Etappe 77 – Von Starnberg nach Eresing – 35,0 km

Der Tag steht unter dem Motto: wechsele den See. Es geht vom Starnberger See hinüber zum Ammersee. Prägnant ist das unruhige Leben an den Seen und die große Ruhe zwischen den Seen. Ausnahme ist das Kloster Andechs, welches wahrscheinlich keine Zeiten ohne Trubel kennt.



Starnberg – Maising – Aschering – Rothenfeld – Andechs – Herrsching – Schondorf – Windach – Eresing

Gestern Abend haben wir noch ein kleines Menu (8 Gänge) eingenommen und in keinem Gang war Fleisch. Wir mußten ja unsere verbrauchten Kalorien wieder aufzufüllen. Danach hatten wir ein gutes Völlegefühl erreicht. Überraschender Weise schmeckt das Frühstück schon wieder gut. Wir scheinen doch gestern mehr verbraucht zu haben, als wir dachten.

Erst geht es ein Stück durch Starnberg am Bahnhof vorbei. Hier wurde mehrere Jahre eine Tieferlegung des Bahnhofs geplant, damit ein vernünftiger Zugang zum See entsteht. Die Bahnstrecke verläuft genau zwischen Stadt und See. Ich kann mich noch an manche Besprechung erinnern. Derzeit ist das Projekt wieder begraben oder es liegt auf Eis. Ich bin mir sicher, dass es irgendwann mal wieder aufflammt.

Durch den Ort geht es dann in ein breites grünes Tal, das Tal der Maising, welches sich dann zur „Maisinger Schlucht“ verengt. Ein zwei Meter breiter Fußweg passt immer noch lässig neben dem Bach ins Tal. Der Weg steigt sanft weiter an bis zu einem kleineren Stausee. Eine Dame, die wohl gerade im See geschwommen ist und sich gerade dabei befindet sich wieder anzukleiden, begrüßt mich von weitem aufs herzlichste und winkt mir. Ich schwöre, ich habe die Dame zuvor noch nie gesehen. Als sie mich dann mit einem anderen Namen anspricht: „Hallo Herr Heinze, heute wohl am falschen See“, weiß ich, dass sie mich auch noch nie gesehen hat. Und ich weiß zudem, dass sie mit hoher Wahrscheinlichkeit Brillenträgerin sein muss. Beim Bekleiden hat sie diese noch nicht auf.

Über die leicht gewellte Hochfläche geht es in Richtung Kloster Andechs. Diese Landschaft ist zu lieblich und still, dass sich sogar mit Mitwanderer Wolfgang beim Laufen erholen kann. Er möchte am liebsten gar nicht weiter. Selbst als Münchner, der seine Umgebung kennt, hat er hier einen ganz anderen Eindruck der Landschaft, was auch mit der Perspektive eines Wanderers im Vergleich zu einem Radfahrer zusammenhängen kann.

Wolfgang strebt dann als Pilgerer über den Kreuzweg dem Kloster Andechs zu. Alles ist ruhig und beschaulich und keine weiteren Menschen, Autos oder Baugeräte stören die Idylle (siehe Bild). Dies ändert sich doch schlagartig, als wir das Kloster Andechs erreichen. Mit der Ruhe und Beschaulichkeit ist es vorbei und der große Trubel bricht herein. Wir essen so schnell wie möglich, und wer mich kennt weiß was dies bedeutet, um diesen Ort der Einkehr so schnell wie möglich wieder zu verlassen. Der Ort hat sich in den letzten Jahrzehnten von einem Ort der inneren Einkehr zu einem Ort der Einkehr in die Biergärten und Wirtschaften geändert. Wenn ich die Abstände in der Schlange vor dem Essen anschaue, beim Bier sieht es auch nicht anders aus, wird hier darauf geachtet, dass Corona ja nicht ausstirbt.

Selbst in der Klosterkirche ist der Besucherstrom üppig. Die Ausstattung im Rokokostil ist weit aus üppiger als in Schäftlarn, aber dafür nicht so elegant. Andechs auf dem „heiligen Berg“ ist der zweitgrößte Wallfahrtsort Bayerns nach der Anzahl der Wallfahrer gemessen. Diejenige, die wegen des Biers nach Andechs pilgern, zählen natürlich nicht dazu.

Da wir nur ein Hotel abseits der Route in Eresing bekommen haben, setzen wir mit dem Schiff von Herrsching über auf die andere Seeseite. So eine Zwischenerholungspause tut dem Körper auch gut. Schon wenige Meter hinter dem See wird es wieder ruhiger und nach zwei Stunden sind wir genug gelaufen für heute. Bei den Steigerungen bekomme ich Wolfgang morgen auf die 40 Kilometer.


Entfernung

Etappe – 35,0 km

Gesamt – 2.622,7 km

Höhenmeter

Etappe – 341 m

Gesamt – 26.357 m