Etappe 53 – Von Rhens nach St. Goar – 28,3 km

Heute stehen die spektakulären Aussichten auf den Rhein auf dem Programm. Leider sind diese nur von besonders hohen Punkten möglich. Also heißt es auf- und abwärts. Vor allem der Blick auf die Rheinschleife beeindruckt. Die drückende Schwüle setzt zu, entweder beim Aufstieg oder ohne Schatten am Rhein entlang. Mehrmals am Tag richtig durchschwitzen ist garantiert.



Rhens – Boppard – Bad Salzig – Fellen – St. Goar

Die Rheinschlaufe bei Spey kürze ich heute ab, in dem ich über den Buckel laufe. Ob dies wirklich eine Erleichterung ist, wird sich noch heraus stellen. In Spey kenne ich Dank Hans, meinem Weinfreund, einen sehr gutes Wingut, von dem ich noch zwei Fläschen im Keller habe. Es heißt Weingarten und ist seine Verwandtschaft. Schön, wer so eine Verwandtschaft hat. Für mich wäre es eher einer Selbstkasteiung gleichkommend, da vorbeizulaufen und nichts zu trinken. also über den Berg, um überhaupt nicht in Versuchung zu kommen.

Egal ob RheinBurgenWeg oder RheinSteig, beide sind immer mit sehr viel Höhenmeter und vergleichsweise wenig Rheinkilometer bei doch erklecklichen Streckenkilometern verbunden. Je nach Etappe kann man eine bis maximal zwei Etappen pro Tag bewältigen. Ein Stück Rhein entlang ist dann bei mir immer auch dabei, um auch voranzukommen.

Also erst mal hoch und hoch und hoch. Es ist schon morgens drückend. Oben gibt es dafür herrliche Ausblicke. Ein bekannter ist der Vier Seen Blick. Es sind zwar keine vier Seen, sondern vier Abschnitte des Rheins, der aber dazwischen immer durch Berge in der Sicht unterbrochen ist. Unterwegs habe ich noch zwei Wanderer aufgegabelt, die ein Lokal um was zu trinken gesucht haben. Beim Vier Seen Blick ist natürlich ein Lokal. Es scheint noch nicht offen zu sein, aber der Wirt ist draußen. Der eine Wanderer fragt, wenn er denn aufmacht. Die Antwort des Wirts: später. Der Worte sind genug gewechselt und in 200 Meter ist das nächste Lokal, der Gedionsblick. Dies macht wie angeschrieben um 10.00 Uhr auf und ich lasse zwei glückliche Mitwanderer zurück. Der Gedionsblick ist noch viel spektakulärer, da ich von dort eine ganze Rheinschleife sehe (siehe Bild). Dann geht es nochmal 200 m bis zur Sesselbahn.

Bergab nehme ich die bequeme Variante mit einer alten Sesselbahn. Ich bin wohl der erste Fahrgast und dann noch abwärts. Zahlen soll ich bitte unten. Mach ich doch gerne. Im letzten Drittel kommen mir die ersten besetzten Sessel entgegen. Ich schaue auf die Schuhe und weiß, dass manche nicht weiter kommen als zu den beiden Aussichtspunkten bzw. Wirtschaften. Wobei es doch erstaunlich ist, wie weit manche mit Badelatschen laufen können.

Unten in Boppard laufe ich durch den Ort und am Marktplatz gibt es viele offene Lokale und Cafés. Aber noch vor 11.00 Uhr möchte ich noch nichts essen oder trinken. Dies nicht zu tun verstößt gegen meine eigene Gesetze, jede Gelegenheit wahr zu nehmen. In einer Ferienregion dürfte es jedoch kein Problem sein, Essen und Trinken zu bekommen. Am Ende von Boppard gehts dann wieder hinauf. Hier gibt es schöne, aber nicht ganz so spektakuläre Aussichten. Es geht hinunter nach Bad Salzig. Hier rächt sich mein Leichtsinn. Alle Lokale geschlossen oder Ruhetag. Bei einem Bäcker gibts wenigstens kalte Getränke.

Nun gehe ich dem Rhein entlang, was in diesem Abschnitt gleichbedeutend mit entlang der B9 ist. Dies bedeutet auch am frühen Nachmittag bei 33 Grad im Schatten, aber Schatten ist nirgends, drückende Schwüle. Völlig überraschend kommt die Rettung in St. Goar-Fellen. Hier gibt es ein Weinhotel Landsknecht und dies hat nicht nur offen, sondern ich bekomme sogar was zum Essen. Eigentlich ist dies ein Winzer, der sich ein Hotel angebaut hat. Auf Winzer als gastfreundliche Menschen ist halt Verlass. Der reinen Höflichkeit wegen trinke ich dazu ein Glas Wein selbstverständlich aus eigenem Anbau. Ich weiß ja was sich gehört.

Ich kann mal wieder dem Gespräch am Nebentisch lauschen. Ein Ehepaar so in meinem Alter setzt sich und möchte Kaffee trinken. Dann geht das Gespräch darum, wo sie sich gerade befinden. Der Herr ist für die Mosel, die Dame für den Rhein. Sie lässt sich verunsichern und schaut nach. Nach was fahren die Auto?

Den kurzen Weg nach St. Goar zur Burg Rheinfels schaffe ich noch frisch gestärkt und komme jedoch oben mal wieder nass an. Auf der anderen Rheinseite kann ich die Burgen Katz und Maus von der Burg Rheinfels sehen. Es sind zwei etwa 5 km von einander getrennte Burgen und sie heißen wirklich so.


Entfernung

Etappe – 28,3 km

Gesamt – 1.858,9 km

Höhenmeter

Etappe – 628 m

Gesamt – 16.305 m