Vom Möhnesee gehts es jetzt dem Lauf des Wassers nach, nämlich runter zur Ruhr. Am Anfang ist die Landschaft noch landwirtschaftlich geprägt, später nimmt der Anteil der Industrie deutlich zu. Die Dörfer und Städte verlieren etwas Charme und werden größer und funktionaler, egal ob Wickede oder Frödenberg. Unsere Wanderung endet wieder im Grünen, wenn auch nicht auf dem Green, nämlich auf dem Golfclub Gut Neuhof in Unna-Frödenberg.

Möhnetalsperrmazer 
Regulierte Ruhr 
Abendstimmung am Golfplatz
Delecke – Staumauer – Echthausen -Niederense – Höinigen – Wickede – FröNdenberg
Wir laufen heute eigentlich in Neu-Delecke los, weil große Teile von Alt-Delecke dem See zum Opfer fielen und im See verschwunden sind. Ich sage wir, weil mein ehemaliger Kollege Claus mich drei Tage begleitet. Eine neue Erfahrung für mich.
Die Möhnetalsperre dient vor allem der Regulierung der Ruhr. Anfänglich war Hauptziel auch im Sommer genügend Brauchwasser bereitstellen zu können für die vielen Industriebetriebe entlang des Flusses. Deshalb wurde von 1908 bis 1912 eine 650 m lange und 40 m hohe Schwergewichtsstaumauer errichtet. Natürlich dient sie genauso dem Hochwasserschutz, der Energiegewinnung und nicht zu vergessen und heute erlebbar, der Naherholung für viele Ruhrpöttler.
Die hervorstehenden Bruchsteine der Mauer dienen nicht der Zierte, sondern der Verwirbelung des Wassers bei Überlauf des Beckens. Die Verwirbelung baut erhebliche Energie des Wassers ab und schützt somit die Mauer. Überläufe sind in der Mauer unterhalb der Fahrbahn deutlich erkennbar (siehe Bild). Der See läuft tatsächlich manchmal über, das letzte Mal vor 13 Jahren im Sommer 2007, davor im Jahre 1984. Wir können beruhigt auch unterhalb der Staumauer weiter laufen, da die Gefahr des Überlaufens bei dem geringen derzeitigen Wasserstand nicht besteht. Bis das Becken gefüllt wäre, bin ich schon weit weg aus dem Einflussbereich Der Möhne und der Ruhr.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Mauer im Mai 1943 von britischen Bombern angegriffen und durch eine Rollbombe schwer beschädigt. Durch den Wasserdruck entstand schnell ein Loch von 70 m Breite und 20 m Tiefe. Die anschließende Flutwelle von bis zu 12 Metern Höhe hatte viele Todesopfer (ca. 1600) zur Folge, die meisten aus dem Arbeitslager Möhnewiese, eine Gruppe die sicher nicht das Ziel des Angriffs war. Das weitest entfernte Totesopfer als Folge der Flutwelle gab es in Essen in 100 km Entfernung. Der Damm wurde binnen weniger Monate wieder repariert.
Nach der Besichtigung der Staumauer geht es ab wie die Feuerwehr. Claus legt ein gutes Tempo über Felder und Wiesen und durch kleine Orte hinab zur Ruhr vor. Ich habe mir schon überlegt, ob ich nochmals einen Mitwanderer mitnehme, bei dem Tempo. Wickede mit einer Entfernung von 18,3 km erreichen wir nach 3,5 Stunden. Die Besichtigung der Staumauer ist da inclusive. Das lässt ja schlimmes für den Nachmittag erwarten. Für mich beruhigend ist, dass auch in seiner Begleitung viele Lokale, auch ein Biergarten, den wir extra ansteuern, geschlossen haben. Es kann also nicht ausschließlich an mir hängen, dass alles nahrhafte geschlossen ist. Dies ist schon mal beruhigend. Jetzt ist nur noch das Problem mit dem Tempo.
Ich habe noch eine Telefonkonferenz, weshalb wir etwas ansteuern, was offen hat. In der Nähe der Bahngleise in Wickede finden wir eine Imbissbude mit angeschlossenem Ausschank. Man kann zumindest draußen auf Bierbänken aus Baumstämmen sitzen. Diese gibt es also nicht nur in Bayern. Die Konferenz war gleich vorbei, Claus besorgt solange das Essen. Und dieses bewirkt Wunder, wahre Wunder. Danach ist er völlig verändert. Er läuft nun normal und den Rest erledigen 32 Grad und noch ein steiler Anstieg in Fröndenberg. Ich glaube morgen wird es ruhiger, oder hoffe ich das nur? Fazit: in solchen Fällen Currywurst mit Pommes rot weiß bestellen, das bremst ungemein.
In Wickede an unserem Imbiss sitzen hinter mir vier mehr oder weniger rüstige Rentner. Die Bedienung, eine Thailänderin, wird laufend von ihnen gerufen. Irgend jemand bestellt immer eine Runde Bier. Zwischen den Bieren beschimpfen und beleidigen sich gegenseitig und schon bestellt der nächste eine Runde. Sie scheinen die gegenseitigen Beleidigungen zu lieben. Bei einem sehe ich den Bierdeckel mit 12 Strichen (3 Runden) und da wechselseitig bestellt wird, hat jeder etwa gleich viel Striche. Sie müssen schon einige Zeit vor uns da gewesen sein. Dann gehts bei ihnen nach Hause und der Freitag ist für sie gelaufen.
Ich darf noch ein paar Schritte bergauf tun und bin froh endlich unser Golfhotel zu erreichen. Die Konsequenz der 32 Grad (Durst, viel Durst) treibt uns ins Golferheim, wo drei rüstige Rentner sich zu uns an den Tisch setzen (wir scheinen sympathisch zu wirken oder es war kein anderer Platz frei). Der älteste war 84 Jahre alt. Ich muss auch feststellen, dass Golfer auch ganz normale Menschen sein können, natürlich nur in Ausnahmefällen. Es entwickelt sich ein nettes Gespräch, welches sich nicht nur um Handicap handelt. So einen gab es auch (ach ich muss durch die neue Regel jetzt wieder viele Tuniere spielen, da mein Handicap von 6 auf 7,6 hochgegangen ist. Da ist man ja gar kein Mensch mehr….). Also doch nicht alles Vorurteile falsch, aber vieles.

Entfernung
Etappe – 29,8 km
Gesamt – 1.529,9 km

Höhenmeter
Etappe – 279 m
Gesamt – 11.610 m