Die letzte Etappe geht in die hochalpinen Alpen des Allgäus. Der Weg führt immer dem Tal entlang, erst sanft ansteigend, dann zunehmend, bis der Kamm zu Österreich erreicht wird. Markiert wird das Ziel durch einen, wie könnte es anders sein, markanten Grenzstein.

Inoffizieller Viehscheid 
Das Ziel glücklich erreicht 
„Belohnung“ für 2.875 km, Milch und Kuchen
Oberstdorf (Fellhornbahn) – Burgsau – Alpe Eschbach – Buchrainer Alpe – Breitengehrenalpe – Schwarze Hütte – Grenze Österreich und zurück
Um die Strecke zu beschreiben, reicht es nicht mehr aus, Teilorte aufzuführen, sondern ich muss auf einzelne Gebäude herunter. Ich habe solche gewählt, die auch einen gewissen nahrhaften Hintergrund haben.
Der Bus fährt erst mal die Route entlang, die ich gestern gewandert bin, vorbei an der Skiflugschanze, der Talstation der Fellhornbahn bis nach Birgsau, genauer zur Alpe Eschbach. So war der Plan. Der Bus fährt jedoch nicht so weit, bei der Fellhornbahn ist Schluss. Erklärungen bekommen wir keine, nur dass wir laufen sollen.
Beim Laufen bis zur Endstation des Busses sehe ich auch den Grund, warum der Bus nicht weiter konnte. Uns kommt eine Herde Kühe entgegen. Am 13.09 jedes Jahres ist Viehscheid oder wie es anderswo heißt Almabtrieb. Wenn der 13. auf einen Sonntag fällt, wird der Viehscheid vorgezogen. Offiziell ist der Viehscheid dieses Jahr abgesagt, aber irgendwie müssen die Viecher ja von den Almen runter. Die Herde zieht an uns vorbei, geführt und getrieben von jungen Burschen. An den Alpen bekommen die Burschen immer eine Wegzehrung. Wie sicherlich allgemein bis Hamburg bekannt, ist eine Alpe ein kleiner Bauernhof auf Zeit (Sommermonate), oft mit einem kleinen Bewirtungsbetrieb. Außerhalb des Allgäus werden sie Almen genannt. Ich sehe beim Weiterlaufen überall leere Bierflaschen säuberlich abgelegt, damit es keine Scherben gibt.
Ich sage wir, da ich heute nicht alleine wandere, meine Frau begleitet mich auf der letzten Etappe. Wir gehen erst einmal das Stillachtal weiter aufwärts bis zum Ursprung der Stillach. Hier wiederholt sich das Muster, denn die Stillach entsteht durch den Zusammenfluss von Bachenlochbach und Rappenalpbach. Dann also weiter im Rappenalpbachtal. Der Weg ist die Erschließungsstraße des Tals.
Danach wird das Tal schmaler und der Weg doch um einiges steiler. Auch die Radfahrer sind jetzt wohl mit dem Frühstück fertig und fahren jetzt vermehrt an uns vorbei. An der Schwarzen Hütte endet die Straße und der Privatweg beginnt. Wir kehren erst mal ein, um auch das letzte Stück gestärkt angehen zu können. Dies war auch notwendig, da der Weg über längere Strecken mit über 30 % ansteigt. Ich sehe, wie das Tal am Ende zumacht und es nur noch über den Grat weitergehen kann. Bei der Trift-Hütte wird die letzte Rast gemacht, bevor es zum Grenzstein geht. Hier oben gibt es viele Murmeltiere, die auf die Entfernung schwer zu sehen aber mit ihrem Pfeifen um so besser zu hören sind. Im Herbst sind dies schon recht fette Genossen. Der Grenzstein ist zwar nur ca. 200 Meter von der Hütte entfernt, die übrigens das südlichste Bauwerk Deutschlands darstellt, aber leider Luftlinie. Wir müssen noch über 100 Höhenmeter und mehr als einen Kilometer gehen, das letzte Stück sogar im Fels kraxeln. Endlich geschafft. Der Grenzstein steht vor mir auf einer Höhe von 1.881 Metern. Er zeigt die Grenze zwischen Deutschland und Österreich an, aber genauso zwischen Bayern, Tirol und Voralberg. Jetzt könnte ich eigentlich Schluss machen, aber wir müssen ja vom Berg auch wieder herunter.
In der Schwarzen Hütte kehren wir nochmal ein und ich feiere den Abschluss mit einem Glas Milch und einem Stück Kuchen. Na ja, heute Abend wird es wohl noch etwas mehr zu essen und zu trinken geben. Beim Runtergehen stellen wir mit Entsetzen fest, welche steilen Stücke wir hochgegangen sind. Irgendwo müssen die 1.250 Meter ja herkommen. Unten angekommen sehen wir gerade den Bus an der Endstation wenden. Also auch zu guter Letzt noch ein Endspurt und wir können in den Bus steigen.
Es ist schon merkwürdig, die ganze Zeit hatte ich bis auf die Begegnungen mit den Kollegen nichts mehr mit dem Geschäft zu tun und am letzten Tag ruft ein alter Kunde an und wollte noch etwas wissen und einen Ratschlag. Ich dachte, jetzt hat dich der Alltag wieder, aber es ist ja nicht mehr mein Alltag.
So, jetzt ist es auch schön, dass die lange Wanderung zu Ende ist. Das räumliche Ziel ist erreicht, das Ziel für den Grund der Wanderung nur bedingt. Ich wollte ja mit allen Kollegen noch mal zum Abschied Essen gehen, was leider wegen Corona nicht möglich war. Es war trotzdem schön, einige Kollegen getroffen zu haben. Wir haben das Beste daraus gemacht.
Was war das Anstrengendste? Wenn ich ehrlich bin, dass Schreiben des Blogs. Nach den Wanderungen duschen, schreiben, essen und vielleicht noch mal schreiben. Drei Mal bin ich darüber eingeschlafen, aber ich habe es gerne gemacht, sonst hättet ihr mich gar nicht begleiten können.
Was war das Schönste? Das kann ich nicht sagen, wahrscheinlich, dass ich dies trotz Corona jetzt gemacht habe. Es ist eher das ganze Projekt mit all seinen Facetten. Und das Schlechteste? Da gibt es so ein paar wenige Erlebnisse hauptsächlich mit den Unterkünften, aber die vergesse ich möglichst schnell.
Für den Abschluss war es noch einmal eine heftige Etappe! Dies war nicht der letzte Bericht, morgen kommt noch einer. Ihr wisst jetzt, schreiben ist für einen Nicht-Literaten wie mich anstrengend, also muss ich mich jetzt erst einmal stärken gehen. Also dann bis morgen!

Entfernung
Etappe – 29,7 km
Gesamt – 2.875,0 km

Höhenmeter
Etappe – 1.250 m
Gesamt – 31.331 m