Etappe 78 – Von Eresing nach Paterzell – 40,8 km

Die Wanderung heute ist zweigeteilt. Erst geht es an den Ammersee und an diesem entlang. Dann steigt das Gelände an und wenn man die Hochfläche erreicht hat, wird dies mit einer Aussicht auf die Bergkette der Alpen belohnt. Diese schöne Landschaft nennt man den Pfaffenwinkel.



Eresing – Windach – Schondorf – Utting – Riederau – Dießen – Wessobrunn – Paterzell

Bis Schondorf müssen wir die gleiche Strecke zurück, die wir gestern gegangen sind. Bei Abweichungen von der Strecke kommt dies vor. Wir ändern etwas die Wegstrecke, damit wir nicht an der Straße entlanglaufen müssen. So ermögliche ich auch Wolfgang, zwei weitere Kapellen in sein Repertoire mit aufzunehmen. Die Kapellen sind noch häufig, aber die Anzahl der Bildstöcke ist doch erheblich zurückgegangen.

In Schondorf erreichen wir wieder den Ammersee. Nach der Promenade, auf der wir direkt am See laufen können, zerschneidet der Uferweg die Grundstücke, die ehemals direkt bis an den See gingen. So ist es möglich, den See zumindest zu sehen. Von Utting bis Dießen geht der Weg zwischen dem Bahndamm und den Grundstücken durch. Die Aussicht beschränkt sich auf die Zäune und Toranlagen. Es sind viele Radfahrer unterwegs, die den See umrunden. Wolfgang ist heute gezwungen hinter mir zu laufen, da unsere Chancen unverletzt nach Dießen zu kommen, wenn wir nebeneinander laufen, sehr gering ist. Der Radverkehr ist einfach zu dicht. Aus meiner Erfahrung der letzten beiden Tage ist mein Fazit: Ammersee für Fußgänger lohnt nicht.

wir kommen doch etwas langsamer voran, vergessen aber trotzdem nicht rechtzeitig einzukehren. Wir wollten dies in Dießen machen, haben es jetzt nach Riederau vorgezogen. Das Lokal liegt direkt am See. Als wir eintreten, sind schon die Gäste von zwei Hochzeiten am Feiern. Die Feiern drängen sich nach den Ausfällen im Frühjahr. Das Essen kommt trotz der vielen Gäste schnell.

Wolfgang verlässt mich nach dem Essen. Es liegt nich am Essen, an dem es nichts zum Aussetzen gibt, sondern es zieht ihn zu seiner Für ihn heiligen Barbara, zu seiner Frau. Da kann ich auch nicht mit Maria, genauer gesagt mit dem Marienmünster in Dießen locken. Es gilt als eines der bedeutendsten Raumkunstwerke des bayerischen Barocks. Das Raumkunstwerk setzt sich aus den Skulpturen, den Altären, den Malereien und dem Stuck zusammen. Alles von Rang und Namen seiner Zeit hat daran mitgearbeitet. Aber urteilt doch selbst (siehe Bild). Jetzt könnt ihr auch nur erahnen, welche Anziehungskraft seine Barbara auf ihn hat, wenn er so etwas auslässt. Dann laufe ich halt wieder alleine weiter. Er hat mich noch beauftragt für ihn alle Kapellen und Kirchen für ihn zu fotografieren. Die vielen Fotos habe ich ihm schon zugeschickt.

Von Dießen geht es doch erheblich aufwärts über Wiesen und durch Wälder. Oben sieht es aus wie auf Almen, nur ist das Land nicht steil sondern eher leicht gewellt. Irgendwann nach einer Welle tauchen am Horizont die Alpen auf. Jetzt bin ich im Pfaffenwinkel. Die Landschaft ist herrlich, aber dies weiß ich nicht exklusiv. Es war und ist äußerst schwierig, hier Unterkünfte zu bekommen. Vielleicht wird es ab Montag besser, wobei so richtig glaube ich daran nicht.

Das nächste Kloster ist Wessobrunn. Es ist vollständig säkularisiert und gehört heute einem Kosmetikunternehmen. Die Kirche ist auch Barock, aber mit Dießen in der Prächtigkeit nicht zu vergleichen. Hier zählt heute mehr die historische Bedeutung. Es ist eines der ersten bayerischen Klöster und lässt sich seit 813 nachweisen, ist sicher aber älter. Es hat ein schönes Brunnenhaus, was mit der Gründungsgeschichte zusammen hängt.

Am Schluss steige ich noch in den Eibenwald zu meiner Unterkunft ab. Ich schlafe mitten im Naturschutzgebiet. Hoffentlich hat es nicht zu viele Wildtiere. Bis jetzt habe ich nur eine Hauskatze gesehen.


Entfernung

Etappe – 40,8 km

Gesamt – 2.663,5km

Höhenmeter

Etappe – 479 m

Gesamt – 26.836 m