Zuerst wird nochmal die Stadt Ulm angeschaut. Abends bin ich nur noch bedingt aufnahmefähig. Weiter wandere ich dann immer der Iller, einem Nebenfluss der Donau, entlang Richtung Süden. Derzeit ist so wenig Wasser drin, dass die Angler bis in die Flussmitte gehen. In Vöhringen wird dann die Iller verlassen und es geht nach Osten Richtung München. Jetzt geht es richtig über das Land.

Pyramide der Bibliothek neben historischem Rathaus 
Klare Iller 
Klosterkirche Roggenburg
Ulm – Wiblingen – Vöhringen – Bubenhausen – Roggenburg
Gestern Abend war die Stadt gut gefüllt, das Hotel hatte schon gefragt wann ich komme und meine Aufnahmefähigkeit war doch schon sehr begrenzt. Also starte ich heute mit nochmal einer kleinen Runde durch die Stadt. Mein Tischnachbar gestern beim Abendessen, ein Frührentner, der vorher Pflasterer war, hat mir so ein paar Dinge erzählt, die ich mir nochmals oder erstmals genauer anschauen möchte. Mit der Stadtpolitik und vor allem den neuen Bauwerken war er überhaupt nicht einverstanden.
In der Innenstadt ist eine neuere Tiefgarage, die wirklich Top gepflegt ist, hell, Fußgängerbereich getrennt von Fahrbereichen und die Funde der Vergangenheit werden im Aufgangsbereich ausgestellt. Sie wird hervorragend angenommen. Sein Komentar: da hätte man ja gleich einen Tunnel zur Unterquerung der Stadt daraus machen können.
Das Ulmer Münster war als eine Stadtkirche geplant, die auch zumindest anfänglich von den Bürgern finanziert wurde. Warum hat es an der Hauptfassade nur einen Turm und nicht zwei, wie zum Beispiel beim Kölner Dom oder bei der Marienkirche in München? Genau deshalb, weil das Ulmer Münster als Bürgerkirche vorgesehen war. Zwei Türme waren Bischofsitzen oder Abteien vorbehalten. Der Turm in Ulm ist dafür der höchste Kirchturm der Welt mit 161 m. Die Länge entspricht mit 123 m etwa der eines Fußballfeldes. Es ist somit die größte evangelische Kirche. Die Kirche wurde 1530 nach einem Bürgerentscheid evangelisch. Also Bürgerentscheide gibt es schon lange. Bei der mittelalterlichen Steuereintreibungspolitik überrascht mich das Ergebnis nicht. Übrigens sein Kommentar: Immer Gerüste dran.
Auf dem Domplatz steht das neue Stadthaus von Richard Meier. Es ist sehr mutig, so ein Gebäude dort hinzustellen, es ist jedoch ein Bauwerk, welches einen Ausdruck hat und neben dem Münster bestehen kann, da es bewußt ganz anders ist. Sein Kommentar: so ein komisches Bauwerk beim Münster. Mich stören die Fassaden der Geschäfte viel mehr.
Das historische Rathaus ist aufwändig mit Fresken bemalt und eine der Hauptattraktionen von Ulm. Gleich daneben wurde eine neue Stadtbibliothek als gläserne Pyramide (siehe Bild) nach den Plänen von Gottfried Böhm errichtet. Das Bauwerk sieht neben dem historischen Rathaus gut aus und stört mich nicht. Sein Kommentar: was soll der Glasscheiß neben dem Rathaus. Mein Problem wäre eher Glas, Sonne und Bücher.
Der Abend war nicht unangenehm. Ich saß am eigentlichen Stammtisch und war zumindest das Objekt der Ansprache.
Dann gehe ich der Donau entlang auf dem Haupt der alten Befestigungsanlage, eine Art Vor-Stadtmauer und habe noch mal einen schönen Blick ins Fischerviertel. Nach der Befestigungsanlage wechsele ich auf die andere Donauseite und betrete auf der Wanderung das erste Mal bayerischen Boden. Damit habe ich nun das letzte meiner 13 Bundesländer erreicht. Der Zufluss der Iller in die Donau ist wenig spektakulär und ähnelt mehr einer Einfädelspur auf einer Autobahn. Der Wasserstand ist sehr niedrig, was ich an einem Angler sehen kann, der fast in Flussmitte steht. Man könnte die Steine im Flussbett zählen, so klar ist das Wasser, wenn es nicht so viele Steine wären.
Ich wechsele nochmals auf die württembergische Seite. Ein Besuch im Kloster Wiblingen ist ein Muss, wenn man hier vorbei läuft. Die Bibliothek ist das High-Light, aber leider ist sie noch geschlossen. Vielleicht sollte ich mir angewöhnen später zu frühstücken und los zu laufen. Das Kloster ist ein Beispiel aus dem schwäbischen Spätbarock, die Kirche aus dem Frühklassizismus. Beides zusammen gefasst ist eine überladene Augenweide.
In Vöhringen betrete ich wieder Bayern, dass ich bis zum Ende der Wanderung, mit der Ausnahme eines kleinen Schrittes nach Österreich, nicht mehr verlassen werde. Nichts geändert hat sich allerdings an den Öffnungszeiten der deutschen Lokale. Also lande ich auch in Bayern beim Italiener. Wie lobe ich mir da die Schwäbische Alb der letzten beiden Tage!!!
Jetzt geht´s quer über das Land, über Felder und Wiesen und durch Wälder. Die Orte sind beschaulich und somit ohne Infrastruktur. Viel Zeit zum verweilen habe ich sowieso nicht, da ab 17.00 Uhr Regen angesagt ist. Wie erkenne ich, dass ich in Bayern bin? Die Anzahl der Bildstöcke hat selbst gegenüber dem erzkonservativen Oberschwaben explosionsartig zugenommen.
Mein Ziel heute ist das Kloster Roggenburg. Ja, ich gehe ins Kloster. Viele haben mich schon gefragt, was ich nachher nach der Wanderung mache. Dieses Kloster war ebenfalls wie Wiblingen Opfer der Säkularisierung von 1802 durch Napoleon. Der Klosterbetrieb wurde eingestellt. 1982 wurde der Betrieb wieder aufgenommen und seither gibt es hier wieder Mönche. Die Kirche ist genauso prachtvoll wie die in Wiblingen. Sie ist im Stile des Schwäbischen Rokoko errichtet. Wichtiger ist, sie brauen hier ihr eigenes Bier und es schmeckt. Dies macht mir das Klosterleben sehr schmackhaft, zumindest bis morgen.

Entfernung
Etappe – 36,8 km
Gesamt – 2.422,9 km

Höhenmeter
Etappe – 234 m
Gesamt – 24.512 m