Etappe 49 – Von Widdig nach Rhöndorf – 36,4 km

Früh morgens geht es den Rhein entlang nach Bonn, unsere ehemaligen Bundeshauptstadt. Der Marktplatz wird jetzt vermehrt für die Gastronomie genutzt, wo früher irgendwelche Politiker von der Treppe herunter gewunken haben. Der Platz wurde fürs Publikum benötigt, so dass die Außengastronomie sehr eingeschränkt war. Die Rheinseite wird zum zweiten Mal gewechselt nach Bonn-Beuel. Endlich nicht mehr eben und ab ins Siebengebirge. Die Anstiege sind kräftig, aber zu so einem geschichtsträchtigen Punkt wie den Petersberg kann ich mich auch mal ein bisschen anstrengen. Der Abschnitt endet in den Früchten des Klosters Heisterbach, nämlich dem Wein.



Widdig – Bonn – Beuel – Oberwinter – Oberdollendorf – Petersberg – Rhöndorf

Die nächsten Tage soll es besonders heiß werden, was besondere Maßnahmen verlangt. Ich habe heute in Bonn übernachtet, da ich gestern noch mit zwei netten Menschen, die ich lange nicht gesehen habe, Abendessen war. Deshalb ist der letzte Blog auch etwas kürzer. Jetzt geht es vor dem Frühstück zurück nach Widdig, um am Rhein weiter laufen zu können. Widdig scheint niemand zu kennen, auch mein Hotelier nicht. So eine Frühstimmung morgens um 6.00 Uhr hat etwas. Selbst die Hundebesitzer sind noch nicht unterwegs. Nur die Berufspendler mit dem Fahrrad bevölkern den Weg. Ein paar Jogger sind auch schon unterwegs. Ein jüngerer Herr so um die 20 joggt an mir vorbei, aber sein Abstand wird nicht größer. Er dreht sich nach ein paar hundert Meter um und sieht mich immer noch unmittelbar hinter sich. Er beschleunigt dann etwas, aber ein paar hundert Meter später habe ich ihn dann fast wieder. Da ich ihn nicht frustrieren möchte, bleibe ich halt stehen und mache eine photographische Aufnahme. So jetzt haben wir wieder Distanz.

Zurück im Hotel Löhndorf gehts erst mal zum Frühstücken. Nach absolvierten 13,5 km schmeckt es auf einer kleinen Terrasse zum Innenhof hervorragend. Die Marmelade schmeckt nicht nur nach Erdbeern, sondern es sind deutlich sichtbar auch welche drin. Ich esse das doppelte wie sonst.

Danach geht es weiter, über die Rheinbrücke nach Beuel, die Sonnenseite von Bonn, wie die Beueler (?) zu sagen pflegen. Die Rheinschiffe flußaufwärts haben schwer zu kämpfen. Ein mit Containern beladenes Schiff fährt maximal einen km/h schneller als ich laufe. „Last“ habe ich auch auf dem Rücken. Der Unterschied zwischen uns beiden ist nur, dass ich nach zwei Stunden eine Pause benötige, das Schiff wahrscheinlich 24 Stunden durchfährt. Vor mir sehe ich flussaufwärts gleichzeitig sieben Schiffe, die sich auch noch überholen. Deutsche Binnenschifffahrt ist zu mehr als 80 % Rheinschifffahrt. So viele Schiffe, wie ich hier auf einmal sehe, habe ich auf der Elbe (nach Hamburg) insgesamt nicht fahren gesehen. Die Fähren müssen Lücken zwischen den einzelnen Schiffen abwarten, um zu queren. Dies lässt sich herrlich vom Petersberg aus betrachten.

