Etappe 51 – Von Bad Breisig nach Sayn – 32,1 km

Bei der angesagten Hitze weiche ich zeitlich aus und laufe schon um 6.30 Uhr los. Zuerst geht es direkt am Rhein entlang, bis ich in die Weindörfer Hammerstein und Leutesdorf hinein wechsle. Der Erste größere Ort ist Neuwied. Ein Schloss, eine Burg oder zumindest eine Ruine hat hier wohl jeder Ort. Ich kann nicht verhehlen, dass eine gewisse Abstumpfung eintritt, nicht nur durch die Hitze bedingt. Den Rheinauen entlang, aber mit Abstand zum Fluss, geht es nach Engers. In der Hitze erinnert mich der Weg mehr an Umbrien als ans Rheintal (siehe Bild). Dann geht es ein bisschen hoch zum Stammsitz der Sayn-Wittgenstein nach Burg, Schloß und Abtei Sayn.



Bad Breisig – Brohl – Hammerstein – Leutesdorf – Neuwied – Engers – Sayn

Nach einer unruhigen Nacht stehe ich trotz wenig Schlaf früh auf. In irgendeiner der Wirtschaften wurden Ballermannlieder gesungen und in einer anderen stimmte eine gut ausgebildete voluminöse Stimme Weinlieder oder Volkslieder an, was ja hier das gleiche ist. Fenster zumachen geht bei den Temperaturen nur kurzzeitig. Also lieber Lärm oder Musik, je nach Sicht- bzw. besser Hörweise. Nachts hört man dann deutlich die vielen Güterzüge, aber genauso, gefühlt sogar noch lauter, die Schiffe, wenn sie vollbeladen rheinaufwärts tuckern.

Also bin ich um 6.30 Uhr ohne Frühstück losgelaufen (dies gibt es erst ab 8.00 Uhr). Die Sonne ist noch hinter dem Talrand. Eigentlich wollte ich linksrheinisch bis Andernach laufen, habe mich aber sehr spontan aus drei Gründen bei der Fähre anders entschieden:

  • Die Fähre ist gerade da und ich kann sofort drauf gehen,
  • ein Kollege kommt aus Hammerstein und ich wollte mir diesen grandiosen Ort mal ansehen und
  • die andere Seite ist die Ostseite und liegt länger im Schatten.

Hammerstein als Weinort hat schon fast monopolistische Züge. Fast alle Weinberge gehören zum Weingut Scheidgen, der daraus recht anständige Weine macht (Meisterstück ist ein leichterer eleganter Riesling). Nein, ich war noch nicht zur Probe. Diese war noch geschlossen und öffnet erst um 8.00 Uhr, aber auch dies wäre mir zu früh.

Auch der zweite Weinort Leutesdorf ist noch eher ein Wohn- und Arbeitsort und noch nicht voll auf den Tourismus ausgerichtet. Die Orte kommen erst noch weiter rheinaufwärts. Die ersten kehren noch vor der Hitze den Kandel sauber, natürlich um diese Zeit mit dem Besen und nicht mit dem Laubbläser. Der Weg ist ein Bahnbegleitweg, der teilweise recht zugewachsen ist. Dafür muss ich mir diesen Weg weder mit Radfahrern noch mit Hundebesitzern teilen.

In Neuwied in der Altstadt möchte ich das Frühstück nachholen. Hunger habe ich jetzt. Das erste Café hat Corona nicht überlebt, dann halt weiter zum nächsten. Vor dem Café sind alle Plätze belegt, dann halt hinein. Innen sind auch alle Plätze belegt, aber o Wunder auf der Innenterrasse sind noch Tische frei. Nach kurzer Zeit weiß ich warum: Wespen. Nein nicht einige wenige, sondern Massen. Bei meinem kleinen schnellen Frühstück umschwirrten mich mindestens 10 sehr friedliche Wespen. Bei der Dichte besteht eher die Gefahr, dass man mal eine versehentlich mitisst, sich anlehnt oder eine hinter die Brille kommt. Also schnell weiter und noch was zum Trinken bei EDEKA.

Nach der Stadt gehe ich durch ein Naturschutzgebiet. Mich hat die direkte Umgebung eher an einen Urlaub in Umbrien als ans Rheintal erinnert. Auch hier ist jetzt mein Horizont erweitert. Jetzt sind es schon 32 Grad und der Berg kommt erst noch. In Engers kurz ein Bild vom Schloss geschossen und schnell in die Schlossstraße. Dort sind die ganzen Lokale des Ortes. Und jetzt kommt dass, was ihr schon kennt, mit ein paar Nuancen: es ist Samstag, und trotzdem haben die Lokale mittags zu; eine Bierpinte hat sogar offen und die Theke ist gefüllt; auch der Italiener hat geschlossen aber ganz am Ende der Straße, ist noch ein Grieche und der hat offen.

Nach Essen und trinken kann ich gestärkt bei jetzt 34 Grad den Aufstieg angehen, der weniger schlimm war als befürchtet. Die Straßenseiten werden nach der Menge des Schattens nicht nach Gehwegbreite oder anderen Dingen gewählt. Ich komm dann in Sayn an. Hier ist der Stammsitz des Geschlechtes Sayn-Wittgenstein. Wie es scheint ist die Last der Instandhaltung von Burg, Schloß und Abtei schon an die öffentliche Hand übergegangen. Ein Brunnen erinnert an den Spitznamen der Sayner. Ich kann ihn wegen des Dialekts weder sagen noch verstehen. Er heißt übersetzt „Barfüssler“. Die Leute waren so arm, dass sie sich keine Schuhe leisten konnten. Einmal im Jahr war der Fürst so großzügig (der Sage nach), dass er den Kindern Schuhe schenkte. Er hätte natürlich alternativ auch dafür sorgen können, dass die Bewohner genügend Auskommen gehabt hätten. Ob sich dies mit Unterhalt des Schlosses etc. bis heute fortsetzt?

Ganz interessant finde ich ein neues Gebäude direkt am Schloss. Ein Architekturbüro hat dort sein neues Domizil eröffnet. Ich finde ein spannender Kontrast, aber urteilt selbst.

Das Schloss mit Gastronomie eignet sich für Hochzeiten. Im Park werden nach dem Kaffee noch die Familienbilder geschossen. Es ist ein stetiges Wechseln wer mit wem auf dem Bild ist und ob sie jeweils links oder rechts des Brautpaars stehen, ob sie sich nur mit der Braut aufstellen oder mit dem Brautpaar. Dies ist eine Show für sich. Mir fällt auf, dass keine Bilder nur mit dem Bräutigam und anderen gemacht werden. Vielleicht bin ich auch nur zu spät gekommen oder zu früh gegangen. Ich muss mir doch mal meine Hochzeitbilder wieder anschauen……


Entfernung

Etappe – 32,1 km

Gesamt – 1.799,1 km

Höhenmeter

Etappe – 107 m

Gesamt – 15.164 m