Heute erfolgt die Erklimmung der Schwäbischen Alb. Der Nordrand ist schroff und steil. Das Tal der Erms, an dessen Ende Bad Urach liegt, schneidet in diesen Rand ein, was den Aufstieg etwas angenehmer macht. Die Hochfläche ist zum Wandern etwas angenehmer, wenn auch nicht lieblich. Wasserläufe gibt es eigentlich keine, da der Kalkstein der Alb wasserlöslich und in Folge porös ist. Das Wasser verschwindet schnell im Untergrund.

Hochfläche der Schwäbischen Alb 
Mähdrescher bei der Arbeit 👍🏻 
Hülbe Zainingen
Dettingen – Bad Urach – Hengen – Böhringen – Zainingen – Feldstetten
Der erste Abschnitt geht noch der Erms leicht ansteigend entlang bis Bad Urach. Die Stadt ist für zwei Dinge bekannt: die Uracher Wasserfälle und der Uracher Schäferlauf. Wasserfälle sind in ihrer Größe relativ. In der Gegend ist dies mit Abstand der größte Wasserfall, vor allem während der Schneeschmelze. Einem Isländer würde ich dort nicht hinführen, da er dann verzweifelt den Wasserfall sucht. Ein Schäferlauf ist ein traditionelles Volksfest, wobei Schäfer und Schäferinnen (oder wer sich heute dafür hält) barfuß über ein Stoppelfeld rennen. Ziel ist natürlich am schnellsten ins Ziel zu kommen. Heute ist das Drumherum wichtiger.
Bad Urach wurde im 30-jährigen Krieg sehr gebeutelt. Es wurde mehrfach belagert, besetzt und geplündert. Angenehmer war es sicher nicht bei der dritten oder vierten Plünderung, wenn nichts mehr vorzufinden war. Wir haben zumindest ein Café auf dem Marktplatz vorgefunden, um uns nochmals vor dem Aufstieg zu stärken.
Beim Aufstieg sind 300 Höhenmeter am Stück bis zur Hochfläche der Schwäbischen Alb zu überwinden. An einem Aussichtspunkt haben wir einen herrlichen Ausblick auf Stadt und Ermstal. Die Fläche oben erinnert mich dies stark an den Odenwald, die Ränder bewaldet und die Hochfläche landwirtschaftlich genutzt. Nur ist es hier flacher als im Odenwald und es hat mehr Ackerflächen und weniger Wiesen.
Die Alb steigt im Norden steil an und fällt nach Osten und Süden leicht ab. Sie liegt wie eine schiefe Platte in der Landschaft und besteht aus Jurakalk, welcher wasserlöslich ist. Aus diesem Grund gibt es eine Vielzahl von bekannten Karsthöhlen, wobei viele Höhlen heute noch nicht entdeckt sind. Die Karsthöhlen sind sehr gefährlich, da sie sich bei Regenfällen durch das durchsickernde Wasser sehr schnell füllen. Es gab hier schon manche Rettungsaktionen. Beim Bauen von Straßen und Tunnel kann dies sehr herausfordernd werden, wenn man nicht weiß, wo im Schweizer Käse die Löcher (Karsthöhlen) sind. Oberflächengewässer gibt es dadurch fast keine, zumindest keine natürlichen. Ausnahme sind die Hülben. Sie entstanden aus den Vulkanschloten. Durch das schnelle Abkühlen des Magmas in den Vulkantrichtern entstand das wesentlich wasserundurchlässige Tuffgestein. Umliegendes Gestein und Boden rutschten ebenfalls in die Vulkantrichter, so dass eine wasserundurchlässige Schicht entstand. In diesen Mulden sammelte sich das Oberflächenwasser bei Regenfällen. Wegen der Wasserarmut auf der Alb entstanden viele Siedlungen um diese Tümpel, die Hülben genannt werden. Bis zu einer Leitungswasserversorgung dienten diese für das Brauchwasser und als Viehtränke. Heute sind sie die Dorfteiche.
Es ist etwas völlig unerwartetes eingetreten. Ich habe einen Mähdrescher bei der Arbeit gesehen und sogleich fotographisch festgehalten. Richtiger Weise hat mein Mitwanderer Wolfgang ihn zuerst gesehen, als ich ihn noch kaum sehen konnte. Alle Felder ringsherum sind schon abgeerntet. Dies macht mich doch etwas stutzig. Ist man auf der Alb allgemein etwas später dran? Warum ist nur dieses Feld noch nicht abgeerntet? Wieso sieht Wolfgang einen Mähdrescher, den man noch kaum sehen kann? Wusste er etwas? Also raus mit der Sprache: wer hat dies organisiert?
Jetzt ist schon das letzte Fünftel meiner Tour angebrochen. Der Blick geht nicht mehr nur auf die zurückgelegten Kilometer, sondern auch auf die Restkilometer. 500 km scheint noch eine ordentliche Strecke zu sein, aber jeden Tag wird davon ein ordentliches Stück abgeknabbert. Der Geist und der Körper sind immer noch willig, verlangen aber auch nicht nach einer Verlängerung bis Italien.

Entfernung
Etappe – 29,5 km
Gesamt – 2.347,3 km

Höhenmeter
Etappe – 616 m
Gesamt – 24.094 m