Etappe 50 – Von Rhöndorf nach Bad Breisig – 31,9 km

Heute ist eine Jubiläumsetappe, die 50-igste. Sie fängt schon mal gut an mit Frühstück im Garten bei noch angenehmen Temperaturen. Mit der Fähre setzte ich das erste Mal über den Rhein, bevor es am Rolandseck vorbei am Museum arp hoch in die Wälder geht. Das Museum besteht aus zwei Teilen, den alten Bahnhof und einen Neubau. Herunter komme ich an der Apollinaris-Kirche in Remagen. Am Rhein entlang ist etwas zum Mittagessen zu finden kein Problem. In Remagen geht es natürlich an der berühmten Brücke von Remagen vorbei. Heute stehen noch auf beiden Seiten die Brückenpforten als Denkmäler. Nach der Überquerung der Ahrmündung mache ich noch einen Abstecher nach Sinzig, bevor es wieder an den Rhein nach Bad Breisig geht.



Rhöndorf – Bad Honnef – Rolandseck – Bandorf – Remagen – Kripp – Sinzig – Bad Breisig

Genau sieben Wochen bin ich Tag für Tag gewandert und habe immer noch nicht die Schnauze davon voll. Heute ist der 50-igste Tag, ein Jubiläum wenn man eins möchte. Auch heute Morgen bin ich ohne Wecker aufgewacht. Die Abläufe sind routiniert und es ist klar, was vor und was nach dem Frühstück gemacht wird. Abweichungen gibt es nur, wenn es späht Frühstück gibt. Dann kann es auch sein, dass ich schon mit Wanderschuhen und Rucksack beim Frühstück sitze. Den Rucksack nehme ich natürlich zum Essen ab.

Heute darf ich mal wieder draußen im Garten sitzen bei sehr angenehmen Temperaturen. In der Zwischenzeit ist jetzt wieder überwiegend Buffet mit Selbstbedienung angesagt. Im schönsten Teil von Rhöndorf habe ich schon gewohnt, wie ich beim weiterlaufen feststellen muss. Es geht zur Fähre nach Bad Honnef. Vom Preis für eine Überfahrt bin ich von den Socken. Über die Elbe durfte ich immer 2 oder 3 € bezahlen, jetzt nur 90 Cent. Der Preis ist billiger, dafür ist der Fluss breiter. Sucht nicht nach der Logik, ich habe sie auch nicht gefunden.

In Rolandseck auf der anderen Seite ist das arp-Museum genau im Blick (siehe Bild). Es besteht aus einem alten Teil im alten Bahnhof und einem Neubau von Richard Meier. Verbunden sind beide Teile durch einen nachgebauten Bahntunnel unter der zwischen den beiden Gebäuden durchführenden Bahntrasse. Leider hat das Museum um diese Zeit noch nicht offen. Das Austellungskonzept ist neben Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp eher sehr gemischt. Die Bauwerke sind schon von außen spannend.

Endlich mal wieder ein richtiger Anstieg und dann oben durch den Wald. Es ist zwar schon warm, aber im Wald noch aushaltbar. Herunter komme ich in Remagen an der Appollinaris-Kirche, einen 1857 geweihten Bau mit vielen Malereien im Narazenischen Stil. Für mich wirkt die Kirche wie eine alte orthodoxe Kirche.

Der Ort Remagen hat sogar eine Fußgängerzone, aber zu dieser Zeit spielt sich das Leben an der Promenade ab. Ich kann sogar zwischen verschiedenen Lokalen aussuchen. In der Innenstadt wird mir sofort mit der unterschwelligen Aufforderung mich ja nicht hinzusetzen gesagt, dass es erst ab 12.00 Uhr geöffnet wird. Ich bin leider 10 Minuten zu früh dran.

An der Brücke von Remagen (siehe Abschnittsbild) muss ich natürlich vorbeilaufen. Die Brückentore stehen noch auf beiden Seiten als Mahnmal für den Frieden. Es gibt einen oder sogar mehrere Filme über die Verteidigung der Brücke. Es war die einzige Brücke über den Rhein, die zum Ende des Zweiten Weltkrieges nicht rechtzeitig gesprengt wurde. So konnten die Amerikaner einen Brückenkopf auf der Ostseite des Rheins aufbauen. Wenige Tage später brach die Brücke unter den Lasten zusammen. Indirekt hat das Versäumnis der rechtzeitigen Sprengung wahrscheinlich den Krieg verkürzt und viele Leben gerettet. In einem der Brückentore ist ein Friedensmuseum, aber Frieden hat heute geschlossen.

Weiter gehe ich bis zur Mündung der Ahr, bevor ich nach Sinzig abbiege. So klein habe ich mir die Ahr beim besten Willen nicht vorgestellt. Wahrscheinlich habe ich den Fluss mit den mir bekannten hervorragenden Weinen von der Ahr mit erhöht. So gute Weine können doch nicht von so einem mickerigen Fluss kommen. Jetzt ist es schon drückend heiß, so dass ich den Umweg über Sinzig schon fast bereue. Nicht nur mir ist es heiß, sondern auch den Kühen. Der Schattenplatz ist eng belegt und keine Kuh bewegt sich. Es muss lustig aussehen, wenn die Kühe mit dem Stand der Sonne jede viertel Stunde einen Schritt vorgehen. Ich würde ihnen gerne zurufen, dass es hier noch mehr Bäume gibt, aber kühisch kann ich nicht.

Im Hotel angekommen direkt an der Rheinpromenade bestelle ich erst mal zwei große Radler. Dies erweckt erst mal Erstaunen, jedoch nach einer Minute ist der Sinn klar. Das erste Glas ist leer und ich fange an, dass zweite zu genießen. Am Nebentisch sitzen sechs Camper und Bootsbesitzer, die sich wohl schon aus früheren Jahren kennen. Ich vermute, dass die Leute aus vier Haushalten kommen. Der Star ist ein Schweizer, der ein Wohnmobil deluxe haben muss. Der Abstand ist nahezu Null. Sie echauffieren sich aber heftigst über die Demonstrationen in Berlin. Das eigene Verhalten wird nicht hinterfragt. Beim Abendessen ist es immer noch so warm, dass möglichst wenig Bewegung angesagt ist.

Heute bin ich vernünftiger Weise weniger als 32 km gelaufen. Ich höre ja auf meine Frau. Sie hat mir gesagt, dass bei solchen Wetterlagen mehr Menschen sterben und am gefährdesten sind Männer über 60. Sie glauben anscheinend, dass sie trotz Hitze alles wie sonst machen können. Und da ich immer sofort auf meine Frau höhre, was sie euch sicher bestätigen wird, habe ich etwas verkürzt. Für Morgen muss ich mir noch etwas überlegen.


Entfernung

Etappe – 31,9 km

Gesamt – 1.767,0 km

Höhenmeter

Etappe – 434 m

Gesamt – 15.057 m