Etappe 81 – Von Auerberg nach Hopfen am See – 32,5 km


Vom Auerberg geht’s wieder hinunter ins Tal des Lechs, dem ich weiter Richtung Süden folge. Die Staustufen 1 und 2, welche die größten Wasserspeicher bilden passiere ich auf der Wanderung. Über einen kleinen Hügel wandere ich dann an den Hopfensee nach Hopfen am See. Hier reihen sich die Unterkünfte aneinander. Irgendwo müssen die Touristen ja hin. Die Hochalpen sind schon ganz nahe und der Blick auf Neuschwanstein ist sicher bei guten Blick noch imposanter.



Auerberg – Echerschwang – Lechbruck – Helmenstein – Schmutterweiher – Rieden – Enzensberg – Hopfen am See

Nach den Schwierigkeiten der Unterkunftsfindung Richtung Westen habe ich meine Route großräumig angepasst. Kirchen und Klöster waren jetzt genug auf den Programm. Das neue Programm heißt Wasser und Berge, die Natur dazwischen ist inclusive. Der Weg geht erst nach Süden und dann nach Westen. Alle Unterkünfte sind durchgebucht. Ich weiß also, wenn ich meine Wanderung körperlich abgeschlossen habe🙂.

Aber zuerst muss ich vom Auerberg wieder hinunter zum Lech. Noch ist es genauso nebelig wie gestern Abend. Mit dem Zimmer mit Aussicht klappt es immer noch nicht. Der Baum vor dem Fenster ist noch genauso schemenhaft wie gestern. Die erste halbe Stunde laufe ich auf der Zufahrtsstraße. Der Jägersteig, den ich zum Aufstieg genommen habe, wäre abwärts durch den nächtlichen Regen und das viele Wurzelwerk noch rutschiger. Ich möchte doch meine Kraft nicht schon am Anfang des Tages uns dann auch noch bergab vergeuden! Die erste halbe Stunde sehe ich kein Auto. Der Auerberg ist eine Sackgasse.

Unterwegs ist mir eine seltsame Sitte dieses Bergvolkes aufgefallen (heute nicht zum ersten Mal). Zum 18. Geburtstag wird ein Maibaum aufgestellt und mit allen möglichen Bildern von der Babyphase bis jetzt geschmückt. Dies habe ich heute zweimal gesehen. Hier hat noch jemand ein Plakat aufgehängt. Ihr könnt ja versuchen, das bayrische zu entziffern. Soviel kann ich verraten: wer solche Freunde hat braucht keine Feinde mehr!

Ich komme mal wieder über einen Golfplatz „Auf der Gsteig“ von Lechbruck. Ich sehe zwei Gruppen mit je 4 Personen spielen. Es sind alles Männer weit über 60. Danach müsste man Golf als Altherrensport bezeichnen. Statistisch reicht da wohl meine Beobachtung nicht aus. Sicherlich ist Montag Vormittag für ältere Menschen günstiger, einige jüngere müssen ja noch arbeiten.

Lechbruck bezeichnet sich auch als Stadt der Flößer. Der Lech wurde nie mit Schiffen befahren, aber die Flößerei hatte vor allem im 19. Jahrhundert große Bedeutung. Pro Jahr gab es mehrere 1.000 Flösse. Lechbruck war einer der Startpunkte, das Ziel meistens Augsburg. Die Flößerei endete spätestens 1903, als das erste Wehr gebaut wurde.

Der Lech wurde mit aufkommendem Wirtschaftswunder ab 1950 generalstabsmäßig für die Energiegewinnung geplant. Es wurden 26 neue Staustufen geplant, so um die 80 % auch umgesetzt. Die anderen lassen sich in der heutigen Zeit gesellschaftlich nicht mehr umsetzen. Die erste Staustufe hat den höchsten Damm und bildet mit Abstand den größten See, den Forggensee. Am Westufer entlang bin ich an vielen Bootsclubs vorbeigekommen. Auch Badestrände gibt es hier. Zum Baden eingeladen hat das Wetter heute nicht.

Von der Staustufe 2 zur Staustufe 1 mache ich noch einen Abstecher in die Hügel zum Schmutterweiher. Der Imbissstand ist leider nur am Wochenende offen. Also mal wieder kein Essen, da auch alle anderen Lokalitäten auf dem Weg heute (Montag ist Ruhrtag) oder ganz geschlossen haben. Am Schmuttersee sehe ich einen absoluten Profiangler, zumindest was seine Ausrüstung betrifft. Mehrere Angeln mit Haltevorrichtungen (nur Laien und Anfänger halten die Rute noch selbst mit der Hand), ein Kescher, ein Stuhl (Standard) und, und dies habe ich noch nie gesehen, ein perfektes Zelt zum Angeln. Vorne ist es offen mit Regenverdeck, seitlich sind Sehschlitze, da man ja auch wissen muss, wer so kommt. Ein Boden ist ebenfalls im Zelt vorhanden. Eine Klimatisierung des Zeltes wäre für mich keine Überraschung mehr. Alles ist vom Feinsten und perfekt farblich aufeinander abgestimmt bis auf eine Ausnahme. Der Hund passt farblich gar nicht.

Auf dem letzten Stück nach Hopfen am See sehe und rieche ich wieder einen Bauer, der Gülle ausfährt. Sein Equipment ist nicht ganz so professionell Wie das des Anglers oder wie das des Bauern mehrere Kilometer Lech abwärts (siehe Etappe 73), deshalb muss er einfach langsamer beim Verteilen fahren, um alles auch gleich intensiv los zu werden. Ihm gehören wohl beide Wiesen links und rechts meines Wanderweges. Die Verteilung wird doch nicht wegen einem Wanderweg unterbrochen. Für mich heißt dies durch und danach durch frisches Gras laufen, um die Schuhe wieder zu säubern.

Zu meiner eigenen Überraschung habe ich festgestellt, dass ich ja schon zum 3. Mal den Mount Everest bestiegen habe, zumindest was die Höhenmeter betrifft, und schon fleißig bei der vierten Besteigung bin. Die Talauen habe ich schon längst verlassen und müsste mich dem ersten Basislager nähern. Auch meine errechnete Länge von 2.725 km habe ich schon im wahrsten Sinne des Wortes überschritten. Damit habe ich ja auch gerechnet (+ 5 bis 10 %). Ein bisschen muss und darf ich noch.


Entfernung

Etappe – 32,5 km

Gesamt – 2.765,9 km

Höhenmeter

Etappe – 405 m

Gesamt – 28.836 m