Etappe 2 – Von Wassersleben nach Tarp – 39,6 km

Erst noch kurz an die dänische Grenze (Tagesausflüge erst in 7 Tagen für Deutsche möglich, außer man kommt aus SH, und das nimmt man mir nicht ab) und dann auf die Via Jutlandica, einem früheren Ochsenweg, Richtung Schleswig. Dieser Tag war eher geprägt durch die Strecke als durch Highlights. Asphalttreten im wahrsten Sinne des Wortes.



Wassersleben – Kruså (Dänemark) – Handewitt- Oeversee – Tarp

Eine Änderung in den Hotels zu den Corona-Zeiten wird schon beim Frühstück offenbar. Es gibt keine Buffets! Abends wählt man sein Frühstück aus und morgens wird es frisch an den Tisch serviert. Kein Aufstehen, kein Gerenne, für alle läuft es wesentlich ruhiger und genussvoller ab.

Kurz ab an die Grenze nach Dänemark bei Kruså über die alte Zollstraße. Alle Fahrzeuge nach Dänemark werden kontrolliert, nach Deutschland ist der Weg offen. An einem zweiten Grenzpunkt bei Padborg gab es lange Schlangen. Wenn man dies sieht und spürt, weiß man erst wieder, was wir an Europa mit den offenen Grenzen hatten. Ich bin nur kurz über die „grüne“ Grenze gegangen, da es für mich wohl noch nicht erlaubt ist.

Fortgesetzt wird die Wanderung über die Via Jutlandica, diese ist Teil eines der vielen Zubringer des Jakobswegs. Er verbindet die nördlichen Jakobswege mit den rheinischen Routen und führt von Aalborg in Dänemark über Flensburg, Schleswig, Rendsburg nach Glückstadt an der Elbe. Er orientiert sich am Ochsenweg, einem historischen Landweg, auf dem Rinder aus Jütland an die schleswig-holsteinische Westküste getrieben wurden. Dieser Teil wurde 2007 eingeweiht. Nach diesem Tag hatte ich den Eindruck, dass die Route aus dem Auto heraus festgelegt wurde. Fast die ganze Strecke war asphaltiert oder zumindest geschottert, ein Graus für Wanderer und ihre Füße.

Die Auswahl der Wege scheint nicht nur der Bequemlichkeit geschuldet, sondern auch der Erbfolge. Hier wird nicht gleichmäßig geteilt, sondern der erste Sohn bekommt die Landwirtschaft. Die Felder sind wesentlich größer und benötigen weniger Erschließung, also Feldwege. Die Äcker werden fast ausschließlich von den Hof- und Ortsverbindungsstraßen erschlossen, und die sind Dank des Wohlstands fast alle asphaltiert.

Die Wanderung führt über Felder und Wiesen und durch die Endmoränelandschaft mit ihren Hügeln und den großen Felsbrocken. Wenn der Rücken der Möränelandschaft erst mal erklommen ist, geht es nur noch sanft, aber regelmäßig, auf und ab. Zwei landschaftliche Highlights gab es doch noch:

Wir kamen durch das “Stiftungsland Schäferhaus“ bei Handewitt, eine afrikanische Savanne vor den Toren Dänemarks. Das Gelände war ursprünglich militärisch genutzt und deshalb war der Boden sehr nährstoffarm. Also machte man eine Wilde Weide mit Galloway-Rindern und Koniks daraus, die das Gelände beweiden und für den Savannencharakter sorgen. Nach Löwen habe ich vergeblich Ausschau gehalten. Es ist ja allgemein bekannt, dass Koniks eine der noch wenigen Wildpferdrassen sind.

Einen Moränenendsee (Sankelmarker See) durften wir auch halb umrunden und dann die Endmoräne erklimmen. Wer es wissen möchte, wie diese Seen entstanden sind, Internet hilft.

Mit doch ziemlich müden Beinen haben wir unser Quartier in Tarp erreicht, etwas abseits von der eigentlichen Route. Dies kann das Los sein, wenn man erst spät die Unterkuft bucht. Dafür ist die Freiheit, je nach Fitness zu entscheiden, groß. Auch wieder nett war die Gästezusammensetzung beim Abendessen. Dänisch dominierte. Kollege Christopher Philipsen hätte kräftig mitmischen können.


Entfernung

Etappe – 39,6 km

Gesamt – 72,1 km

Höhenmeter

Etappe – 207 m

Gesamt – 472 m