Etappe 63 – Von Guttenbach nach Bad Wimpfen – 30,1 km

Wir sind im Burgenland. Eine Vielzahl von Ruinen und Burgen säumt unseren Wanderweg. Leider sind die meisten entweder privat oder gesperrt. So langsam nimmt die Industrie am Horizont zu. Heute ist jedoch erst Landschaft angesagt, mit der Magarethenschlucht sogar sehr intensiv. Der Tag endet standesgemäß in der Kaiserpfalz Bad Wimpfen.



Guttenbach – Binau – Diedesheim – Neckarelz – Neckarzimmern – Gundelsheim – Heinsheim – Bad Wimpfen

Guttenbach ist ein kleiner Weiler, wenn man so möchte, auf der falschen Neckarseite. Auf der anderen Seite befinden sich die Bundesstraße und die Bahnstrecke. Früher, als ich noch Jugendlicher war, gab es als Verbindung nur ein kleines Boot als Personenfähre und weiter flussabwärts eine Autofähre auf die andere Seite. Der Weg zur Schule oder zur Arbeit begann mit einer Bootsfahrt, mit Ausnahme bei Hochwasser oder Eisgang. Hochwasser waren weitaus häufiger als heute. Die nächste Brücke war in Obrigheim auf der einen Seite und in Eberbach auf der anderen, über die wir gestern gegangen sind. Beide Brücken sind 10 bis 15 km entfernt. Das Dorfleben musste funktionieren und man hat sich gegenseitig geholfen. Es gab noch einen Dorfladen für die täglichen Einkäufe, eine Wirtschaft als Treffpunkt und ein funktionierendes Vereinsleben. Nachmittags trafen sich die Alten bei der Bank an der Personenfähre. Mit dem Bau der Brücke hat sich schon einiges geändert. Der Discounter ist nun in 10 Minuten auch mit dem Fahrrad zu erreichen, ein Neubaugebiet wurde erschlossen (war billiger als die andere Seite und nicht so steil), Laden und Wirtschaft sind weg. Jetzt ist das Vereinsleben auch zur Integration der Zugezogenen sehr wichtig. Die Beschaulichkeit ist etwas verflogen, ich glaube aber nur Nostalgiker wünschen sich die alte Zeit zurück. Es gab auch im Westen und gibt sie wahrscheinlich immer noch vergessene Ecken. Die Leute arrangieren sich damit oder ziehen weg.

Zuerst geht der morgendliche Marsch den Neckar weiter aufwärts bis zur Schleuse Guttenbach, wo wir die Seite wechseln. Der Weg führt ein kleines Stück zurück, weil wir unbedingt die Magarethenschlucht erklimmen möchten. Der Bach verliert auf 300 m Länge 110 Höhenmeter. Viele Stellen sind mit Seilen gesichert, weil hier schon einige Unfälle geschehen sind. Ich möchte gar nicht wissen, mit welchem Schuhwerk die Schlucht vor allem sonntags erklommen wird. Ein besonderes Erlebnis ist die Wanderung, wenn der Bach auch Wasser führt. Dann kann man den höchsten Wasserfalls des Odenwalds mit 10 Metern betrachten. Da wir mehrfach das Flussbett queren müssen, stelle ich mir dies ganz „spannend“ vor, vor allem mit Espandrillas. Der Aufstieg soll ja nicht nur wegen der Schlucht sein, sondern wir nutzen die Höhe gleich zur Abkürzung der Binauer Schleife. Es ist einer von heute vier Aufstiegen.

Der nächste Ort liegt wieder am Neckar, Diedesheim. Bei einem Italiener gibt es was zu trinken und eine Kleinigkeit zu essen. Die Wespen vertreibt er effektiv mit dem Abbrennen von Kaffeesatz! Auf der anderen Flussseite liegt Obrigheim mit einem der ersten Atomkraftwerke Deutschlands. Es wurde deshalb 2005 auch stillgelegt und der Rückbau ist seither in Gange.

Der nächste Aufstieg ist zur Abkürzung der Gundelsheimer Schleife erforderlich. Die Temperaturen sind schon wesentlich höher, die Steilheit etwas geringer, aber immer noch anspruchsvoll. Gundelsheim ist eine alte Deutschordenritterstadt (was für ein schönes Wort!). Der Sitz wurde wegen der Bauernaufstände dann nach Bad Mergentheim verlegt. Uns hat mehr etwas zu trinken interessiert. Auf der Terrasse des Café Schell sind wir die ersten. Wir haben so eine große Anziehung, dass sich innerhalb von 10 Minuten die ganze Terrasse füllt. Besonders aufgefallen sind sechs selbstbewusste Bayern (mia san mia), die gleich angefangen haben, in der Corona-Zeit die Tische umzustellen. Leider sind die Tische bereits reserviert, was ihnen von der doch eher spröden Bedienung unmissverständlich klar gemacht wird. Die Erwiderungen werden sofort niedergebügelt, so dass die Bayern wieder abziehen. Auch die Bayern sind zu schlagen, vielleicht nicht in der Champions-Leage, aber durch eine resolute Dame jederzeit. Übrigens sind wir bei einem der bekanntesten Chocolatiers Deutschland. Das Pralineneis ist ein Traum. Leider nur nichts für Bayern.

Der dritte Aufstieg ist ein ausdrücklicher Wunsch meiner Frau. Sie will einfach mal ein paar Meter im Schatten laufen. Wenn sie in Schwung ist, traue ich mich nicht sie einzubremsen . Die Ruine, an der wir vorbeikommen, ist leider wegen Einsturz mal wieder gesperrt. Ruinen sind für mich ab jetzt tabu.

Der letzte Aufstieg geht zu unserem heutigen Ziel. Bad Wimpfen besteht aus den drei Stadtteilen Bad Wimpfen am Berg, Bad Wimpfen im Tal und Hohenstadt. Während Hohenstadt landwirtschaftlich geprägt ist, liegt in Bad Wimpfen im Tal der Schwerpunkt auf Industrie und Gewerbe. In der unter Denkmalschutz stehenden Talstadt befindet sich die Ritterstiftskirche mit dem Kloster Bad Wimpfen. Touristisch besonders attraktiv ist Bad Wimpfen am Berg mit der staufischen Kaiserpfalz und der historischen Altstadt. Für den Wanderer bedeutet das allerdings am Ende des Tages noch einmal einen längeren Anstieg.


Entfernung

Etappe – 30,1 km

Gesamt – 2.161,0 km

Höhenmeter

Etappe – 564 m

Gesamt – 22.054 m