Die Route habe ich ganz bewusst etwa in der Mitte der A 8 Stuttgart – München und der A 96 Lindau – München geplant. Ich wollte mal sehen, wie hier das platte Land ohne Industrie aussieht. Dies ist mir geglückt. Das Lechfeld, welches ich heute durchwandere, ist sehr eben und die Böden sehr steinig mit Kieseln (siehe Bild eines Feldes). Diese stehen wahrscheinlich bis kurz unter der Oberfläche an. In Fürstenfeldbruck ist die nahe Großstadt zu spüren und zu sehen, Stau durch die ganze Stadt.

Kilometer 2.500 Kirche in Heinrichshofen 
Ohne Kommentar 
Klosterkirche in Fürstenfeld
Großaitingen – Kleinaitingen – Prittriching – Heinrichshofen – Steinbach – Grunertshofen – Adelshofen – Aich – Fürstenfeldbruck
Das erste Mal wird mir zum Frühstück eine Tüte bereit gelegt, damit ich mir auch noch etwas für unterwegs einpacken kann. Nach zwei Tagen Regen ist es sehr erbaulich, morgens vor die Türe zu treten und die tiefstehende Sonne blendet einen. Die Betonung liegt auf tiefstehend, da erstens wenige Wolken die Sonne behindern und zweitens ich dokumentiert habe, dass ich früh unterwegs bin. Heute möchte ich über 40 km laufen, da sollte ich auch früh unterwegs sein. Die Felder sind über Kilometer in Rechtecke eingeteilt. Der Boden der Felder ist sehr steinig. Kies abzubauen dürfte hier kein Problem sein, zumindest technisch.
Die ebene Landschaft und der kiesige Boden scheint bestens geeignet für große Aufmärsche und Schlachten zu sein. Verbrieft ist das Datum der Schlacht auf dem Lechfeld auf dem 10. August 955. Es war die Vernichtung der plündernden ungarischen Reiterscharen durch Otto den Großen. Über den genaue Ort streiten die Gelehrten bis heute. Ich kann mir die Schlacht hier in der Ebene gut vorstellen.
Den Lech überquere ich am Lechkraftwerk 21. Die Turbine läuft auf Hochtouren. Im ersten Ort nach der Überquerung, in Prittriching finde ich einen Metzger zum ersten Vesper. Der „Semmel“, ich habe versehentlich Brötchen gesagt und werde gleich korrigiert, mit einer Scheibe Fleisch belegt, kostet nur 2,22 €. Dies sind halt noch Preise. Die Kundin vor mir erfährt von der Metzgerin, was ihre Tochter bestellt hatte, dies aber erst um 11 abholen wollte. Die Metzgerin erfährt im Gegenzug, dass die 2 Kilo Gulasch für eine Geburtstagsfeier sind. Die Kundin nach mir wird sofort auf ihr neues Auto, welches vor der Metzgerei parkt, angesprochen. Es ist ein reges Kommen und Gehen und fast alle Kunden kommen mit dem Auto. Das Müllfahrzeug unterbricht hier mit laufenden Pressen die Fahrt und die Besatzung geht erst mal einkaufen. Ich glaube die Metzgerei ist informativer als jede Regionalzeitung. Aber vielleicht geht der Redakteur auch in der Metzgerei einkaufen.
Der nächste Ort Heinrichshofen ist ein typisch ländliches Dorf, kein Tourismus und auch wenige Pendler. Alle Ortsstraßen sind neu gemacht, aber ohne Gehwege. Hier lauft man auf der Straße und die Autofahrer nehmen Rücksicht und fahren angemessen. Zwei Ausnahmen sehe ich, die Paketzusteller haben es immer eilig, und das auch noch von der gleichen Marke. Da fällt mir nur ups ein. Heinrichshofen hat noch etwas besonderes: ganz in der Nähe der Kirche habe ich meinen 2.500 Kilometer beendet. Also wundert euch nicht, wenn in ein paar Jahren hier ein Bildstock steht.
Die Wirtin bei der letzten Übernachtung hat gesagt, dass Laufen nichts für sie wäre. Man braucht so lange und kommt nicht fort. Ich habe zumindest 2.500 km geschafft. Sie meint beim Radfahren würde man mehr sehen. Ich glaube nicht mehr, aber anderes. Die Konzentration ist dann mehr auf die auffälligen Dinge gerichtet. Schon auf dieser kleinen Strecke, die ich heute laufe, gibt‘s eine Vielzahl von unterschiedlichen Kirchen, alle prächtig gestaltet. Ich kann gar nicht alles aufnehmen. Wie wäre es erst beim Radfahren? Meine Frau ist für langsameres Wandern, dann kann man noch viel mehr sehen, zum Beispiel Feuersalamander. Ob ich den auch bei langsameren Laufen gesehen hätte, kann ich nicht versprechen. Jeder muss wohl seine Reisegeschwindigkeit für sich finden. Die Eindrücke sind dann andere.
Der Abschluss heute ist in Fürstenfeldbruck. In Fürstenfeld steht ein großes Kloster mit einer prächtigen Kirche (siehe Bild). Das Kloster wird heute als Kulturzentrum genutzt. Ich übernachte auf der anderen Amperseite in der Stadt, also in Bruck. Das Kloster erwarb bis 1425 alle Rechte der und über die Stadt Bruck. Fürstenfeld und Bruck waren somit eine Verwaltungseinheit. Da die Stadt auch amtlich immer wieder unterschiedlich geschrieben wurde, wurde von der Regierung am 6. August 1908 die amtliche Schreibweise Fürstenfeldbruck festgelegt.
Dies ist nun schon das dritte bedeutende Ereignis, welches im August hier stattgefunden hat.

Entfernung
Etappe – 43,2 km
Gesamt – 2.524,6 km

Höhenmeter
Etappe – 194 m
Gesamt – 25.523 m