Etappe 62 – Von Gammelsbach nach Guttenbach – 26,0 km

Dies ist das erste Mal auf der Wanderung, dass ich morgens im Nebel aufwache. Von der letzten Bäckerei in Hessen ist es nicht weit bis zur Grenze nach Baden-Württemberg. Über der Grenze sieht der Odenwald auch nicht anders aus. Genauso steil wie es in der Hessischen Bergstraße nach oben geht, geht es jetzt nach unten. Ab jetzt geht es den Neckar aufwärts Richtung Stuttgart.



Gammelsbach – Eberbach – Rockenau – Guttenbach

Nachdem es gestern Abend und heute Nacht wieder geregnet hat, herrscht Nebel im Tal vor. Diese Gegend hat man früher wegen der härteren Wetterbedingungen und der Rückständigkeit auch Badisch-Sibirien genannt. Um ins Tal nach Eberbach zu kommen, müssen wir erst ins nächste Tal. Dies bedeutet erst mal einen Bergrücken zu überwinden. Wieder gehts erst mal ständig bergauf. Langsam lichtet sich der Nebel, und meine Frau kann sich bestens ausmalen, wie bei so einem Wetter Geschichten und Sagen zustande kommen. Auf der anderen Seite gehts hinab nach Eberbach, am Ende im Zick-Zack-Weg. In Eberbach steht der höchste Baum Deutschlands, eine 63,50 Meter hohe Douglasie. Ich habe den Baum vor lauter Wäldern nicht gesehen.

Eberbach ist als Verwaltungseinheit sehr schwierig. Erstmal gibt es Stadtgebiete auf beiden Neckarseiten. Das Stadtgebiet auf der rechten Seite ist durch ein Stück Hessen geteilt, welches sich dazwischen bis an den Neckar schiebt. Zudem gibt es Stadtteile, in denen die Grenze zwischen Hessen und Baden-Württemberg mittendurch geht. Dies ganze Konstrukt sinnvoll zu verwalten, ist, glaube ich, eine schwierige Aufgabe. Es gibt sicher Dutzende Staatsverträge alleine wegen Eberbach.

Eberbach hat einen historischen Stadtkern mit noch vier Wehrtürmen. Fast die ganze Altstadt ist Fußgängerzone. Anlieger dürfen bis 11.00 Uhr hereinfahren, und so sieht es auch aus. Überall parken Autos. Ob die um 11.00 Uhr alle weg sind? Es sind eine Vielzahl von historischen Gebäuden vorhanden, da während des Weltkrieges nur ca. 20 % zerstört wurden. Besonders ist an einigen Gebäuden Sgrafitto-Malerei, z.B. am Hotel Karpfen (siehe Bild). Wie allgemein bekannt, handelt es sich um eine Putztechnik, bei der verschiedene Schichten abgekratzt werden.

Die Läden sind über die Innenstadt verteilt, schlendern und schauen ist dann schwierig. Auch Wirtschaften sind genügend vorhanden, jedoch bis auf ein Eiscafé, welches dafür brechend voll ist, geschlossen. Bedarf scheint doch wohl vorhanden zu sein. Also nichts mit kurz noch was einwerfen und trinken. Wir wechseln die Neckarseite und laufen den Fluss entlang. Schon in der ersten Stunde habe ich mehr Schiffe gesehen als auf der Elbe, aber natürlich nicht vergleichbar mit dem Rhein.

Das Problem des Neckars sind die vielen Schleusen. Die erste kommt schon in Rockenau. Der Neckar scheint gut gefüllt zu sein, da das Wehr überläuft. Nur am Neckar entlang laufen ist langweilig, und es sind auch viele Radfahrer auf dem Neckarradweg unterwegs. Also gehts wieder auf die Höhen, wo es besonders interessant ist. Als erstes auf dem Weg liegt die Ruine Stolzeneck. Eine Besichtigung ist leider nicht möglich, da die Gefahr von Steinschlag besteht. Also über Kilometer weiter langsam aber stetig aufwärts. Endlich oben angekommen, können wir noch auf einer Holzliege ausruhen, nur die Bienen fliegen laufend um einen herum. Beim Gehen sehen wir, dass die Bienenstöcke keine 10 Meter von uns entfernt im Wald stehen. Wir versuchen es bei der zweiten Ruine, der Minneburg. Auch diese ist wegen Steinschlag abgesperrt. Ob wir noch den Versuch bei weiteren Ruinen machen, wird wohl von den Steigungen abhängen. Übernachtet wird dieses Mal am Neckar bei der Verwandtschaft. Es ist doch schön, wenn ich die Wanderung gleich für einen lieben Besuch nutzen kann.


Entfernung

Etappe – 26,0 km

Gesamt – 2.130,9 km

Höhenmeter

Etappe – 570 m

Gesamt – 21.490 m