Heute geht es richtig in den Odenwald hinein. Vorne an der Hessischen Bergstraße ist das harte Vulkangestein, was zu steilen Hängen und tiefen Tälern führt, dahinter dominieren die Sedimentgesteine, was zu einer hügeligen, aber „milderen“ Landschaft führt. Aber es geht nie eben, sondern laufend auf und ab, wie ich es auch schon im Bergischen Land hatte. Es heißt zwar Odenwald, aber nach der ersten Hügelkette dominieren die Wiesen und Felder. Es ist fast schon eine mystische Stimmung, wenn nach dem Regen die Nebel aufsteigen.

Vergessene Orte 
„Felsenmeer“ für das Leben danach 
Rathaus von Michelstadt
Bensheim – Elmshausen – Lautertal – Gadernheim – Reichelsheim – Beerfurth – Michelstadt
Morgens beim Aufstehen höre ich schon das Plätschern des Regens. Also erst mal in der App nachschauen, wann es besser wird. Um 8.40 Uhr nach dem größten Schauer laufe ich los. Die ältere Dame gestern Abend hat mich überzeugt, so dass ich meine Route angepasst habe. Sie ist hier einheimisch und muss sich also auskennen. Sie musste ja viel raus, da sie immer einen Hund hatte, also zu der Kategorie Leute gehört, der ich immer morgens begegne.
Die Höhendifferenz von gestern muss ich korrigieren. Meine Uhr hat 860 m gemessen, das Gerät von Herrn Kluge weit über 1.000 m. Er kann dies am Rechner noch kalibrieren, so dass es wohl tatsächlich 1.136 m, also über 30 % mehr waren. Bei steilen Strecken wie z.B. bei der Loreley habe ich den Fehler auch schon festgestellt. Heute bleib ich bei den ausgewiesenen Höhenmetern, da ich nicht weiß, wie groß der Fehler ist.
Von Bensheim geht es steil bergauf, bis der erste Kamm erreicht ist. Herr Kluge hat mir gestern erläutert, dass am Rande vor allem hartes Vulkangestein, überwiegend Granit ist, weiter innen dann die Sedimentgesteine kommen, die zu einer sanfteren Landschaft führen. Seinen Namen hat sich Herr Kluge wohl zu Recht verdient.
Wenn ich von der ersten Hügelkette absehe, die vor allem mit Reben und Wald bepflanzt ist, überwiegen doch im Inneren die Freiflächen. Die sanfte Hügellandschaft bildet sich so besser ab. Wie im Bergischen Land bedeutet dies, dass es eigentlich keine ebenen Strecken gibt. Entweder geht es auf oder ab. Da kommen über den Tag doch einige Höhenmeter zusammen.
In Lautertal ist das Felsenmeer wohl eine der größten Sehenswürdigkeiten im Odenwald. Ich weiß zwar nicht wie genau es dort aussieht, stell es mir aber wie den Bryce Canyon in klein vor. Das Felsenmeer sollte man sich unbedingt anschauen, aber nicht sonntags, wie mir die ältere Dame gestern Abend verraten hat. Mein Felsenmeer habe ich am Wegesrand gefunden. Es dient jedoch für die letzte Ruhe. (Siehe Bild)
Wenn ich neben der Landschaft die Gegend hier anschaue, sind die beiden Fahrzeuge (siehe Bild) symbolisch dafür. Die kleinen Ortschaften wirken doch teilweise vergessen. Michelbach ist da wieder anders. Es gibt sogar zwei Hochhäuser. Die Innenstadt ist auch abends noch mit Touristen gefüllt. Das bekannteste Bauwerk ist sicher das Postkartenrathaus in der Stadtmitte. Der Abschluss findet heute in einer Kleinbrauerei statt. Bier gut, Essengut, Patient müde!

Entfernung
Etappe – 39,1 km
Gesamt – 2.078,3 km

Höhenmeter
Etappe – 984 m
Gesamt – 20.349 m