Die Strecke ist der Jakobsweg von München nach Lindau, den ich bis Kempten gehe. Er ist gepflastert von Kirchen und Klöstern. Zuerst geht es der Isar Richtung Süden entlang bis dann beim Kloster Schäftlarn der Hügel zum Starnberger See überwunden werden muss. Ein Stückchen geht es noch am See nach Starnberg entlang. Es ist ein fleißiges Treiben der Boote auf dem See zu beobachten.

Wandern oder einkehren? 
Klappbrücke bei Starnberg 
Rokoko-Kirche Schäftlarn
München-Obersendling – Großhesselohe – Pullach – Schäftlarn – Ebenhausen – Neufahrn – Harkirchen – Manthal – Percha – Starnberg
Ab heute bis Kempten begebe ich mich wieder auf einen Jakobsweg, wohl einen der schönsten in Deutschland. Er geht von München bis Lindau, aber ich folge ihm nur bis Kempten. Ab heute geht mein ehemaliger Kollege Wolfgang mit. Er kennt hier jeden Stein, der sich hier vom Fahrrad aus bestaunen lässt. Für mich ist es somit eine fasst lückenlose Übergabe von einem Mitwanderer zum anderen oder soll ich sagen wie betreutes Wandern?
Die erste Stunde gehe ich noch alleine vom Hotel zur Waldwirtschaft nach Großhesselohe. Das Grünamt ist schon fleißig dabei, die Wege mit dem Laubbläser von Blättern zu befreien. Die Waldwirtschaft ist angenehmer als der Waldfriedhof von gestern. In diesem Biergarten war ich öfters zum Mittagessen, wenn ich in München im Büro war. Oft war eine Jazzband aktiv. Es geht also auch ohne Blasmusik. Hier treffe ich Wolfgang und angesichts der frühen Tageszeit gehen wir ohne einen Begrüßungstrunk oben am Talrand an die Isar entlang flussaufwärts. Die Isar fließt 30 Meter tiefer.
Wir gehen dann in den Talgrund hinunter oder laufen auf Halbhöhenlage. Es sind nicht nur breite Wege vorhanden, sondern auch kleine Trampelpfade mit Wurzeln und Schlammlöchern. Hier treffen wir zwei Radfahrer, die mit dem Gelände auf den schmalen Wegen etwas überfordert sind. Sie hatten die gute Idee, von der rechten Isarseite, auf der sich der asphaltierte Radweg befindet, auf die Linke zu wechseln, da dort am Vormittag die Sonne hin scheint. Auch empfinden sie es als Abwechslung auch mal die Seite zu wechseln. Der Weg war teilweise so schmal, dass der Anhänger des einen Rades immer wieder abzurutschen drohte. Ich helfe dem Herrn mit dem Hänger und Wolfgang bringt das Rad der Dame wieder sicher auf einen breiteren Weg. Abenteuer hatten jetzt die Beiden und durchschwitzt sind sie jetzt auch. An der nächsten Gelegenheit wollen sie wieder das Ufer wechseln und dann auch dort bleiben.
In Schäftlarn besuchen wir auch das Kloster. Es ist heute ein Internat. Die Klosterkirche ist ein Meisterwerk des Rokoko in Bayern. Der Innenraum wirkt prächtig und hell, aber nicht überladen. Es gibt auch eine eigene Schnapsbrennerei, aber es liegt noch ein weiter Weg vor uns. Auch öffnet der Klosterladen erst um 14.00 Uhr, so dass Wir nicht einmal eine Begutachtung der Flaschen von außen vornehmen können.
Nach dem Essen in der Klosterschänke geht es steil nach oben nach Ebenhausen. So direkt nach dem Essen ist dies besonders anstrengend. Wolfgang läuft meist hinter mir, was ich nicht auf seine Kondition schiebe, sondern auf seine große Erfahrung als Radfahrer, immer im Windschatten bleiben. Dass er dies auch als Wanderer nicht ablegen kann!
Unterwegs kehren wir noch mal kurz für Kaffee und Kuchen ein. Versorgungstechnisch scheint diese Gegend ausgesprochen gut zu sein. Ich bin seit langem an offenen Wirtschaften vorbeigelaufen, weil ich ein sicheres Gefühl habe, dass weitere kommen. So kann’s die nächsten Tage weiter gehen.
Wir kommen runter an den Starnberger See. In der ersten Häuserreihe am See lässt man sich gerade die Hecken schneiden und den Garten richten. Der restliche Weg bis zu unserem Hotel geht noch über zwei Klappbrücken für Fußgänger. Dafür muss man also auch nicht erst nach Holland gehen.

Entfernung
Etappe – 33,7 km
Gesamt – 2.587,7 km

Höhenmeter
Etappe – 381 m
Gesamt – 26.016 m