Die Wanderung geht heute durchs Bergische Land weiter in Richtung Köln. Im Bergischen Land herrscht der Schiefer vor und man kann einiges daraus gestalten. Nach dem ersten Teil bis Wermelskirchen geht es (theoretisch) das Erftental abwärts. Dieses Tal ist sehr naturbelassen, was dazu führt, dass die Wege sehr landschaftsnah gestaltet sind. Übersetzt bedeutet dies, dass es auch erheblich auf und ab gehen kann. Ziel heute ist Altenberg mit seinem neuen alten Dom.

Erftental 
Nur schauen, (leider) nichts essen 
Dom zu Altenberg
Lennep – Wermelskirchen – Altenberg
In diesem Hotel kann ich zumindest nicht verschlafen, da ich das Schnarchen meines Nachbarn im nächsten Zimmer sowie den Wecker des über mir nächtigenden Hotelgastes deutlich vernehme. Vor dem Fenster ist noch ein behindertengerechter Fußgängerüberweg, was einen dauernden Piepton nach sich zieht. Die Fenster sind wenigsten gut isoliert, müssen aber dafür geschlossen bleiben.
So wie viele Orte und Weiler gestern zu Wuppertal-Stadt gehört haben, gehört Lennep zu Remscheid, obwohl es eigentlich selber eine Größe für eine eigene Verwaltungseinheit hätte. Lennep hat zwar eine mittelalterliche Stadtstruktur, die meisten Häuser sind jedoch nach dem großen Brand von 1746 im barocken Stil oder später errichtet. Da die meisten Häuser durch hier typische Schieferschindeln verkleidet sind, braucht es schon eine Stadtführung, um an Details wie Fester- oder Türstürzen oder verschiedenen Giebelausbildungen die einzelnen Epochen ablesen zu können. Auch Lennep war Mitglied in der Hanse. Langsam frage ich mich schon, wer eigentlich nicht in der Hanse war und warum dann nicht. Wenn ich jetzt schon durch so viele Hansestädte gelaufen bin, bin ich dann auch schon Hanseat? Wieso beanspruchen eigentlich die Hamburger den Begriff Hanseat für sich? Ich hab den Tipp bekommen, dass es in Lübeck ein Museum über die Hanse gibt. Beim nächsten Besuch steht es auf dem Programm.
Wie ihr alle sicher wisst, hat Lennep einen ganz berühmten Sohn, der hier geboren wurde. Straßen, Plätze, ein Museum ( seins) und natürlich auch eine Apotheke sind nach ihm benannt. Na schnackelt‘s. Ich helfe noch ein bisschen weiter, er war nebenbei auch Nobelpreisträger. Immer noch nicht? Er war der erste Nobelpreisträger in Physik. Wem‘s immer noch nicht klar ist, gebe ich noch einen allerletzten Tipp, dann heißt es selber herfahren und schauen. Also, er erfand die Röntgenstrahlen.
Heute laufe ich wunderbarer Weise mal wieder nicht alleine. Wilfried, ein Kollege schon aus meiner Institutszeit, begleitet mich heute von Anfang bis zum bitteren Ende über ca. 30 km. Seine Grundkondition hat er sich beim Golfen geholt (ca. 10 – 11 km pro Runde, es können jedoch durchs viele Bälle suchen auch 14 km werden. Es sind natürlich immer die Bälle der anderen, die wieder gefunden werden müssen.
Der Weg raus aus Lennep außerhalb des Altstadtkerns ist eher industriell geprägt und öde. Wir gehen hinunter zur Eschbachtalsperre, der ersten Trinkwassersperre Deutschlands. Gebaut wurde sie vom „Talsperrenprofessor“ Otto Inze von 1889 – 1891. Sie war sein Erstlingswerk. Dafür sieht sie ja noch sehr gut aus und wir gehen beruhigten Schrittes darüber. Prof. Inze ist mir schon mal begegnet. Er hat ein Konstruktionprinzip mit einer Fussschüttung entwickelt, nach der auch die Möhnesperre gebaut wurde.
