Heute ist der letzte Tag im Rheingau. Dazwischen geht es zwei Mal über die Brücke zu einem Besuch in Mainz. Hier wird die Rebentour kurz unterbrochen, bevor es auf der anderen Seite wieder weiter geht. Ein Kuriosum ist der Stadtteil Mainz-Kastel am rechten Rheinufer. Nein, es ist kein Stadtteil von Mainz, sondern von Wiesbaden. Die Brücke verbindet jedoch die Kastelaner mehr mit Mainz.

Ampel auf Mainzer Art 
Dom zu Mainz 
Sanierte Autobahnbrücke der A 671 bei Hochheim
Kiedrich – Eltville – Walluf – Schierstein – Mombach – Mainz – Kastel – Hochheim
Der Tag hat mit einem kräftigen Gewitter zum Frühstück angefangen. Erst gehts noch durch das Dorf Kiedrich, bevor es nach Eltville runter an den Rhein geht. Nachdem, was ich gestern alles hoch gegangen bin, geht es verdammt flach nach Eltville. Das ganze Rheingau scheint nur vom Tourismus und Weinbau zu leben und das nicht schlecht. Nur in Eltville, der größten Stadt im Rheingau, gibt es auch erwähnenswerte Industrieansiedlungen.
Nach dem Gewitter ist es noch angenehm frisch und der Boden noch feucht. In einer Stunde wird das meiste schon wieder trocken sein. Selbst in Mainz ist das Gewitter noch Gesprächsstoff. Geplant habe ich mit der Fähre von Walluf nach Budenheim über zu wechseln. Das Schiff ist auf der anderen Seite. Nach einer viertel Stunde liegt das Schiff immer noch und ich schau mal am Fähranleger nach. Das Schiff verkehrt nur Sonn- und Feiertags. Also weiter am Ufer entlang, vorbei einem großen Yachthafen und dann über die Schiersteiner Brücke, sehr bekannt aus dem Radio. Sie war kurzfristig ganz gesperrt, längere Zeit für den LKW-Verkehr. Die Brücke wird derzeit noch fleißig renoviert. Wenn ich durch Mainz laufe muss ich nach Mombach. Dies ist der Stadtteil, in dem die Narren wohl besonders los sind. Mainz bleibt Mainz kommt doch so weit ich weiß aus Mombach oder Gonsenheim. Narren habe ich keine gesehen, aber ein paar lustige Rentner beim Essen. Ja, zu Essen habe ich hier auch was bekommen. Heute mal ein Kroate und es sitzen nur „alte“ Mombacher drin, man kennt sich. Pünktlich fängt es an zu regnen. Da heißt es zusammenrücken unter den Sonnenschirmen.
Größere Städte haben es so an sich, dass auch die Vorstädte und Industrieanlagen überwunden werden müssen. Die Namen sind bekannt mit Schott und Frosch (sogar mit Fabrikverkauf), aber die Anlagen macht es nicht schöner. Der alte Hafen wird gerade mit Wohn- und Geschäftshäusern zugepflastert. Ich habe öfter die Straßenseite wechseln müssen und warte immer, bis es grün wird. Eine junge Dame fällt mir auf, die bei grün über die Straße geht und ihr Handy die ganze Zeit auf die Ampel richtet. Erst danach nehme ich überhaupt wahr, dass es hier die Mainzelmännchen als Symbol in den Fußgängerampeln gibt. Vieles funktioniert automatisch und im Unterbewusstsein.
In Mainz gibt es als alter Bischofsitz und Residenzstadt sowie als Landeshauptstadt eine Vielzahl von sehenswerten alten und neueren Gebäuden. Markant ist die rote Farbe wie am Dom. Bis ich den Eingang gefunden habe, muss ich ihn fast umrunden. Er ist von zwei Seiten dicht umbaut. Mainz hat sicher mehr verdient, als die paar Stunden.
Beim Gang über die Brücke von Mainz nach Mainz-Kastel wird mir ein Kuriosum vor Augen geführt. Auf dem Ortsschild steht: Landeshauptstadt Wiesbaden Stadtteil Mainz-Kastel. Nach dem zweiten Weltkrieg haben die Alliierten ihre Gebiete aufgeteilt. Die Rücksicht auf bestehende Strukturen war begrenzt. Der Rhein war die Grenze, rechtsrheinisch war amerikanischer Bereich und ist heute Hessen, Mainz war französische Zone und somit heute Rheinland-Pfalz. Alle rechtsrheinische Stadtteile gehören nun zu Wiesbaden, aber drei haben den Zusatz Mainz- im Namen beibehalten. Bei Mainz bleibt Mainz ist dies immer wieder mehr oder weniger unterschwellig Thema. Von Kastel nach Mainz ist der Weg über die Brücke, in die Innenstadt von Wiesbaden sind es 10 km.
Kurz vor Hochheim muss ich noch eine Autobahn, die A 671 unterqueren. Nach dem Debakel bei der Niersteiner Brücke sind sie hier sehr bemüht, ihre Brücken zu sanieren. Das Bild zeigt die brutale Weise. Dies auf dem Bild ist kein Provisorium, sondern der Endzustand. Glücklich die darüber fahren und nicht unten durch müssen.
Das Hotel in Hochheim habe ich deshalb ausgesucht, weil es ein Restaurant dabei haben, welches heute kein Ruhetag hat. Leider ab 01.08. wegen Umbauarbeiten geschlossen. Die Fensterläden sind zu, von Umbauarbeiten keine Spur. Mir wird als Ersatz 3 Italiener und ein Grieche empfohlen. Zusätzlich bekomme ich noch ein Prospekt mit Straußenwirtschaften (auf schwäbisch: Bäsa). Die meisten haben nur Freitag, Samstag und Sonntag offen, der Einfall der Frankfurter. Eine habe ich doch noch gefunden, die hat glücklicherweise Samstag und Sonntag geschlossen🙂. Tisch ist schwierig, da dass Lokal brechend voll ist (warum nur?) und ich als Einzelperson natürlich in Corana-Zeiten einen ganzen Tisch belege. Ich bekomme noch den letzten Tisch im hinteren Eck (warm, ohne Luftzug), der noch auf dem Weg zur Toilette liegt. Dies animiert mich natürlich zu einer Corona Studie. Die Regel ist ganz einfach, je älter desto weniger Maske. Dies gilt nicht nur für den Weg zur Toilette, sondern ebenfalls bei Bewegungen im Lokal. Die jüngeren und die mittelalten haben meist eine Maske auf. Aber was ist zu erwarten, wenn der Wirt neues Desinfektionsmittel ohne Maske aus dem Lager holt und dazu durchs Lokal laufen muss? Sagen hilft nichts, dann sprechen sie ja einen noch an!

Entfernung
Etappe – 32,8 km
Gesamt – 1.931,5 km

Höhenmeter
Etappe – 113 m
Gesamt – 17.888 m