Heute sind auf der Wanderung drei Täler zu queren. In Dortmund geht es erstmal wieder herunter zur Emscher und auf der anderen Seite wieder bergan, um zur Ruhr zu gelangen. Syburg als alter Wallfahrtsort liegt auf der Strecke. Im Tal der Ruhr geht es entlang des Hengsteysees (Bild) bis Herdecke, bevor der letzte Bergrücken ins Ennepetal überwunden werden muss. Der letzte Anstieg ist selbst gewählt, da das Hotel auf Halbhöhenlage liegt. Halbhöhenlagen waren schon immer etwas anspruchsvoller.

Ruine Syburg 
Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf Syburg 
Zugbildungsanlage in Vorhalle
Dortmund – D-Hacheney – D-Wellinghofen – D-Kirchhörde – Syburg – Herdecke – Vorhalle – Tücking – Hagen
Da richtigerweise am Samstag und Sonntag niemand im Büro ist, geht es zum nächsten Abschnitt nach Köln weiter. Die nächsten Tage folgt mein Weg dem Westfälischen Jakobsweg. Am Stadion vorbei geht es nach Süden durch die einzelnen Stadtteile. Durch den Rombergpark, ein botanischer Garten mit 4.000 unterschiedlichen Bäume aus der ganzen Welt, geht es bis zum Zoo, bevor es über Hacheney nach Wellinghofen geht. Hier steht noch ein altes Kirchlein, welches schon im Mittelalter als Zwischenstation auf der Wallfahrt nach Syburg gedient hat. Also mach ich dort auch eine Pause. Dieser Stadtteil scheint nicht einer der wohlhabenderen zu sein, was sich an den vorgeschlagenen Höchstbeträgen am Geldautomaten (250 €) ablesen lässt.
In Kirchhörde ist der Forst Bittermark, welcher wohl im 18. und 19. Jahrhundert intensiv berbautechnisch bearbeitet wurde. Heute sind die Spuren an der Oberfläche ablesbar, sei es durch Tagbrüche oder durch tief ins Gelände eingefahrenen Wege der Fuhrwerke für den Abtransport. Der Wald ist voll von Joggern und Hundebesitzern. Gerade treffen zwei Gruppen, eine gemischte Gruppe mit großen verschiedenen Hunden und sechs Damen mit ihren sechs Möpsen aufeinander. Laut sind nur die Herrchen und Frauchen. Die Hunde stören sich nicht aneinander.
Weiter gehts durch den Wald nach Syburg. Die Kirche ist offen und ich darf sogar den Turm besteigen. Ein Herr davor notiert wegen Corona-Verfolgung jede Adresse. Ich habe ihn ganz glücklich gemacht. Neben zwei Hannoveraner und einem Berliner bin ich ein weiterer Exot. Es bleibt für ihn spannend, was für Exoten er noch im Laufe des Tages einsammelt.
Heute pilgern sie hier weniger wegen der Kirche, sondern wegen der Spielbank von Dortmund. Es soll darin sogar ein Sternerestaurant geben, ein weiteres Pilgerziel. So werden die Parkplätze wenigstens zwei Mal genutzt, tagsüber für die Ausflügler, abends die Spielbank- oder Restaurantbesucher. Es gibt hier nämlich noch mehr zu sehen, z.B. eine Ruine der Syburg und ein Kaiser-Wilhelm-Denkmal von 1871. Nicht zu vergessen ist die Aussicht auf Hagen, die Ruhr und den Hengsteysee.
Ab hier darf ich wieder alleine laufen, den Claus verlässt mich, da seine Füße und Beine der Wanderung Tribut zollen müssen. Ich kenne Schmerzen im Schienbein nur, wenn ich es kräftig anschlage, er leider beim Gehen. Über 50 km an den ersten beiden Tagen ohne vorher zu trainieren gebührt schon Respekt.
Von Syburg runter komme ich genau am Beginn des Hengsteysees an, den ich bis Herdecke entlanglaufe. An Einsamkeit trotz jetzt fehlenden Begleiter mangelt es mir nicht. Wo es geht sind Fahrradfaher und Fußgänger hier getrennt, alleine schon wegen der Masse. Herdecke besticht durch einige schöne Fachwerkhäuser, eine Fußgängerzone und geschätzt sieben Eiscafes oder Eisdielen.
Weiter gehts wieder bergauf zu einem Aussichtsturm auf dem Kaisberg, der leider am Sonntag Nachmittag geschlossen hat. Und schon gehts wieder bergab nach Hagen-Vorhalle, wo sich eine der großen Zugbildungsanlagen befindet. Nach der Unterquerung der Autobahn gehts wieder hoch, um dann relativ schnell ins Tal der Ennepe abzusteigen. Diese Tagestour kann ich zu recht als drei Tälerwanderung bezeichnen. Der Ort auf dem Bergrücken heißt treffender Weise Tücking.
Den letzten Anstieg von über 100 Höhenmeter habe ich selbst Bei der Auswahl des Hotels verschuldet. Jetzt sitze ich dafür ruhig im Wald und esse Abend. Und morgen Früh darf ich als erstes den Berg runter laufen. Die vier langen Anstiege führen zu einer akzeptablen Bergwertung.

Entfernung
Etappe – 34,0 km
Gesamt – 1.593,1 km

Höhenmeter
Etappe – 765 m
Gesamt – 12.533 m