Wir laufen noch durch Wermelskirchen, wo mir noch ein in die Jahre gekommenes Schwimmbad und Stadion in Erinnerung bleibt. Mehr nicht. Wir laufen nun fast das ganze Eifgenbachtal von der Quelle am Rattenberg in Wermelskirchen bis zur Mündung in die Dhünn entlang. Dieses Tal ist bis auf wenige Mühlen unbebaut und naturbelassen. Landschaftlich und auch was die Wegeführung angeht einer der schönsten Abschnitte bis jetzt. Weiser Weise (klingt das nicht gut!) haben wir ein Vesper dabei, da natürlich alle Einkehrmöglichkeiten geschlossen haben.
Zur besten Kaffeezeit kommen wir in Altenberg an und wollen eine Kleinigkeit im Küchenhof trinken und essen (man beachte die Reihenfolge!). Nach der intensiven Eingangskontrolle mit Inaugenscheinnahme und Zettel ausfüllen bekommen wir eine Platz im Innenhof. Nachfolgende Personen müssen teilweise wesentlich länger warten. Andere Gäste beschweren sich völlig unverständlicher Weise schon nach einer viertel Stunde, weil sie noch keine Speisekarte haben. Wir haben unsere Wanderung geschafft und sind geduldig. Der Kellner rennt wie wild zwischen den Tischen und zwei Handlanger, die nichts selbständig machen dürfen, stehen mehr oder weniger rum. Hin- und Rückweg sind zwei getrennte Vorgänge und es hat sich wohl jeder zu unterstehen bei einem Weg etwas zu den Tischen zu bringen und dann gleich gebrauchtes Geschirr oder Gläser wieder mit zu nehmen. Da gibt es sicherlich eine mir unbekannte und nur für dieses Lokal geltende Corona-Vorschrift. Genauso „entspannt“ war die Atmosphäre im Küchenhof. Nur bei uns war sie gut, wir haben ja das meiste hinter uns.
Die Besichtigung des Doms in Altenberg steht noch auf dem Programm. Dem Dom angeschlossen war ein Kloster, aber in unmittelbarer Nähe ist weder eine Stadt noch ein Dorf. Das Kloster mit dem Dom wurde unter Napoleon säkularisiert. Ich gehe davon aus, dass alle Schätze bei Seite geschafft wurden, bzw. zu Gunsten der französischen Staatskasse versteigert wurden. Später wurde das Kloster verkauft und eine chemische Fabrik zur Herstellung von Berliner Blau installiert. 1815 gab es eine Explosion und viele Nebengebäude und das Dach vom Dom kamen zu Schaden. In der Folge verfiel der Dom.
König Friedrich Willhelm III. von Preußen unterstützte den Wiederaufbau unter der Auflage, dass der Dom in gleicher Weise sowohl von den Katholiken als auch von der Evangelischen Kirche genutzt werden. 1857 fand wieder der erste Gottesdienst statt. An den heutigen Gebäuden läßt sich ablesen, dass die Ökomene (damals Simultankirche genannt) auch heute noch zumindest äußerlich funktioniert. Als Folge wirkt der Dom innerlich eher schlicht, was jedoch den Vorteil hat, dass die Kostruktion und die Strukturen deutlich abzulesen sind.
Wir gehen dann weiter zu meinem Hotel (ca. 500 m) und trinken zur Vorbereitung des Abendessens erst mal eine Flasche Wein. Hierbei wird mir immer klarer, dass Wilfried mit seinen Angaben der Kilometer bei seinen Golfrunden doch untertrieben hat. Er hat die fast 30 km und 400 Höhenmeter ohne irgendwelche Ermüdungserscheinungen überstanden. Die einzige plausible Erklärung meinerseits ist, dass er normalerweise viel länger die Bälle (natürlich der anderen) sucht und seine Kilometerleistungen wesentlich höher sind. Wie es mit seinen Ermüdungserscheinungen auf der Rückfahrt natürlich als Beifahrer ausgesehen hat, wird für immer ein Geheimnis bleiben.

Entfernung
Etappe – 29,4 km
Gesamt – 1.659,8 km

Höhenmeter
Etappe – 409 m
Gesamt – 13.828 m