Die Alpen sind jetzt allgegenwärtig. An dem Nordrand wandere ich gegen Westen. Erst geht‘s vom Hopfensee zum Weißensee und dann über die erste Bergkette nach Pfronten. Dort kann ich der Vils folgen, bevor ich die zweite Bergkette nach Jungholz überwinde.

Eine stolze Allgäuerin 
Exklave Jungholz, man lebt halb und halb 
Pfronten im Allgäu
Hopfen am See – Am Fischerbichl – Gunzenberg – Oberkirch – Pfronten – Langenschwand – Jungholz – Gießenschwand
Alleine für das Wetterspiel über dem See hat sich die Wanderung hierher gelohnt. Gestern Abend, das Hotel hat einen Wintergarten direkt zum See, war es dießig und die Berge schimmerten bläulich leicht verschwommen. Beim Sonnenuntergang wechselte die Farbe in zarte Rosatöne bevor die Berge wieder bläulich und dann Schwarz wurden. Heute Morgen ist noch alles in Weiß getaucht. Langsam kämpft sich die Sonne von oben nach unten durch. Es sieht aus, als ob der Nebel nach unten gedrückt wird und die Sicht darüber ist ganz klar. Danach löst sich auch der Nebel unten überm See auf und die Berge sind wieder in einen sanften Schleier gepackt. Dann löst sich der Dunst ganz auf und die Berge strahlen klar über dem See. Von Osten ziehen auf einmal Nebelschwaden herein, die von der Sonne bekämpft werden. Die Sonne obsiegt schließlich. Dieses ganze Naturschauspiel spielt sich innerhalb einer halben Stunde ab. Glücklich wer früh aufsteht. Ich bin noch der einzige beim Frühstück!
An diesem sonnigen Morgen beginnt mein Weg entlang des Hopfensees. Im Norden ist die Stadt Hopfen mit ihren Hotels, im Süden ist das Schilf und dazwischen sind die Wiesen mit den Kühen. Es geht über kleine Weiler zum Weißensee. In Oberkirch geht‘s bergauf die Alte Steig. Die Autos fahren eine Umgehungsstraße mit sanftereN Steigungen. Das nächste Ziel ist Pfronten im Allgäu. Die Stadt wird auch die 13 Dörfer-Stadt genannt, da sie nur aus diesen besteht. Einen Ortsteil Pfronten gibt es nicht. Sie ist schon seit Jahrhunderten eine Verwaltungseinheit. Ich schaue mir die schönste Kirche in der Stadt an, die St. Nikolaus Kirche. Sie ist schön, aber kein Vergleich mit den zuvor betrachteten Kloster- und Wallfahrtskirchen. In den Klöstern war doch wohl weit aus mehr Geld vorhanden als in den Städten.
Die Stadt ist völlig verstopft mit Autos. Sie stehen mehr als sie fahren. Der Staubeginn ist jedoch außerhalb der Stadt an der nahen Grenze zu Österreich. Es werden gerade wohl strengere Kontrollen mit den beschriebenen Auswirkungen durchgeführt. Während der Mittagszeit war wohl Schichtwechsel, danach ist der Stau vorbei.
Von Pfronten geht es die Vils aufwärts, aber immer mit spürbarer Steigung. Ich bin jetzt halt im Gebirge. Der Weg ist asphaltiert und somit fahren auch viele Radfahrer. Es gibt an der Strecke wenige Bänke um Mal kurz zu rasten. Diese sind dann mit Fahrern von e-Bikes belegt, die hinausfahren und sich auf der Bank bei Keksen sonnen. In Normalzeiten kein Problem, aber in Corona-Zeiten kann ich mich nicht einfach dazusetzen. Dieses Phänomen hört nach der Steigung von 20 bis 25 % über ein längeres Stück sofort auf. Hier kommen wohl die unsportlicheren e-Bikefahrer nicht mehr hoch.
Ziel ist die Gemeinde Jungholz im Tannheimer Tal, eine Exklave Österreichs. Sie ist rings herum von Bayern umgeben und grenzt nur an einem Punkt an Österreich. Erreichbar ist das Tannheimer Tal nur von Deutschland aus. Die Verwaltung erfolgt ebenfalls von Deutschland. Das man in Österreich ist, sieht man vielleicht an den Autokennzeichen, spüren kann man es kaum. Die Dame an der Rezeption hat die gleiche tschechische Klangfärbung wie die auf den Auerberg. Bei genauem hinsehen kann man jedoch erkennen, dass es Österreich ist. Jungholz hatte mit 300 Einwohnern drei Banken und somit die höchste Bankendichte Österreichs. Durch die Verschärfung der Gesetze ist es wohl nicht mehr so einfach sein Geld hier schwarz unterzubringen. Von zwei dieser drei Banken habe ich die Hinweisschilder gesehen, dass sie hier jetzt geschlossen haben und man wieder zur Beratung ins richtige Österreich muss. Bin ich froh, dass ich im Rucksack nur Wäsche habe und kein Geld. Der Weg wäre umsonst gewesen.

Entfernung
Etappe – 27,5 km
Gesamt – 2.793,4 km

Höhenmeter
Etappe – 594 m
Gesamt – 29.430 m