Danksagung für 2.875 gemeinsame Kilometer

Auf diesem Wege möchte ich mich bei all jenen bedanken, die mich auf welche Art auch immer, auf dieser langen Wanderung begleitet haben. Jeder, der dies jetzt liest, ist somit gemeint. Aber auch nicht vergessen möchte ich all jene, deretwegen ich die Wanderung überhaupt gemacht habe. Es sind die vielen Kolleginnen und Kollegen, die mich jahrelang beruflich begleitet haben.



Flensburg – Oberstdorf

Die Schuhe sind abgelaufen, das Profil ist gleich Null, die Füße sind müde, aber heil, und der Geist ist noch ganz in Ordnung. Ich hatte das Glück, 85 für mich außergewöhnliche und schöne Tage verbracht zu haben. Die Sicht auf die Welt und vor allem die Menschen hat sich nicht geändert, aber sie wurde geschärft.

Ich bin in vielen Kapellen, Kirchen und Klöstern gewesen, um dort meine Danksagungen loszuwerden. Dort hätte ich danksagen können, dass ich die Gesundheit habe, so eine Strecke machen zu können. Mit Ausnahme von ein paar Blasen am Anfang, welche ich durch das Wechseln der Schuhe in Hamburg abstellen konnte, habe ich keinerlei Probleme gehabt. Die Füße wurden ab und zu müde, was ja eher ein gutes Zeichen ist, dass der Körper funktioniert.

Der Dank gilt erst mal meiner Familie, die mich bei dem Projekt doch tatkräftig unterstützt hat. Meine Frau hat es natürlich erst mal am schwersten erwischt, sie musste über zwei Monate auf mich verzichten😉. Sie hat mich am Anfang, in der Mitte und am Abschlusstag begleitet. Die Etappen waren nicht gerade kurz. Ihr könnt leicht ablesen, wenn sie dabei war: Die Texte sind fehlerfrei. Erst musste sie zuhause alleine zurecht kommen, und bald wieder ist jemand zuhause. Frei nach Loriot: Was tust du denn hier? Ich wohne hier. Aber doch nicht um diese Zeit!

Den Dank an meinen Sohn kann ich nur nochmal wiederholen. Ohne ihn hätte es den ganzen Blog gar nicht gegeben. Er hat ihn vorbereitet, meine Anregungen eingearbeitet und das Schwierigste, mir die Handhabung beigebracht, und dies nicht nur einmal. Eine gemeinsame Etappe hat er sogar auf sich genommen.

Meine Tochter hat mich in Berlin begleitet und hat abends für ein Menü mit Weinbegleitung gesorgt. Sie wollte wahrscheinlich nicht, dass ich mich vom Wein ganz entwöhne, man hat ja schließlich auch selbst etwas von guten Weinen in Haus.

Nicht zu vergessen meine Verwandtschaft, die ich unterwegs besucht habe und die mich verköstigt hat, egal ob in Bonn, Guttenbach oder Marbach und fast in Brandenburg.

Besonders leiden mussten alle Mitwanderer, die eine, zwei oder mehrere Etappen auf sich genommen haben. Meistens ging es mit Schwung los und später mit etwas gemäßigtem Tempo. Es ist nicht einfach, mit jemanden zu wandern, der täglich über 30 km läuft und dann erst warm wird. Man möchte mithalten, aber der Körper…. Von manchen weiß ich, dass sie noch tagelang an mich dachten, spätestens wenn sie wieder aufgestanden und losgelaufen sind.

Der eigentliche Zweck war ja meine Abschiedsrunde in den Büros, in denen ich ein- und ausgegangen bin. Leider hat dies mit den gemeinsamen Abendessen wegen Corona nur bedingt geklappt. Ich habe mich über alle gefreut, die ich getroffen habe, ob zu einem kurzen Plausch oder doch zum Essen. Danke, dass ihr an dem jeweiligen Tag da wart und euch die Zeit genommen habt.

Besonders gemerkt habe ich an vielen Kommentaren, Schreiben oder Nachrichten, dass ich nicht alleine gelaufen bin. Es waren also noch viele andere aktive Teilnehmer dabei. Manche Nachrichten kamen auch nicht direkt zu mir, sondern über Mittelsleute. Es ist schön, wenn man die Teilnahme spürt. Auch viele Ratschläge und Tipps waren dabei. Aber auch Vorschläge für die Zukunft habe ich bzw. meine Frau bekommen: Sie soll mich zwei Wochen aufpäppeln und dann wieder losschicken, aber ich müsste wieder einen Blog schreiben. Zwei Wochen zum Aufpäppeln sind doch etwas zu kurz. Dies kann ich auch länger genießen. Den Vorschlag, dies alles in ein Buch zu fassen, bekam ich mehrfach. Als großen Literaten sehe ich mich trotz eines 85-tägigen Blogs auch weiterhin nicht.

Das ist der Übergang zu meinem Bildungsauftrag. Überall auf der Tour bin ich großen Dichtern und Denkern begegnet, entweder sie waren in der gleichen Unterkunft, haben den gleichen Berg bestiegen oder sonst irgendwo auf der Route gewirkt. Von Mörike, Heine, Schiller, Fontane und weiteren habe ich berichtet. Einige haben mich dabei unterstützt, indem sie mir ganze Werke oder ein Gedicht zukommen haben lassen. Wer erinnert sich noch an den Vierzeiler von Heinrich Heine über den Brocken? Ich werde ihn nicht mehr vergessen. Vielen Dank für die Mithilfe beim Bildungsauftrag!

Mein Dank gilt auch all jenen, die den Blog gelesen haben. Ich war nie alleine auf meiner Wanderung. Wenn ich weiß, dass viele schon auf den nächsten Bericht warten, gehe ich mit offeneren Augen durch die Welt. Morgens dachte ich oft, heute gibt‘s nichts zu berichten und abends war die Seite länger als zuvor. Ihr habt mich immer wieder angestachelt, trotz Müdigkeit noch was zu schreiben. Nur dreimal hat der Schlaf kurzzeitig gesiegt.

Ich möchte von den 85 Tagen keinen missen und habe jetzt das Glück, jeden nochmal nachlesen zu können. An euch vielen Dank für diese schöne gemeinsame Reise.

Euer

Jürgen Laukemper


Entfernung

Gesamt – 2.875 km

Höhenmeter

Gesamt – 31.331 m