Etappe 52 – Von Sayn nach Rhens – 31,5 km

Bis jetzt ist das Rheintal breit und die Hügel steigen relativ sanft an. Der Rhein war jedoch auch immer sehr umkämpft, wovon die vielen Befestigungsanlagen oder was noch davon übrig ist, zeugen. Das markanteste Beispiel seit wohl 2000 Jahren ist Ehrenbreitstein. Mit Zusammenfluss vom Rhein und Mosel am Deutschen Eck ist eines der meistbesuchten Denkmäler geschaffen worden. Eine große Anzahl von Schiffen zeigt den Touristen den Rhein im Kurzdurchgang (X Burgen in einer Stunde). Ab Koblenz wird das Rheintal jetzt enger und es beginnt der typische Mittelrhein (Weltkulturerbe). Dazu gehören auch die typischen romantisierten Burgen wie beispielsweise Burg oder Schloß Stolzenfels (siehe Bild), die fast alle im 18. und 19. Jahrhundert, wenn auch überwiegend an historischen Orten, geschaffen wurden. Ob dies nun Burg oder Schloß genannt wird spielt keine Rolle, da diese meist von wohlhabenden Industriellen geschaffen wurden.



Sayn – Bendorf – Vallendar – Ehrenbreitenstein – Koblenz – Stolzenfels- Rhens

Die Restaurants, die etwas vornehmer sein wollen, den großen Sprung aber nicht schaffen, haben meist das Problem beim Personal und weniger beim Essen (siehe auch Etappe 30). Dies war gestern Abend wieder eine Lektion. Ich saß bei schönem Ambiente draußen. Bei der Flasche Wasser kam kein Kühler mit, ein „muss“ bei noch über 30 Grad. Ich mußte ihn zweimal nachbestellen. Übrigens muss ich meinen Weißwein auch zweimal bestellen. In dem Punkt waren sie konsequent. Die Vorspeise kam, eine kalte Gurkensuppe mit Räucherlachs, aber leider ohne Löffel. Es bestand die Gefahr, dass sie warm wird. Die Hauptspeise kam, aber leider hatte ich kein Besteck mehr, da ich dies für das Räucherlachstück in der Suppe gebraucht hatte. Der Rotwein zur Hauptspeise, jetzt bei nur noch 29 Grad, hatte Zimmertemperatur, viel zu warm bei den Außentemperaturen. Dann wollte ich noch einen Degistif, einen was war die Gegenfrage. Bitte einen Schnaps aus der örtlichen Brennerei (es gab Schnaps aus Vallendar). Sie muss erst den Chef fragen. Sie brachte mir dann einen Mirabellenschnaps ohne nachzufragen, was für eine Sorte ich möchte. Aber er war sehr fruchtig und mild. Ob er aus der Brennerei kam, kann ich nicht sagen. Aber sonst war alles gut. Jeder der einzelnen Punkte ist kein Problem, die Summe macht’s. Das Essen war gut, das Ambiente sehr schön und ich ganz entspannt.

Geschlafen habe ich hervorragend in einem kühlen und leisen Zimmer. Ich bin erst um 7.00 Uhr aufgewacht. Am Frühstück gibt es nichts auszusetzen. Kann ich bitte noch einen Orangensaft dazu bekommen. Aber gerne. Ein Tischnachbar springt auch gleich mit auf. Da es noch recht früh und Sonntag ist, laufe ich entlang der Bundesstraße bis Bendorf. In Bendorf an der Kirche fand oder findet bald eine Außenveranstaltung statt. Die Bühne ist aufgebaut und die Absperrgitter stehen herum. Alle versuchen sich zu arrangieren.

Nach Vallendar geht es wieder runter an den Rhein, ein Stück der Bundesstraße entlang und dann in den Ort. Mir kommen vor allem Herren mit Brötchentüten entgegen. Sonntags um 10.00 Uhr bedeutet dies spätes Frühstück und kein Mittagessen. Durch ein Tal geht es wieder hoch. So wie ich auf eine Sonnenfläche komme, läuft der Schweiß. Ich komme an der Kaserne vorbei zur Freifläche von Ehrenbreitenstein. Diese Fläche war Teil der Bundesgartenschau 2011, ein Projekt bei dem wir auch Teile betreuen durften. Die heutige Aufenthaltsqualität geht gegen Null (siehe Bild). Was angenommen wird sind die Ausstellungen in der Festung, die Aussichtsplattform aus der Bundesgartenschau, sowie die Seilbahn. Die riesige Freifläche ist eine offene Rasenfläche, jetzt braun, ohne Bäume und Aufenthaltsqualität. Das gastronomische Angebot ist ebenfalls sehr überschaubar. Aber die Stadt ist glücklich über den Zuspruch.

