Etappe 80 – Von Bayersoilen nach Auerberg – 34,2 km

Der Weg bleibt auch heute den Klöstern und Kirchen treu. Zuerst muss jedoch die Ammerschlucht nochmals gekreuzt werden. Dies bedeutet Ab- und Aufstiege. Die Wieskirche ist eine der berühmtesten Kirchen in Bayern. Leider für mich dient sie heute ihrem ursprünglichen Zweck, so dass ich sie nicht besichtigen kann. Über das Welfenmünster in Steingaden geht es zum Höhepunkt und Abschluss des heutigen Tages, der Kirche und dem Hotel auf dem Auerberg auf 1.055 m.



Bayersoilen – Wies – Steingaden – Urspring – Steingädele – Lechbruck – Bernbeuren – Auerberg

Als ich gestern über die Brücke beim Ort Echelsbach gegangen bin, kam der Namen mir irgendwie bekannt vor. Bei den Behelfsbrücken habe ich mich gefragt, warum diese nötig geworden sind. Hat man so lange gewartet, bis die alte Brücke nicht mehr befahrbar war? Wolfgang hat mich darauf hingewiesen, dass wir für diese Brücke den Planungswettbewerb durchgeführt hatten. Ich habe die Entwürfe mit geprüft. Jetzt ist mir die Situation wieder präsent. Die alte Brücke wurde unter Denkmalschutz gestellt. Man konnte sich darauf einigen, dass nur der untere Bogen unter Denkmalschutz steht. Der Siegerentwurf war ein neuer Bogen über dem alten Bogen. Für Rückbau und Neubau an der gleichen Stelle war eine Behelfsbrücke notwendig. Gefühlt war der Planungswettbewerb bestimmt schon 8 Jahre her. Die alten Projekte laufen einem immer wieder über den Weg, in diesem speziellen Fall bin ich dem Projekt hinterhergelaufen.

Um das erste Ziel, die Wieskirche zu erreichen, muss ich wieder die Ammerschlucht durchqueren. Also geht’s über Stufen bergab und auf der anderen Seite auf einem Fahrweg ( ca. 30 % Steigung) bergauf. Durch den nächtlichen Regen führen die Zuflüsse soviel Wasser, dass Wasserfälle entstehen. Oben erwartet mich die hier typische Landschaft mit Wiesen, Almen traue ich mich hier nicht zu sagen, und Wald.

In Wies erkenne ich die Bedeutung der Kirche schon an der Größe des Parkplatzes und den Souvenirständen. Leider ist die Kirche bis 12.00 Uhrr geschlossen, da eine Messe stattfindet. Beklagen kann ich mich da wohl nicht. Dies ist eine der prächtigsten Kirchen des Rokoko. Sie wurde als Wallfahrtskirche gebaut und ist schon seit 1984 als Weltkulturerbe gelistet. Ich laufe nach Steingaden zu dem Kloster, dass die Wieskirche in Auftrag gegeben hat.

Der Weg geht durch ein Hochmoor über Holzbohlen. Bei jedem Schritt spritzt das Wasser unter den Bohlen hervor. Wie kommt hier Gegenverkehr in Coronazeiten aneinander vorbei? Bitte 1,50 m Abstand halten. Bei Einhaltung diese Regel ist mit Verlusten zu rechnen. Mir kommt erst am Ende des Bohlenweges jemand entgegen, aber das Paar wartet bis ich den Bohlenweg verlassen haben. Regen hat auch seine Vorteile, nämlich wenig Gegenverkehr.

Als Ersatz schaue ich mir das Welfenmünster in Steingaden an. Heute steht noch maximal ein Drittel des ursprünglichen Klosters. Es ist prächtig, aber mit der Wieskirch nicht zu vergleichen. Zum Mittagessen gehe ich in die Post gleich neben dem Münster. Es ist noch eine alte, noch nicht modernisierte bayerische Wirtschaft. Außer mir sind nur Einheimische im Lokal. Dem Gespräch am Stammtisch kann ich nur in Auszügen folgen. Wenn ich folgen könnte, wüßte ich jetzt alles über die unterschiedlichen Mähwerkzeuge, ihre Kosten, die Probleme, wo man sie sich vorführen lassen kann usw. Typisch für einen guten Stammtisch ist, dass das Gespräch nie zum Erliegen kommt und die Themen elegant gewechselt werden. Schade, dass so wenige Eine so originale Wirtschaft honorieren.

Den Lech überquere ich heute bei Staustufe 3. In die andere Richtung habe ich den Lech vor Tagen bei Vöhringen bei Staustufe 21 überquert. Ab jetzt beginnt der Aufstieg zum Auerberg, dem höchsten Berg im Alpenvorland. Ob die Aussicht auch so gut ist wie am Hohen Peißenberg. Der Aufstieg ist teilweise heftig. Es fängt wieder an zu regnen. Die Kirche taucht erst unmittelbar davor aus dem Nebel auf. Es handelt sich hier auch um eine Wallfahrtskirche. Im Hotel auf dem Auerberg sagt mir der Wirt, dass ich ein Zimmer mit Aussicht habe. Ich erkenne schemenhaft den Baum vor dem Fenster. Vielleicht ist es morgen früh besser.


Entfernung

Etappe – 34,2 km

Gesamt – 2.733,4 km

Höhenmeter

Etappe – 777 m

Gesamt – 28.431 m