Etappe 44 – Von Fröndenberg nach Dortmund – 29,2 km

Heute erfolgt der Wechsel von dem einen bestimmenden Fluss des Ruhrgebiets, der Ruhr, zum anderen, der Emscher. Beide dienten der Bereitstellung von Brauchwasser, aber auch zur Ableitung von Schmutzwasser. Der Anstieg von gestern wird genutzt und wir laufen auf dem Höhenrücken zwischen den Flüssen, bevor der Wechsel ins Tal der Emscher erfolgt. Der ländliche Raum zu Anfang der Tour an der Ruhr weicht immer mehr zu einer Mischnutzung, vor allem in diesem Bereich im Speckgürtel von Dortmund zu Schlafstädten. Die Anzahl und Größe der Gewerbegebiete nimmt zu. Die Nähe der Großstadt Dortmund ist spürbar.



Fröndenberg – Frömern – Bilmerich – Ostendorf – Holzwickede – D-Sölde – D-Aplerbeck – D-Hörde – Dortmund

Claus hat mich beim Abendessen gefragt, wann der Rasen auf dem Golfplatz gemäht wird. Für das Loch vor meinem Fenster kann ich dies jetzt präzise beantworten: um 6.20 Uhr. Den Trick mit den Pommes Rot Weiß und der Currywurst scheint er gemerkt zu haben. Beim Abendessen sprach er immer etwas von Bananen zum Mittagessen und dies gerade, da ich Hoffnung habe, dass Samstags mal was anderes offen hat als nur eine Imbissbude. Die kleinen Weh-Wehchen nach den gestrigen 30 km bremsen von alleine, so dass die Wanderung gemächlicher vorangeht. Die Tierwelt mit Reihern, aber auch einem Rehbock (siehe Abschnittsbild) im unmittelbarer Nähe, scheint in Ordnung zu sein.

In Ostendorf gehen wir am Haus Opherdicke vorbei (gesprochen op-herdicke), welches in der heutigen Form seit dem 17. Jahrhundert besteht. Mit seinem gestalterischen Wasserbereich um dieses Herrenhaus und dem Skulpturengarten zählt es zu den schönsten Herrenhäusern. In den letzten beiden Tagen haben wir einige Herrenhäuser gesehen, meist in Privatbesitz und nicht zugänglich. Der Landadel scheint die Gegend doch sehr dominiert zu haben. Dieses Gut ist im Besitz des Kreises. Gerade werden die Torten wahrscheinlich für eine Hochzeit gebracht. Viele Autos parken genau im Innenhof vor dem Hauptgebäude, wodurch viel vom Eindruck verloren geht. Muss dies denn eigentlich sein? Sind 100 oder sogar 20 Meter nicht mehr zumutbar?

Wir kommen an einer Apotheke vorbei, wo Claus verschiedene Pflaster und andere Wundermittel nachkauft. Zeitgleich zu ihm werden drei weitere Kunden nacheinander bedient. Das waren wohl intensive Beratungsgespräche, denn mit einem zweiten Rucksack mit Medikamenten kommt er nicht heraus.

Mal wieder ist eine Autobahn zu queren und wir kommen nach Holzwickede. Die Gemeinde zählt zum östlichsten Bereich des Ruhrgebiets. Bergbau und Stahlindustrie waren hier beheimatet. In diesem Ort entspringt auch die Emscher, der wir weiter bis zu Phoenix-See folgen.

Dabei kommen wir in Aplerbeck beim Wasserschloss Haus Rodenberg vorbei. Eigentlich ganz schön, aber städtebaulich eingepfercht in die umgebenden Bauwerke. Es ist wohl keine Sensibilität bei den Westfalen für historische Gebäude und die erforderliche Präsentation vorhanden. Dieses Wasserschloss wird durch die umgebene Bebauung geradezu erdrückt.

