Die Etappe läßt sich in zwei Teile trennen. Vormittags sind wir über die Alb fern vom Verkehr gewandert. Felder und Wälder wechseln sich ab. Es geht runter nach Blaubeuren. Der Weg führt dann am Nachmittag weiter der Blau entlang bis nach Ulm. Das Ulmer Münster ist erst unmittelbar davor sichtbar.

Blautopf in Blaubeuren 
Ulmer Münster 
Das schiefe Haus im Fischerviertel
Feldstetten – Sontheim – Blaubeuren – Ulm
Von gestern möchte ich noch einen Nachtrag machen. In Zainingen kamen wir an einem Backhaus vorbei, in dem gerade Brot gebacken wurde. Früher wurde dort einmal die Woche mit Holz eingeheizt und nacheinander Brot und Kuchen gebacken. Solange man auf das Brot im Ofen wartete, wurden die neuesten Ereignisse des Dorfes ausgetauscht. Die soziale Funktion eines Backhauses ist nicht zu unterschätzen. Heute haben die Backhäuschen ein großes Problem mit den Umweltauflagen, da sie eigentlich Filteranlagen wegen den Feinstaubpartikeln einbauen müssten. Dies war der Tod vieler dieser Backhäuschen, die heute deshalb leider ungenutzt als Reminiszenz an vergangene Tage herumstehen. Vielleicht backen in Zainingen der Schornsteinfeger, der Umweltbeauftragte und der Polizist mit oder sie haben tatsächlich eine Filteranlage.
Der Weg geht über die Albhochfläche Richtung Blaubeuren. Erst die letzten Abschnitte gehen steil bergab. Der Blautopf ist gut gefüllt, zwar nicht mit Wasser, sondern von Touristen.
Der Blautopf in Blaubeuren ist die zweitgrößte Quelle Deutschlands. Sie wird durch ein Höhlensystem von Karsthöhlen gespeist. Es ist versickertes Oberflächenwasser (siehe auch Etappe 69). Die größte Quelle ist der Aachtopf, der das versickerte Wasser der Donau wieder an die Oberfläche bringt und dem Bodensee zuführt. Es fließt damit Donauwasser über den Rhein der Nordsee zu und nicht wie das meiste Donauwasser dem Schwarzen Meer, aber dies wusstet ihr alle sicher noch aus dem Geographieunterricht. Der Blautopf hat einen Durchmesser von 40 m und eine Tiefe von 21 m. Außer der Wassermenge ist die blaue Färbung des Wassers eine Besonderheit.
Wie allgemein bekannt entsteht die blaue Farbe durch die Lichtstreuung der nanosgroßen Kalkpartikeln, die im Wasser dispergiert sind. Die kleinen Partikel streuen das blaue Licht besonders stark und heben dadurch die Farbe hervor. Dieser Effekt wird auch als Rayleigh-Streuung bezeichnet (Wikipedia). Der gleiche Effekt ist die Ursache der Farbe der Blauen Lagune auf Island.
Über den Blautopf gibt es viele Sagen und Geschichten. Alleine die früher unerklärliche Farbe regte zu vielen Spekulationen an. Ab Nachmittag wandere ich wieder alleine. Wolfgang ist verschwunden. Ihm wird es doch nicht wie der schönen Lau ergangen sein? Die schöne Lau ist eine Geschichte von Eduard Mörike. Wenn ihr es wissen wollt, was vielleicht mit Wolfgang geschehen ist, müsst ihr Mörike lesen. Damit ist mal wieder mein Bildungsauftrag erledigt.
Weiter geht es das Blautal hinunter bis zur Donau in Ulm. Die blaue Farbe verliert der Fluss nie ganz. Im Fischerviertel In Ulm fließt die Blau dann in die Donau. Früher hausten hier die Fischer und Gerber, heute sind hier die Touristen zu Hause. Besonders bekannt ist das Schöne Haus und das Schiefe Haus. Das Wahrzeichen von Ulm ist natürlich das Münster. Dies erzähl ich euch aber Morgen.

Entfernung
Etappe – 38,8 km
Gesamt – 2.386,1 km

Höhenmeter
Etappe – 184 m
Gesamt – 24.278 m