Das Motto für die heutige Etappe lautet immer am Meer entlang. Nach einigen Kilometer geht es oberhalb des Kliffs über die Landstraßen weiter, immer die Ostsee links von mir, soweit das Auge reicht. Der Ort ganz außen heißt Schwedeneck, die Dänen, die auf dem Weg nach Schweden dazwischen liegen, wurden übergangen.

Kliffstrand entlang der Förde 
Landstraße entlang der Küste 
Blick aus dem Fenster auf die Förde und im Hintergrund Laboe
Eckernförde – Aschau – Jellenbek – Schwedeneck – Kiel-Schilksee
Der erste Teil ist noch von ein paar Hindernissen gepflastert. Erst müssen wir die Bahngleise überwinden und dann noch an einer militärischen Einrichtung vorbei, bis wir den Strand erreichen. Zwischendurch ging es noch durch den „Begräbniswald Küstenfrieden“. Waldbegräbnisse scheinen hier oben von hoher Bedeutung zu sein (siehe auch Etappe 1). Nun erst mal die Schuhe aus und barfuß am Wasser entlang. Militärische Einrichtungen und auch Jachthafen bedingen immer wieder „Landgänge“ bevor es wieder am Meer entlang gehen kann. Viele andere Strandläufer begegnen uns mit Hund, aber keine mit großen Rucksäcken.
Bei unserer Rast am Strand werden wir Zeugen einer Einheit Surfunterricht. Die Schüler*innen gewandet in Neoprenanzüge begaben sich tapfer ins Wasser. Erst dachten wir der elegant in Herrenshorts und lässig hochkrempeltem cremeweißem Herrenhemd gekleidete Surflehrer wollte von Land aus dirigieren, bis er sich nonchalant aufs Brett begab und souverän – wie einem Modemagazin entstiegen (die Frisur saß auch) seine Stunde auf dem Wasser abhielt. Unsere Vermutung: Er bekam keinen Tropfen Wasser ab.
Nach einigen Kilometern verlassen wir freiwillig den Strand, da er fürs Schlendern, aber durch die wechselnde Beschaffenheit nicht fürs Wandern geeignet ist. Kraftaufwand und Fortkommen sind in einem schlechten Verhältnis zueinander nicht durchzuhalten bei langen Strecken.
Der Tag sollte eine Wohltat für die Füße werden. Dabei meine ich die hochdeutschen Füße, nicht die schwäbischen, die gehen nämlich bis zur Hüfte. Die Füße werden sehr geschunden und sind die Belastung nicht gewohnt. Sie lassen sich auch nur bedingt vorbereiten, da sie jeden Tag ca. 10 Stunden in schwerem Schuhwerk stecken. Entweder sind die Schuhe zu fest gebunden (Druckstellen) oder sie sind zu locker (Reibung mit Blasen), sie sind zu eng (Druckstellen und Blutblasen) oder sie sind zu weit (Blasen an der Sohle). Tagsüber hilft oft einfach nur ignorieren, irgendwo drückt es immer. Abends sind dann die Füße gut zu pflegen und es ist darauf zu achten, dass die Schuhe innen austrocknen können. Dazu immer die Einlegesohlen herausmachen, und eine Heizung in der Nähe schadet auch nicht. Mit der Zeit kennt man seine Füße und deren Problemstellen und nach 4 Tagen ist der erste Schwung von Weh-Wehchen vorbei, wie jedes Jahr.
Nach 15 km Landstraße, wenn auch teilweise unter ausladenden Alleenbäumen waren wir froh unsere Unterkunft erreicht zu haben. Nach unserer bisherigen Wanderleistung haben wir uns dieses Hotel in Kiel-Schilcksee auch verdient. Es ist ja allgemein bekannt, dass in Schilksee das Olympiazentrum für die Segler war. Es heißt Hotel Olympia und war Teil des Olypischen Dorfes. Sie haben hier jeglichen Aufwand betrieben (also möglichst wenig), um den Charme von 1972 zu erhalten: Laminatboden, Duschwanne mit Vorhang, gefühlt 3 Steckdosen im Appartement und kein WLAN. So etwas gab es damals noch nicht. In unserem hat sicherlich ein Goldmedalliengewinner gewohnt. Es strahlt sowas aus. Der Blick vom Balkon über die Kieler Förde und nach Laboe, ist jedoch sensationell. Also zum Italiener, ein Fläschchen Gavi di Gavi trinken (dann darfst Du lange bleiben) und den Blog schreiben. Man muss sich zu helfen wissen, und für euch opfere ich mich auch und trink halt eine gute Flasche Wein. Bis morgen!

Entfernung
Etappe – 32,5 km
Gesamt – 176,6 km

Höhenmeter
Etappe – 166 m
Gesamt – 1.038 m