Mit der umstrittenen Seilbahn fahre ich talwärts. Beim Bau der Seilbahn wurde das Weltkulturerbe Mittelrhein von Bingen bis Koblenz (Deutsches Eck) in Frage gestellt. Jetzt ist ein aufschiebender Kompromiss gefunden worden. Die Bahn darf bis 2026 betrieben werden (solange geht die derzeitige Betriebserlaubnis) und was folgt dann? Die Lösung wäre dass Weltkulturerbe um 300 m zu verkürzen. Niemand würde sich daran stören. Es wird wohl einige Konferenzen benötigen, bis eine Lösung mit allgemeiner Gesichtswahrung gefunden wird.

In Koblenz ist es überhaupt keine Schwierigkeit was zu Essen zu bekommen. Nun gehe ich ins Weltkulturerbe, welches ich die nächsten Tage nicht verlassen werde. Wegen der Hitze wird jeder Biergarten zum Auftanken und Abkühlen genutzt. Überall stehen Burgen herum, aber fast keine ist “Original“. Sie sind fast alle Produkt der Rheinromantik im 18. und 19. Jahrhundert. So auch die Burg oder das Schloss Stolzenfels, der ich mich von oben nähern möchte. Ich gehe nochmals ca. 200 Höhenmeter bergauf. Viel kühler ist es im Wald auch nicht. Burg und selbst die Zufahrt mit Steinbrücke und Torturm sind ein romantischer Traum. Die Burg kannst du 1:1 in Disney-Land nachbauen.

Kurz vor Ankunft in Rhens beobachte ich noch die Rheinschifffahrt. Ich habe eine grandiose Entdeckung für unsere LEAN Freunde gemacht (siehe Bild). Mit der Gitte schiebst du eine riesige Bugwelle mit nachfolgenden Täler vor dir her. Mit LEAN ist alles geglättet und das Schiff (das Projekt) gleitet sanft dahin. Ich bin ganz Stolz auf meine schnelle Reaktion am späten Nachmittag bei 35 Grad. OK, so schnell fahren die Schiffe dann doch nicht, aber die Synapsen funktionieren noch.

Kurz vor dem Hotel trinke ich noch am Rhein am Schiffsanleger ein eiskaltes Bier. Selten hat ein Bier aus der Flache besser geschmeckt.

Ich wurde jetzt schon zweimal gefragt, ob die Schuhe so eine Wanderung durchhalten. Erst mal, die meisten Wanderschuhe geben ihren Geist nicht beim Wandern auf, sondern gehen im Keller kaputt. Sie lösen sich im wahrsten Sinne des Wortes auf, nicht die Schuhe, sondern die Sohlen. Durch die Feuchtigkeit und die fehlende Bewegung werden sie spröde. Meist nach einer längeren Pause geschieht dies bei der ersten Wanderung. Man hat die gesamte Sohle in der Hand. Die Schuhe selbst halten so eine Wanderung von ca. 3.000 km ohne Probleme aus. Am wichtigsten ist die Schuhe trocken zu halten. Die Innensohle kommt sofort raus. Entweder werden die Schuhe umgekehrt auf die Heizung gelegt oder ich „unterstütze“ den Vorgang auch mit dem Fön. So alle zwei Wochen werden sie von mir eingefettet. Das Mittel in kleiner Portion trage ich mit. Als „Lappen“ zum Auftragen dient mir eine Serviette aus gutem Hause (festere Qualität). Ich habe auch schon Toilettenpapier und Schminkpats (sehr schlecht geeignet) probiert. Die Sohle ist nach 1.500 km ein noch nicht blank und hat noch genügend Profil. Die werden auch noch die 3.000 km aushalten. Der Rest hängt vom persönlichen Laufstil ab. Meist werden die „Absätze“ ungleichmäßig abgelaufen. Da hilft nur durch mit den gleichen Schuhen Durchlaufen und nachher neu besohlen lassen. Es wird dann die gesamte Sohle mit Dämpfung ausgetauscht. Dann kann die nächste Fernwanderung erfolgen. Also zwei Wochen Pause dazwischen sind obligatorisch und kein Anzeichen von Schwäche!


Entfernung

Etappe – 31,5 km

Gesamt – 1.830,6 km

Höhenmeter

Etappe – 513 m

Gesamt – 15.677 m