Das Neckartal haben wir verlassen und laufen rüber ins Bottwartal. Im Tal gibt es viele Weinberge, die an den Hügeln eine eigene Form haben. Oben stehen wie Hauben die Bäume. Es sieht aus wie ein Kopf mit Irokesenschnitt. Das Tal gehört schon zum Einzugsgebiet von Stuttgart, was an den vielen Schlafstätten sichtbar wird. Endpunkt ist die Altstadt von Marbach, der Geburtsort von Friedrich Schiller.

Wasserbüffel vor Schlammkuhle im Bottwartal 
Schillers Geburtstag (in der Mitte) 
Kohlfelder als Farbspiel
Talheim – Schozach – Ilsfeld – Großbottwar – Kleinbottwar – Steinheim – Murr – Marbach
Die Route habe ich kurzfristig abgewandelt. Die Neckarschleifen von Lauffen bis nach Besigheim gehören zu den schönen Neckarabschnitten. Einen Teil bin ich auch bereits gelaufen. Sie eignen sich wunderbar für Tageswanderungen (über den Berg und zurück die Schlaufe auslaufen), die ich noch später machen kann.
Talheim liegt etwas abseits und an der ehemaligen Bahnstrecke Heilbronn – Marbach. Diese führt durch das Bottwartal. Bis Ilsfeld laufen wir die ehemalige Bahnstrecke durch ein grünes Tal. Für den Anfang ist die Strecke vorteilhaft, da die Steigungen auf ca. 2 % beschränkt sind. Durch den Regen hat es sich stark abgekühlt, aber leider regnet es auch jetzt noch leicht. Zwei Pferde mit Reiterinnen laufen in gleichem Tempo wie wir vor uns her. Die beiden jungen Damen müssen eine sehr erlebnisreiche Woche gehabt haben. Die Pferde nehmen es in Ruhe hin. Dann laufen wir am Fuße eines (Wein)Berges vorbei Richtung Großbottwar. Den Berg, den Wunnenstein, haben schon Millionen von Menschen gesehen und wahrscheinlich nicht bewusst wahrgenommen, da er direkt an der A 81 von Stuttgart nach Heilbronn liegt.
Der Wunnenstein, wie auch viele andere Weinberge im Bottwartal, hat eine typische Form. Oben und am Rand ist Wald und die Südhänge sind voll von Rebstöcken. Sie sehen so ein bisschen wie ein Kopf mit Irokesenschnitt aus. Der Wein von hier kann ganz hervorragend sein, wie der aus unserem nächsten Ort Kleinbottwar. Den Heimvorteil habe ich natürlich voll ausgenutzt, da ich weiß, wo wir etwas Gutes zu essen bekommen und das Lokal sogar offen ist.
Ab Großbottwar gehts wieder auf der Bahnstrecke weiter. Weiter abwärts wird es exotisch. Es grast im Tal eine Herde von Wasserbüffeln. Sie sollen wohl eine besondere Graslandschaft hinterlassen, die für andere Tiere wiederum ein Paradies sein soll. Einige glänzen im Sonnenschein, da sie sich zuvor frisch im Schlamm gewälzt haben.
Ziel heute ist Marbach am Neckar. Wie sicher allgemein bekannt ist, wurde hier Friedrich Schiller 1759 geboren. Unsere Unterkunft ist in unmittelbaren Nähe seines Geburtshauses. Vielleicht färbt über Nacht noch etwas ab. Ich hoffe darauf, dass nicht nur das Rebellische von ihm abfärbt. Wenn man hier aufgewachsen ist, kann dies schon vorkommen. Das Literaturmuseum wurde ebenfalls von Kollegen mitverantwortet. War wohl nicht ganz einfach mit einem Stararchitekten zu erstellen. Aber als Projektort ist Marbach sicher schön gewesen.
Abends machen wir noch einen kleinen Abstecher zu den Schwiegereltern. Ich empfinde, wohl im Gegensatz zu einigen anderen, Verwandtschaft, auch wenn man sie sich nicht aussuchen kann, als eine sehr angenehme Begleiterscheinung, nicht nur als Schwabe wegen der kostenlosen Verköstigung. Auch mit guten alten Hausmitteln wird ausgeholfen. Gegen ein Ziepen im linken Bein hilft ein Birnenschnaps, innerlich angewendet. Sofort meldet sich das rechte Bein, das auf dieselbe Art verarztet wird. Ich genieße so noch den Abendspaziergang zurück durch die Stadt in die Unterkunft.

Entfernung
Etappe – 29,4 km
Gesamt – 2.217,3 km

Höhenmeter
Etappe – 262 m
Gesamt – 22.406 m