Heute wandere ich zur heiligen Fatima. Davor geht‘s erst einmal über das bayerische Land. Nicht nur optisch, sondern auch geruchsmäßig ist es heute sehr ländlich. Ich komme durch Krumbach, eine ehemaligen Kreisstadt, die wohl von ihren Einwohnern sehr geliebt wird. Das Kloster Roggenburg ist groß, aber kein Vergleich zum Kloster Ursberg. Der Höhepunkt für viele Pilger kommt zum Schluss, Maria Vesperbild mit der Grotte von Fatima.

Bildstöcke 
Ausschnitt des Altars der Klosterkirche Ursberg 
Fatima von Maria Vesperbild
Roggenburg – Ingstetten – Deisenhausen – Krumbach – Ursberg – Maria Vesperbild – Ziemetshausen
Im Kloster bekomme ich noch ein Angebot wiederzukommen. Wenn ich pilgern wäre, könnte ich mit einem Antrag wesentlich billiger übernachten. Ich gehe trotzdem weiter. Schon bei der Annäherung an Deisenhausen kommt mir der ländliche Duft entgegen. Kurz danach sehe ich den Übeltäter. Ein Jungbauer fährt Gülle im Akkord aus. Für die Entleerung eines Fasses benötigt er keine 5 Minuten. Früher wurden die Fässer über Schwerkraft entleert, heute wird der Vorgang mit einer Pumpe unterstützt. Es streut dann breiter und geht schneller. Er scheint vor dem Regen noch möglichst viel losbekommen zu wollen. Durch die Einschränkung der Flächen, auf denen Gülle ausgebracht werden darf, haben viele Bauern Probleme ihre Gülle loszuwerden. Die Bauern bringen die Gülle mit Vorliebe vor Regen auf, da dann durch die Verdünnung oder das Abwaschen der Oberflächen die Gefahr des Verbrennes der Pflanzen sich verringert. Leider führt dies auch dazu, dass mehr in die Bäche (fachmännisch Vorfluter) ausgewaschen wird oder leichter ins Grundwasser einsickert. Die Landwirtschaft ist der größte Verursacher der Nitratbelastung im Grundwasser. Nach der Ortschaft war er auch schon.
Krumbach ist ein typisches Mittelzentrum und war früher Kreisstadt. Die Leute scheinen es immer noch sehr zu lieben. Heute gehört die Stadt zum Kreis Günzburg. Mindestens die Hälfte der Autos haben wieder das alte Kennzeichen KRU. Sindelfingen (da wohne ich) wurde früher immer belächelt, da sie Zebrastreifen aus Marmor haben. Krumbach hat in der Anzahl mehr, der Marmor ist reiner und die Steine sind gleichmäßiger. Heute sagt niemand mehr etwas Negatives, da das Nachstreichen der Zebrastreifen entfällt. In Krumbach gibt es Beratungsstellen, die so wohl nur in Bayern anzutreffen sind. Es gibt eine „Trachtenberatungsstelle des bayerischen Regierungsbezirk Schwaben“ und die „Beratungsstelle für Volksmusik in Schwaben“.
Ich dachte, ich hätte gestern viele Bildstöcke gesehen, aber heute sind es ein Mehrfaches. Wenn einem gutes widerfährt, spendet man einen Bildstock, wenn man es sich leisten kann auch mal eine Kapelle. Auch davon liegen mehrere am Weg. Vielleicht liegt es in dieser Gegend auch an der Klosterdichte. Ich habe ein Bild von zwei unterschiedlichen Bildstöcken eingefügt, da vielleicht nicht jedem geläufig ist, was ein Bildstock ist. Es gibt noch viele weitere Formen. Auch heute noch werden neue Bildstöcke aufgestellt, jedoch mit einer Tafel des Spenders. Es ist wohl vergleichbar mit der Spendenbescheinigung fürs Finanzamt. Hier möchte man wohl sicher sein, dass Gott jederzeit nachlesen kann, wer gespendet hat.
Da es ab 13.00 Uhr regnen soll, mache ich noch schnell Strecke und laufe nach Ursberg durch. Das Kloster Ursberg war das Gründungskloster von Roggenburg. Dieses Kloster ist noch weitaus größer, aber heute nicht mehr in Betrieb. Den ehemaligen Reichtum kann man noch an der reich geschmückten Klosterkirche ablesen. Ab 12.30 Uhr tröpfelt es, ab 13.00 regnet‘s. Schnell in die Klosterwirtschaft, bevor der Regen stärker wird.
Irgendwann muss ich doch weiter, nun bei Dauerregen. Da es nicht windet, kann ich mich von oben einigermaßen Trocken halten. Wenn ich durchs Gras laufen muss, sind die Schuhe durchnässt. Einen Bauer sehe ich Holz machen. Er und seine Frau, beide ca. 30 Jahre alt, haben am Waldrand ein paar Fichten gefällt, die sie noch zerlegen und aufladen müssen. Der Herr fährt den Traktor mit Ladeschaufel (warm und trocken) und die Frau steht im Regen (kalt und nass) und rollt die schweren Stämme auf die Schaufel. Zumindest hat sie eine Regenjacke bekommen. Wahrscheinlich kann die kleine Frau nicht so ein kompliziertes technisches Gerät wie ein Traktor mit Schaufel bedienen, zumindest nicht wenn es regnet. So ein Gerät ist doch viel zu schwer. Ein Baumstamm mit 50 cm Durchmesser ist doch dagegen nichts. Aber sie lächelt und scheint zufrieden zu sein.
Die letzte Station ist die Wallfahrtskirche Maria Vesperbild mit der Grotte der Fatima. Ich bin somit zur Fatima gepilgert und muss nicht mehr nach Santiago di Compostela wandern. Es sind eine Vielzahl von Tafeln mit Danksagungen angebracht. Es kommen Leute, wohl aus der Umgebung, angefahren, beten, spenden eine Kerze und gehen wieder. So eine große Kerze kostet übrigens 95 €. Anscheinend ist bei den Prozessionen der Anteil von Mittbürgern mit Migrationshintergrund besonders hoch. Die angelegten Parkplätze zeugen davon, dass es hier normalerweise ganz anders aussieht als heute im Regen und in der Corona-Zeit. Das Weiß der Fatima leuchtet schon besonders und verströmt eine Aura. Mit der gehe ich jetzt schlafen (mit der Aura, bevor einer fragt).

Entfernung
Etappe – 33,7 km
Gesamt – 2.456,6 km

Höhenmeter
Etappe – 400 m
Gesamt – 24.912 m