Den ganzen Tag bleibe ich im Pfaffenwinkel, einer der schönsten Urlaubsregionen. Vom Hohen Peißenberg hat man auf alle Seiten hin einen herrlichen Blick auf das umliegende Land und die Alpen. Der zweite Höhepunkt, der aber ganz tief liegt, ist die Ammerschlucht.

Die Linde in Linden mit eingelassenem Bildstock 
In der Ammerschlucht 
Blick von der Brücke in die Schlucht
Paterzell – Forst – Linden -Hätten – Hohenpeißenberg – Winterleiten – Schnalz – Rottenbuch – Bad Bayersoien
Beim Frühstück spricht mich eine andere Wanderin an, die die Kontaktlosigkeit in der Corona-Zeit beklagt. Mit anderen ins Gespräch zu kommen ist mit dem Abstand schwierig, mit Maske noch schwieriger. Sie macht es anders als ich. Sie läuft mal los und sucht sich vor Ort eine Unterkunft. Sie fragt sich dann durch. Die Tagesleistung liegt dann bei 20 bis 25 km, aber auch entspannend. Sie hatte noch nie Schwierigkeiten eine Unterkunft zu bekommen und wenn es ein Pilgerzimmer (Minimalausstattung mit maximal Waschbecken).
Was man abends heruntergehen darf, muss man leider morgens wieder hinauf. Ich wähle einen anderen Weg als abends und muss erst mal 140 Höhenmeter bergauf, teilweise über Treppenanlagen. Danach geht es über einzelne Weiler und Hofanlagen weiter. Hier ist auch am Samstag ein Werktag noch ein Werktag. Der Bau auf einem Gehöft läuft ganz normal, ein Schreiner baut wo anders eine Küche ein und in einem Hof wird mit einem Bagger ein Graben gegraben. Auf dem Weg zum Weiler Linden steht eine Geschwindigkeitsüberwachungsanlage. Alle Autos bekommen ausnahmslos ein rotes Smilie, nur ich bekomme ein grünes. Ich wurde mit 4 km/h gemessen, erlaubt sind 50. Da hätte ich ruhig noch etwas Gas geben können. Der Weiler Linden hat seinen Namen von einer sehr alten mächtigen Linde, in die sogar ein Bildstock eingelassen ist.
Bei einer Pause auf einer Bank mit herrlichem Bergpanorama läuft ein „Engländer“ an mir vorbei. Schwarze Hose bis an die Knie, schwarze Kniestrümpfe, Halbschuhe, aber mit profilierter Sohle, neongelbes Shirt, läuft auf der rechten Seite, unverständlicher Gruß, dass muss ein Engländer sein. Ich hole ihn dann wieder ein und wir unterhalten uns. Mit meiner Vermutung lag ich fast richtig, er ist Rheinländer aus Altenburg. Da bin ich auch durchgekommen. Die Engländer waren doch im Rheinland als Besatzer, dies muss abgefärbt haben. Er ist auf dem Jakobsweg von München nach Lindau und bietet zu Hause auch Pilgerzimmer an.
Jetzt kommt heute schon der zweite steile Anstieg zum Hoher Peißenberg. In der Kirche wird gerade gesungen, wahrscheinlich eine Hochzeit nach den davor stehenden Leuten zu beurteilen, so dass ich gleich mal in die Wirtschaft abbiege. Hier kann man auf 988 m direkt vor die Türe fahren, so dass es hier vor Motorradfahren wimmelt. Hier wird der Berg als der mit dem schönsten Rundumblick Bayerns beworben. Oben steht eine Wallfahrtskirche, aber als eine sogenannte Doppelkirche. Unter einem Dach sind zwei Kirchen, was ja ganz geschickt sein kann. In der größeren fand vor dem Essen die Hochzeit statt, in der kleineren Kirche während des Essens eine Taufe. Die Gäste sind bereit und der Pfarrer muss nur kurz den Altar wechseln. Dass beide Kirchen prächtig ausgekleidet sind versteht sich in dieser Gegend von alleine.
Hier oben ist ein Wetterobservatorium, welches die älteste Bergwetterstation der Welt ist. Seit 1781 wird hier das Wetter durchgehend aufgezeichnet.
Der Weg führt nun steil bergab und ich gehe weiter zur Ammerschlucht. Diese ist nur an wenigen Stellen begehbar. Der Weg ist doch anspruchsvoll und es wird zurecht auf festes Schuhwerk hingewiesen. Auf einem kleinen Pfad geht es auf und ab, über Wurzeln, durch umgefallene Bäume, über Treppen und Stege und auch mal durchs flache Wasser. Jeder Meter ist hier doppelt so anstrengend wie auf einer freien Strecke. Wenn jemand entgegen kommt, muss einer ausweichen. Trotz der Anstrengung isdie Schlucht ein schönes Erlebnis, wenn man richtig ausgerüstet ist. Ein Paar überhole ich, welches doch sehr vorsichtig läuft. Sie hat feste Turnschuhe an, aber die Spuren eines Sturzes sind auf der Hose durch Schlammspuren im oberen Bereich deutlich ablesbar.
Ich bin gut durchgekommen und gehe zur Danksagung gleich in die Klosterkirche Rottenbuch. Da vieles nach der Säkularisierung geplündert wurde, sind viele Teile später ersetzt und erneuert worden. Die Kirche ist deshalb historisch nicht so bedeutend als andere, aber genauso prächtig.
Zum Abschluss weise ich noch einem älteren Paar den Weg zurück nach Bad Bayersoilen. Durch den Neubau der Brücke über die Ammer ist die Wegführung etwas unübersichtlich. Alleine die Behelfsbrücke ist bereits eine Herausforderung bei so einem hohen Tal. Es scheint wieder eine Bogenbrücke wie die ursprüngliche Brücke zu werden. Die beiden Herrschaften gebe ich gut ab und gehe den Rest ins Hotel.

Entfernung
Etappe – 35,7 km
Gesamt – 2.699,2 km

Höhenmeter
Etappe – 818 m
Gesamt – 27.654 m
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