Schön ist es, dass daneben gleich ein Italiener offen hat, was den sonst. Auf Claus ist Verlass, die Bananen sind vergessen und ich kann ihn zu einer Portion Nudeln überreden (gehen langsamer ins Blut und halten länger vor). Wir essen beide Spagetti, er mit Tomaten und Zucchini, ich mit gehobeltem Parmesan und Trüffel. Er trinkt Wasser, ich ein Gläschen Wein, wegen den Trüffeln. Er scheint hier doch der Vernünftigere von uns beiden zu sein. Beim Nachtisch setzen wir das gesunde Wandereressen fort. Bei der Auswahl sind wir uns vollständig einig. Es gibt für jeden drei halbe dünne Scheiben Apfel mit Verzierungen, wie es sich in einem guten Lokal gehört. Die Apfelscheiben sind herrlich saftig und haben einen ausgesprochen fruchtigen Geschmack. Die Konsistenz ist genau richtig, die Bissfestigkeit stimmt. Die Verzierung auf dem Teller essen wir dann auch noch. Sie besteht aus einem 10 x 10 cm großem Stück Tiramisu getobt von einer zarten Schokomousse.

Danach geht es jetzt endgültig der Emscher entlang zum Phoenix-See. Das Projekt ist dies eins der bekanntesten Projekte im Unternehmen. Am Stuttgarter Tag habe ich dieses Projekt immer vorgestellt, da hierin alle Disziplinen, für die ich verantwortlich war, vereint sind. Sicher mehrere Hundert neue Mitarbeiter mussten dieses Projekt über sich ergehen lassen. Auf dem 96 ha großen Areal der ehemaligen Hermanshütte entstand ein Wohn- und Gewerbegebiet sowie ein 24 ha großer See als Naherholungsgebiet und als Hochwasserschutzanlage (Pufferbecken) für die Emscher. Faszinierend waren für mich beim Bau die riesigen Fundamente des Stahlwerks, gegen diese ein großer Bagger wie ein Spielzeug aussah. Schon in der kurzen Zeit des Stahlwerks wurden Fundamente mehrfach überbaut. Auch an eine Zahl aus einem Gutachten, die das Wesen von Ingenieuren gut ausdrückt, kann ich mich noch gut erinnern. Das Stauziel bei Hochwasser war „circa 92,6 cm“. Es wird auf den Millimeter genau berechnet und man schreibt ca. hin. Wahrscheinlich war die Berechnung mit sieben Kommastellen und man hat gerundet, deshalb das circa. Das Projekt ist ein Erfolg, wenn ich jetzt so hier durchlaufe. Fast alles ist bebaut und die Bevölkerung nimmt den See rege an. Heute ist es schon ziemlich voll. Sonntags bei schönem Wetter würde es mir wie bei den zugewachsenen Waldwegen gehen: ich brauche eine Machete um durchzukommen.

Wir sitzen noch in einem Lokal, trinken noch was, genießen das Leben und schauen den anderen beim Flanieren zu. Irgendwann muss der Rest noch bewältigt werden. Es geht über Phoenix-West, das Gebiet der ehemaligen Hütte für das Stahlwerk, weiter Richtung Sportpark. Der alte Hochofen steht noch und auch Noch ein paar andere Erinnerungen an die alte Zeit. Das Gebiet ist sehr heterogen bebaut. Die vielen Lücken zwischen den Einzelbebauungen geben dem Gebiet die Wirkung eines Provisoriums oder eines fehlenden Plans. Es ist wohl nicht die gleiche Erfolgsgeschichte wie Phoenix-Ost, auch Phoenix-See genannt.

Beim Sportpark schaue ich, ob die Profis von Borussia Dortmund Training haben. Dies kann nicht sein, da ich keinen Porsche, Ferrari, Bentley, Lamborghini oder ähnliches sehe. Also gehts weiter durch die Messe ins Hotel. Leider hat das Restaurant geschlossen. Uns wird ein Restaurant um die Ecke empfohlen. Ratet mal was für eins? Dies ist nicht schwer zu erraten, einen Italiener. Ohne diese würde es wahrscheinlich mich, aber auf jeden Fall den Blog nicht mehr geben.


Entfernung

Etappe – 29,2 km

Gesamt – 1.559,1 km

Höhenmeter

Etappe – 158 m

Gesamt – 11.768 m