefärbten Haaren steigt bei der Fahrertür aus, bei der Beifahrertür ein bärtiger Bulle von einem Mann. Das Rot der Haare leuchtet so, dass man beide nicht übersehen kann. Sie öffnen die Heckklappe und ich gehe davon aus, dass sie jetzt ihr Gemüse oder sonstige Einkäufe ausladen. Auf ihrer Höhe grüßt mich die Dame sehr freundlich zuerst, was hier selten vorkommt. Sie lädt kein Gemüse aus, sondern befestigt gerade ihre schusssichere Weste und takelt sich auf, nicht mit Schminke, sondern mit Waffen. Der Herr übrigens auch. Durch den freundlichen Gruß gehe ich davon aus, dass ich nicht gemeint bin, Grüße zurück und verfolge unbeirrt meinen Weg weiter. Ich möchte ja nicht mein Leben und das der beiden gefährten. 500 m weiter fahren sie dann an mir vorbei und biegen in das ehemalige Schwesternhaus Maria von Stein ein. Da es eine besetzte Pforte hat, ist dies irgendein offizielles Gebäude, ich vermute eine Aufnahmestation. Auch hier setzt ich unbeirrt meinen Weg fort runter ins Tal der Möhne. Der Weg führt auf einer ehemaligen Eisenbahnstrecke über 20 km. Ab 10.00 Uhr fängt der Radverkehr an, ab 11.00 Uhr nimmt er erheblich zu. Liegt es an der Uhrzeit oder dass ich näher zum Möhnesee komme.

In Belecke mache ich noch einen Abstecher hinauf in die Altstadt. Hier scheint für die Verkleidung der Häuser mit rheinischem Schiefer zu beginnen. Viele Fachwerkhäuser und die Lage auf einem Sporn oberhalb der Möhne geben dem Städtchen Charme. Unten in der Neustadt am Markt waren schon zwei Italiener tatsächlich offen, aber morgens um 10.00 Uhr ist’s noch zu früh zum Essen. Oben sind die Lokale geschlossen. Was soll man von einem Lokal halten, bei dem eine Tafel davor am Gehweg steht mit der verwaschenen Aufschrift: geöffnet ab 17.00, täglich frischer Spargel. Und dies Ende Juli. Wo bekommen die jetzt frischen Spargel her? Hat jemand das Schild im letzten Monat angeschaut oder lebt hier überhaupt noch jemand?

Wenn ich den Bach Möhne auch kurz vor dem Beginn des Stausees sehe, kann ich nicht glauben, dass dieses Rinnsal einen See von ca. 135 Mio. m3 füllen kann. Der Stausee dient vor allem der Regulierung der Ruhr und ist kein Trinkwasserspeicher. Deshalb ist Baden und Wassersport erlaubt.

Das erste offene Lokal ist wieder ein Biker‘s In. Um diese Zeit Kuchen mit Radler und nicht Currywurst mit Pommes. Wie in Torfhaus (Etappe 35) falle ich altersmäßig überhaupt nicht auf. Toll finde ich, dass von den Bikern keiner auch nur einen Tropfen Alkohol trinkt. Scheint so eine Art Ehrenkodex zu sein. Einziges Thema sind Motorräder und Motorroller. Ich dachte, da diese sich anscheinend schon öfters getroffen haben, müsste doch jede Maschine einmal geistig zerlegt und wieder zusammengeschraubt und dieses Thema endlich sein. Weit gefehlt!!!

Eigentlich wollte ich nur 32 km heute laufen, um fit zu sein, wenn ein Kollege morgen mitläuft. Aber einen Kilometer mehr geht schon, da man ja sowieso so wenig läuft, um nicht über die Felder sondern über Rüthen direkt an die Möhne zu laufen. Wenn man schon Rüthen streift, sollte man den Ort gleich anschauen. Wieder eins bis zwei Kilometer. Gleiches gilt natürlich auch für Belecke. Hoch in die Altstadt, die ganzen Opferstöcke anschauen und wieder herunter. Plus 2 Kilometer. Die Kanzelbrücke sollte man auch gesehen haben (siehe Bild). Und wieder ein Kilometer dazu. In Delecke kann ich endlich weg von der Straße und am Wasser entlang. Wieder ein Kilometer. Und ganz lassen kann ich es immer noch nicht zu schauen, ob nicht doch ein Lokal in der Nähe offen hat. Was in der Summe daraus wird, seht ihr ja. Überraschender Weise habe ich so jetzt 1.500 Kilometer zusammen. So schnell geht‘s, wenn man nicht aufpasst.

Da die Pferdesalbe für meine schlanke Fesseln aufgebraucht habe, muss ich dringend eine neue kaufen. Ich war schon in zwei Apotheken und die hatten immer nur Bottiche von einem halben Liter. Dies sind Portionen eher für eine Ackergaul und nichts für mich, auch weil ich den Bottich tragen müßte. Na, was glaubt ihr, wo ich dann eine Tube mit 150 ml bekommen habe? Da hätte ich auch schon viel früher drauf kommen können. Bei Rossmann!

So, jetzt darf ich noch essen gehen. Der Tisch ist auf der Terrasse mit Seeblick bestellt! Das Hotel scheint so, dass ich es doch mal wieder mit einem Wein versuchen kann.


Entfernung

Etappe – 38,6 km

Gesamt – 1.500,1 km

Höhenmeter

Etappe – 156 m

Gesamt – 11.331 m