Etappe 75 – Von Fürstenfeldbruck nach München – 29,4 km

Das Ziel ist das Büro in München. Wie in allen Großstädten ist die Erfordernis möglichst viel Grünzüge zu nutzen. Von den Umlandgemeinden geht es dann durch die Vorstädte. Zwischendrin sind noch bunte Felder. Auch der größte Friedhof Münchens steht auf dem Programm. München soll ja nicht gegenüber Hamburg benachteiligt sein.



Fürstenfeldbruck – Eichau – Germering – Gräfeling – Großhadern – Waldfriedhof – Obersendling

Mein heutiger Mitläufer, Herr Schmidt, war schon gestern mit beim Abendessen. Am Nachbartisch saßen die Rotarier. Ich konnte sie zwar nich sehen, aber hören. Dies ist auch nicht ganz richtig, gehört habe ich überwiegend nur einen. Er konnte zwar gut und unterhaltsam aus seinem juristischen Leben erzählen (er war ein ganz großer Hecht), aber ein wirkliches Gespräch gab es nicht. Auch bei allen anderen Themen war er Wortführer. Die Runde schien mir eher die Alterspräsidentenrunde zu sein. Beim Gehen waren einige schon sehr wackelig, jedoch sicher nicht vom Alkohol. Aber sie sind immer noch sehr engagiert.

Beim Zusehen beim Frühstücken meines Mitwanderers bekomme ich schon Sorge, dass ich ab Kilometer 10 ihn tragen muss. Er isst nicht mal die Hälfte meines Frühstücks. Woher soll da die Kraft für die heutige Wanderung kommen?

Der erste Ort, durch den wir kommen ist Eichenau. Die erste Besiedlung begann erst 1863. Die Nähe zur Bahnstation war wichtig, da schon damals wie heute hauptsächlich Pendler den Ort besiedeln. Zwischen 1918 bis 1950 hatte der Anbau der Heilpflanze Pfefferminze eine große Bedeutung, wovon das einzige Pfefferminzmuseum Deutschlands zeugt. Leider ist es um nur am Sonntagnachmittag geöffnet.

Die weiteren Orte und Vorstädte sind alles Schlafstädte der Münchner. Wir durchqueren sowohl Siedlungen mit großem Geschoßwohnungsbau als auch die normalen Wohngegenden mit Ein- und Mehrfamilienhäusern. Auch Villenviertel liegen auf dem Weg, also die gesamte Bandbreite. Wir kommen auch am Gräfelinger Friedhof vorbei und besuchen noch das Grab von Winnetou bzw. von Pierre Brice. Er ist nicht in Amerika begraben! Ein bisschen indianermäßig ist das Grab schon, wenn man sich die Details genauer anschaut.

Da es stärker zu regnen anfängt, gehen wir in eine bayerische Wirtschaft zum Essen. Ich esse nach der langen Wanderung ein kleines typisches bayerisches Gericht (Schweinebraten mit Knödel) und mein Kollege eine Nachtischportion Kaiserschmarren. Die Kollegin meiner Frau hätte sicher auch wie ich kein Verständnis dafür, wie man ein bayrisches Nationalgericht zu Mittag einfach auslassen kann. Die Bedienung schlägt in die gleiche Kerbe, als ich meinen Nachtisch bestelle. Sie fragt ihn, ob er jetzt einen Schweinebraten möchte, was er verneint. Eigentlich wird man bei Negierung des Nationalgerichts gleich des Landes verwiesen. Ich denke noch, dass er am Nachmittag zusammenbrechen müsste, was er nicht macht. Irgendwo unter seiner Jacke muss er bei so wenig Essen noch eiserne Reserven deponiert haben.

Nach dem Essen kommen wir zum Münchener Waldfriedhof. Er ist der erste seiner Art in Deutschland und der größte in München. Er umfasst ca. 59.000 Grabstellen. Die strenge Geometrie der älteren Friedhöfe wurde aufgelöst und die Wegführung freier. Der Friedhof ist wirklich ein Waldfriedhof mit vielen Bäumen. Der Ohlsdorfer Friedhof (Etappe 12) in Hamburg is eher mit einem englischen Garten vergleichbar.

Wir kommen im Büro an und werden herzlich empfangen. Es sind doch viele Kolleginnen und Kollegen da, was mich sehr freut. Ich werde bestens mit Essen und Trinken versorgt. So ausgemergelt finde ich mich gar nicht, wenn ich in den Spiegel blicke. Der Abend ist sehr nett und wir schauen noch gemeinsam den Imagefilm des Büroseminars an. Irgendwann ist dann doch Ende und Aufbruch, denn ich muss morgen wandern und die Kolleginnen und Kollegen arbeiten. Ich glaube, ich habe das schönere Los zur Zeit.


Entfernung

Etappe – 29,4 km

Gesamt – 2.554,0 km

Höhenmeter

Etappe – 112 m

Gesamt – 25.635 m