Heute ist Dauerregen angesagt. Die Etappenlänge habe ich daran angepasst. Auch die Hoteldichte ist auf der gewählten Route sehr gering. Bis zum Lechtal sind einige kleinere Flusstäler und Bergrücken zu überwinden. Landschaftlich herrschen Wiesen und Wälder mit ein paar eingestreuten Futtermaisfelder vor. Erst im Lechttal wird wieder Intensivlandwirtschaft mit Gemüse- und Getreidefeldern betrieben.

Fußweg nach Maria Vesperbild 
Kloster St. Clara 
Graswege mit Wasserführung
Ziemetshausen – Maria Vesperbild – Langenneufnach – Siegertshofen – Waldberg – Reinhartshofen – Großaitingen
Nach dem Frühstück geht der Weg erst mal zurück zur Fatima. Fast der gesamte Weg bis zur Kirche führt durch eine alte Baumallee (siehe Bild), die ideal als Rahmen für eine Prozession ist. Wahrscheinlich handelt es sich um die alte Verbindungsstraße. Die neue wurde unmittelbar daneben errichtet. Die Glocken läuten und rufen zum Kirchgang. Die letzten gehen schnellen Schrittes in die Kirche, denn keiner möchte zu spät kommen. Vor allem der Pfarrer nicht, der mit wehendem Gewand über den Hof eilt.
In unmittelbarer Nähe ist das Kloster St. Clara, welches einen mit einem sehr modernen Gebäude empfängt. Die Größe ist mit den Klöstern von gestern nicht zu vergleichen. Die Nonnen leben und beten hier in Abgeschiedenheit. Diese wird nicht durch einen Zaun oder eine Klostermauer erreicht, sondern durch eine hohe grüne Hecke.
Bis zum nächsten Ort laufe ich ca. 8 Kilometer der Straße auf einem abgetrennten Fuß- und Radweg entlang. Der Regen hat jetzt heftiger eingesetzt, da läuft es sich auf dem asphaltierten Weg sehr gut, denn es sind keine Pfützen vorhanden. Der Verkehr ist am Sonntagmorgen auch sehr gering. Wer geht bei so einem Wetter freiwillig vor die Türe. Das Wetter ist jetzt so, dass man nicht einmal mit dem Hund vor die Türe geht. Ein Hundebesitzer, aber nur ein einziger, hat sich nicht daran gehalten. Der Hund, ein Collie, hat einen modischen Überwurf in Grau und Rot an. Wahrscheinlich ist der Überwurf nur zum Nutzen des Herrchens, damit er den Hund nach dem Spaziergang nicht so lange fönen muss.
Ich bin froh in Waldberg ein offenes Lokal zu finden, um mich trocken zu legen. Das Lokal ist gut gebucht. Am Nebentisch sitzt ein älteres und ein jüngeres Paar (um die 50). Die ältere Dame ist wohl die Mutter des jüngeren Herrn. Die Funktion des älteren Herrn erschließt sich mir nicht, der Vater ist er wohl nicht. Der Sohn spricht mit seiner Mutter eher wie mit einem hilflosen Kleinkind. Sie geht zwar an Stöcken, wirkt für mich aber geistig fit. Manche Leute neigen wohl dazu, so mit älteren Leuten zu sprechen, was ich schon öfters beobachtet habe. Der Sohn liebt nach seinen zwei Weizenbieren den Schnaps zum Verdauen schon am Mittag. Nach einem doppelten Schlehenschnaps kommt noch ein doppelter Johannisbeerschnaps oben drauf. Der Sohn ist doch hilfsbereiter als ich gedacht habe. Er hat seiner Mutter auch einen Marillenbrand bestellt, ohne dass sie einen gewollt hätte. Der Mutter ist dies viel zu viel Schnaps. Er bietet ihr an, einen Schluck zu nehmen, denn ganz trinken möchte er ihn doch nicht, da er noch Auto fahren muss. Ich zahle schnell, ziehe meine zweite trockene Jacke an und schaue, dass ich die Straßen verlassen habe, bevor meine Tischnachbarn fertig sind.
Nach den ersten Kilometern kommt wieder ein kräftiger Schauer, den ich in einer Dorfkirche aussitze, bis es wieder normal regnet. Bin ich froh, dass ich jetzt in einer katholischen Gegend mit offenen Kirchen bin.
Hinunter ins Lechtal muss ich noch einen meiner gefürchteten Graswege bei Regen gehen. Oft sehe ich nicht, wo das Wasser tiefer steht. In den Fahrrinnen bilden sich Bachläufe, so dass ich in der Mitte im Gras gehen muss. Danach sind die Schuhe wirklich durchnässt.
In meiner Unterkunft sind alle Heizungen kalt (wir sind noch in Schwaben, wenn auch bei den bayerischen Schwaben). Wie sollen da die Schuhe trocknen? Wenn keine Heizung da ist, muss der Fön helfen. Innen zu trocknen geht einfach, wenn man den Fön in den Schuh hinein steckt. Aber außen? Der Siphon des Waschbeckens leistet gute Dienste. Ich klemme den Fön dort ein und muss ihn dann nicht die ganze Zeit halten. Es wäre doch gelacht, wenn die Schuhe morgen früh nicht trocken sind!

Entfernung
Etappe – 24,8 km
Gesamt – 2.481,4km

Höhenmeter
Etappe – 417 m
Gesamt – 25.329 m