In Oberdollendorf gehts dann aufwärts über das Kloster Heisterbach zum Petersberg. Leider sind von der Klosterabtei nur noch ein paar Mauerreste vorhanden. Nach seiner Erbauung war es der zweit größte Sakralbau nach dem Kölner Dom. Die Bedeutung des Klosters kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Was das Kloster Eberbach für die Verbreitung des Weinbaus im Rheingau war das Kloster Heiterbach für den Mittelrhein 😄. Die Kultur kam über die Mönche. Schön, dass es auch Mönche gab, für die Arbeiten und Beten nicht alles war. Nach der Säkularisation im Jahre 1803 wurde das Kloster verkauft. Die Steine der Kirche wurden zum Bau eines Kanals und für die Feste Ehrenbreitstein verwendet (da komm ich noch hin). Das Schicksal ist ähnlich wie beim Altenberger Dom (Etappe 47), nur dass sich hier kein Gönner für den späteren Wiederaufbau gefunden hat. Heute wäre dies unvorstellbar.

In der Klosterschänke, die sogar geöffnet ist, kann ich Mittags essen und trinken. Zwei Herren am Nebentisch tauschen sich über ihre persönlichen und ihre Eheprobleme aus. Bei so viel philosophischem Tiefgang wie die beiden an Tage legen, musst du einfach Probleme haben. Wenn ich jede Handlung und jedes Verhalten hinterfrage, wo bleibt dann einfach die Leichtigkeit und Freude. Sie haben sich ausschließlich mit der Vergangenheit und mit keiner Silbe mit der Zukunft beschäftigt. Ich hätte es mit dem einen von den Beiden, der mit den Eheproblemen, auch nicht lange ausgehalten.

Auch der Ober hat so seine Probleme mit den Gästen. Drei ältere Dame setzen sich an einen Tisch, fühlen sich dann durch Wespen gestört, stehen wieder auf und wollen in den Innenraum zum Essen. Er muss natürlich den Tisch nochmal neu desinfizieren und sagt laut und vernehmlich: und innen setzten sie sich auch noch zweimal um. Die Damen sind leicht pikierte. Eigentlich ist die Haltung beider verständlich, aber unvereinbar. Schön, wenn man dem entspannt zuschauen kann.

Der Petersberg, einst das Gästehaus der Bundesregierung, ist heute ein Grand-Hotel mit einem gehobenen Biergarten. Ich genieße hier nur den Blick und wandere weiter zum Schloss Drachenburg. Das Schoss wurde im Stile des Historismus von 1882 bis 1884 erstellt. In dieser Zeit wurden mehrere burgartige Gebäude, wie auch die Burg Hohenzollern errichtet. Gegen eine kleine Gebühr von 7 € darf das Schloss besichtigt werden. Es ist ein bunter Mix der unterschiedlichen Besitzer. Die wechselhafte Geschichte der Besitzer zeigt, wie schwierig und aufwändig die sinnvolle Nutzung so eines Anwesens ist. Es braucht immer wieder dazwischen einen Liebhaber, der es wieder Instand setzt. Die 7€ sind hoffentlich gut für den Erhalt der Burg investiert.

Das Ziel heute ist Rhöndorf, ein Stadtteil von Bad Honnef. Übrigens bin ich schon ein Weilchen in Rheinland-Pfalz. Hier habe ich mir ein Hotel „Weinhaus Hoff“ ausgesucht. Dieses klingt zumindest nach gutem Wein. Leider hat die zugehörige Gastronomie Betriebsferien. Die Empfehlung der Rezeption ist wahrscheinlich besser als das eigene Haus. Ich sitze in einem anderen „Weinhau im Turm“ in einem mehrere Hektar großen Park. Das Essen ist gehoben. Leider gibt es den besseren hauseigenen Wein nur in Flaschen. Opfer muss man einfach von Zeit zu Zeit bringen. Am Nachbartisch kann ich beobachten, dass manche noch opferbereiter sind. Die Frau bestellt erst ein Wasser, der Mann ein Pils und dann noch eines. Dazu bestellen sie noch eine Flasche Weißwein. Wie ich nachher mitbekomme, ist diese nur für die Frau. Er bestellt sich nämlich noch eine Flasche Rotwein. Alle Achtung, aber er kämpft auch in einer ganz anderen Liga, nämlich in der 110 kg Klasse. Nach dem letzten Glas bin ich froh, dass der Blog fertig und ich nur noch die Bilder einfügen muss. Also sorry, wenn da etwas schief geht!


Entfernung

Etappe – 36,4 km

Gesamt – 1.735,1km

Höhenmeter

Etappe – 584 m

Gesamt – 14.623 m